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DFB-Pokal der Frauen: Die "jungen Wilden" aus dem Süden
Am Samstag (ab 16 Uhr, live im ZDF) stehen sich der 1. FFC Frankfurt und der FC Bayern München im DFB-Pokalfinale der Frauen in Köln gegenüber. Für die Bayern ist es die erste Finalteilnahme seit 22 Jahren. Der Einzug ins Endspiel gilt auch als Erfolg der Philosophie der Bayern: Mit Talenten aus der Region eine schlagkräftige Mannschaft zu stellen. Die Journalistin Kathrin Steinbichler über die "jungen Wilden" aus dem Süden.
Lena Lotzen müsste eigentlich an ihr Fachabitur denken, das sie nur eine Woche nach dem DFB-Pokalfinale schreiben muss. Aber da ist dieser Termin in Köln, der sie ablenkt. "Seit klar ist, dass wir im Finale stehen, denkt jede von uns an kaum etwas anderes", sagt die 19-Jährige. Doch Lotzen hat es bisher gut geschafft, Schule und Fußball unter einen Hut zu bringen, sie wird das auch bis zu ihrem Fachabitur hinbekommen. "Erst kommt das eine, dann das andere. Man muss sich da einfach organisieren", sagt Lotzen. Und sich zu organisieren, das hat sie gelernt in den bisher zwei Jahren beim FC Bayern München.
Lena Lotzen: "Der FC Bayern kam gerade richtig"
Lena Lotzen war gerade 17 Jahre, als bei ihr zuhause in Würzburg das Telefon klingelte. Bis dahin hatte die Offensivspielerin in der männlichen Jugend der heimischen JFG Kreis Würzburg Süd-West gespielt. Eine Mädchen- oder Frauenmannschaft erlebte Lotzen nur, wenn sie in den verschiedenen bayerischen und nationalen Auswahlmannschaften auflief.
Jetzt also fragte Thomas Wörle, der neue Frauen-Trainer des FC Bayern München, bei ihren Eltern an, ob Lena sich vorstellen könnte, nach München zu kommen, ihren Wohnort, ihre Schule, ihr Umfeld zu wechseln und für den FC Bayern zu spielen. "Meine Eltern waren erst gar nicht begeistert, aber sie haben mich immer unterstützt", sagt Lotzen, "sie wissen, dass ich Fußball spielen will, und zwar so gut wie möglich. Da kam der FC Bayern gerade richtig."
Der Schritt hat sich gelohnt: Lotzen ist nicht nur bereits Stammspielerin bei den Münchnerinnen, seit diesem Frühjahr gehört die erst 19-Jährige auch zum Kader der deutschen A-Nationalmannschaft. Bundestrainerin Silvia Neid hatte die beidfüßige, 1,71 Meter große Fränkin für den Algarve Cup berufen, als mit Nationalstürmerin Martina Müller eine Offensivspielerin verletzt ausfiel.
Bayern-Trainer Wörle: "Lena ist ein Riesen-Talent"
Und Lotzen machte ihre Sache gut: Sie empfahl sich im Training und kam bei dem Turniersieg zu drei Einsätzen. Nur eine Knöchelverletzung verhinderte, dass sie im Anschluss auch für die EM-Qualifikationsspiele gegen Spanien und in der Schweiz nominiert wurde. "Lena ist ein Riesen-Talent", sagt ihr Trainer Thomas Wörle, "sie wird ihren Weg machen, da bin ich mir sicher. Sie ist unheimlich lernbereit und hat alle Anlagen, die man im Spitzenfußball der Frauen braucht."
Lotzen ist derzeit eine der auffälligsten, aber nicht die einzige noch junge Spielerin im Team der Münchnerinnen. Der FC Bayern hat sich über die Jahre eine Mannschaft aus Talenten aufgebaut. Junge Spielerinnen mit Perspektive und bereits ersten Einsätzen für die Nationalmannschaft wie Katharina Baunach (23), Julia Simic (23), Torhüterin Kathrin Längert (25) und zuletzt Lena Lotzen (19) - dazu kommen Juniorinnen-Nationalspielerinnen wie U 20-Weltmeisterin Stefanie Mirlach aus Ingolstadt oder die Allgäuer U 19-Europameisterin Ivana Rudelic. Eine Handvoll Routiniers wie die 30-malige Nationalspielerin Isabell Bachor oder Weltmeisterin Petra Wimbersky, die derzeit wie Julia Simic wegen eines Kreuzbandrisses nur zusehen kann, sorgen für Stabilität.
Daneben ist es beim FC Bayern inzwischen gute Tradition, einige der Besten aus den Nachbarländern des Alpenraums bei sich zu versammeln. Ob die Schweizer Nationalstürmerin Vanessa Bürki (25) oder die österreichischen Auswahlspielerinnen Viktoria Schnaderbeck (21), Laura Feiersinger (19), Carina Wenninger (21) und Sarah Puntigam (19) – sie alle zieht es in die bayerische Landeshauptstadt, um sich unweit der Heimat in der Bundesliga zu versuchen.
Bayern-Managerin Danner: "Junge Talente an die nationale Spitze heranführen
"Es ist schon seit längerem unser Konzept, die Besten aus dem Süden bei uns zu versammeln und mit ihnen zu arbeiten, um die Anlaufstelle schlechthin für junge Fußballerinnen zu werden", sagt Managerin Karin Danner: "Wir werden unserer Philosophie, junge Talente an die nationale Spitze heranzuführen, weiter treu bleiben."
Den Traum vom Pokalfinale aber erfüllten dann ausgerechnet zwei Spielerinnen, deren Heimat etwas weiter entfernt liegt: Beim 5:2 im Halbfinale über den Hamburger SV sorgten die im Winter verpflichteten Amerikanerinnen Niki Cross (26) und Sarah Hagen (22) für die umjubelten Tore zum Sieg. "Wir hatten nach der Vorrunde so viele Verletzte, dass wir etwas tun mussten", sagt Danner, "und die beiden wurden uns angeboten."
Der Kontakt kam über einen Spieleragenten zustande, der den beiden US-Girls nach dem Aussetzen der US-Profiliga eine neue Perspektive verschaffen wollte. "Die beiden passen super ins Team", sagt Trainer Wörle. Dass sie aber bei ihrem Abenteuer in "good old Germany" gleich im DFB-Pokalfinale landen würden, hätten die beiden bestimmt nicht gedacht.



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