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16.08.2006·17:00·ARCHIV

"Nachwuchsspieler der Saison 2005/2006": Fritz-Walter-Medaille für zwölf Talente

Matthias Sammer (2.v.r.) und Horst Hrubesch (6.v.r.) im Kreise der Preisträger  © Bongarts/Getty Images
Matthias Sammer (2.v.r.) und Horst Hrubesch
(6.v.r.) im Kreise der Preisträger
Zum zweiten Mal wurde am Mittwoch vor dem Länderspiel der Nationalmannschaft gegen Schweden in Gelsenkirchen die Fritz-Walter-Medaille an die „Nachwuchsspieler der Saison“ vergeben. Eine Jury aus Vertretern des DFB-Präsidiums, des DFB-Jugendausschusses und des DFB-Trainerstabs hat die Gewinner benannt.

Im Rahmen der Verleihung in der Gelsenkirchener alten Zeche Stadt.Bau.Raum blickte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer optimistisch in die Zukunft: "Ich bin überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Da kommt was nach. 1996 kam der Gedanke auf, dass die Mannschaft der Star íst, darüber dürfen wir aber nicht vergessen, dass wir gezielt individuell fördern müssen".

DFB-Trainer Horst Hrubesch schloss sich dem Lob seines Vorredners an: "Man merkt, dass etwas geschieht. In vielen Vereinen wird mittlerweile sehr gute Nachwuchsarbeit geleistet. Allein in meinem Jahrgang hatte ich in der vergangenen Saison 13 oder 14 Spieler, die bereits Einsätze bei den Profis hatten".

Hrubesch und seine DFB-Trainerkollegen Frank Engel, Bernd Stöber, Maren Meinert und Ralf Peter stellen die Preisträger vor, die in deren Nationalmannschaften zum Einsatz kamen.

U 19-Junioren, Jahrgang 1987

Kevin-Prince Boateng (Hertha BSC Berlin, Mittelfeld)

Horst Hrubesch über Kevin-Prince Boateng: „Kevin ist für sein Alter schon sehr weit. Vor allen Dingen verfügt er körperlich über die allerbesten Voraussetzungen. Dadurch kann er sich defensiv in den Zweikämpfen sehr gut durchsetzen. Aber auch mit dem Ball besteht er in Situationen Mann-gegen-Mann, weil er über eine überdurchschnittliche Technik verfügt. Er ist sehr kreativ und auch torgefährlich. Er verkörpert den Typ Spieler, der eine Begegnung entscheiden kann.“

Robert Flessers (Borussia Mönchengladbach, Abwehr)

Horst Hrubesch über Robert Flessers: „Robert ist mein Kapitän. Aber er ist auch in der Mannschaft anerkannt. Seine Mitspieler wissen, wie wichtig er für das Team ist. Er ist ein Vorbild in puncto Einsatz. Er gibt niemals auf, kämpft, gibt immer alles. Außerdem ist er dank seiner taktischen Fähigkeiten und seinen körperlichen Voraussetzungen ein effektiver Innenverteidiger. Im Eins-gegen-eins ist nur schwer an ihm vorbei zu kommen. Dass er schon Einsätze im Profi-Team der Borussia absolviert hat, verwundert mich nicht.“

Daniel Adlung (SpVgg. Greuther Fürth, Mittelfeld)

Horst Hrubesch über Daniel Adlung: „Daniel verfügt über einige sehr gute Voraussetzungen. Körperlich ist er voll austrainiert. Technisch gesehen, hat er eine gute Ballan- und –mitnahme. Vorbildlich ist auch sein Einsatz, daraus spricht der Wille zum Sieg. Zudem scheut er sich nicht, Verantwortung zu übernehmen. Allerdings würde ich es mir wünschen, dass er seine Mitspieler noch ein bisschen mehr führt – das Zeug dazu hat er.“

U 18-Junioren, Jahrgang 1988

Sergej Evljuskin (VfL Wolfsburg, Mittelfeld)

Frank Engel über Sergej Evljuskin: „Sergej ist ein intelligenter, umsichtiger Spieler. Er ist vom Kopf, von seiner Persönlichkeit schon sehr weit. Er verfügt über eine starke Ausstrahlung. Dadurch genießt er im Team großes Ansehen – sowohl auf dem Feld als auch daneben. Von daher ist er auch der richtige Kapitän. Sportlich gesehen ist er mein verlängerter Arm auf dem Spielfeld. Er setzt taktische Vorgaben sehr diszipliniert um, zeigt Einsatz und Leistungsbereitschaft und weiß damit seine Mitspieler mitzureißen. Außerdem ist er ballsicher und laufstark.“

Alexander Eberlein (TSV München 1860, Abwehr)

Frank Engel über Alexander Eberlein: „Alexander ist mein Abwehr-Organisator. Er hat beim Granatkin-Cup in St. Petersburg ein sehr gutes Turnier gespielt. Seine Stärke ist, dass er ein sehr umsichtiger Spieler ist. Er bewahrt auch in brenzligen Situationen die Übersicht, das verleiht seinem Spiel eine gewisse Souveränität. Außerdem ist er spielstark von hinten heraus, kurbelt den Spielaufbau an. Insgesamt muss man sagen, dass er in der vergangenen Saison eine gute Entwicklung genommen hat. Für die Zukunft erwarte ich von ihm, dass er sein Zweikampfverhalten weiter verbessert, was aber automatisch mit der körperlichen Entwicklung kommen wird. Zudem könnte er in der Offensive mehr Akzente setzen.“

Jose-Alex Ikeng (VfB Stuttgart, Mittelfeld)

Frank Engel über Jose-Alex Ikeng: „Für Jose-Alex war das Turnier um den Granatkin-Cup in St. Petersburg sehr wertvoll. Dort ist er als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet worden. Seine Leistungen waren auch sehr gut und es hat ihn in seiner Entwicklung als Persönlichkeit auch weiter gebracht. Auf dem Spielfeld ist er ein vielseitig einsetzbarer Typ. Aus dem Mittelfeld heraus kann er Akzente in der Offensive und Defensive setzen. Da macht er Dinge, die haben Hand und Fuß. Körperlich ist er sehr präsent. Zudem ist er torgefährlich aus der zweiten Reihe. Manchmal hat er jedoch Phasen im Spiel, da ist er sehr unauffällig, da wünsche ich mir, dass er mehr Spielaktivität zeigt, ein bisschen mehr aus sich herausgeht.“

U 17-Junioren, Jahrgang 1989

Lars Bender, Marko Marin und Sven Bender (M. v.l.)  © Bongarts/Getty Images
Lars Bender, Marko Marin
und Sven Bender (M. v.l.)
Lars Bender (TSV München 1860, Mittelfeld)

Bernd Stöber über Lars Bender: „Lars ist ein unglaublich mannschaftsdienlicher Spieler. Obwohl er über große individuelle Qualitäten verfügt, eine kluges Passspiel hat, gute Dribblings aus der Tiefe macht, stellt er sich immer in den Dienst der Mannschaft. Er zeigt Mut zum Risiko im Spiel nach vorne und bereitet viele Torchancen vor. Dabei könnte er ruhig ein wenig eigensinniger sein, um selbst mehr Torgefahr auszustrahlen. Für ihn und seinen Zwillingsbruder Sven gilt, dass sie beide äußerst charakterstark sind, sie sind aufrichtige und geradlinige Typen, einfach kernige, ehrliche Jungs.“

Marko Marin (Borussia Mönchengladbach, Mittelfeld)

Bernd Stöber über Marko Marin: „Marko ist ein Spieler, wie man ihn sich als Trainer nur wünschen kann. Er ist technisch hochbegabt. Er hat immer wieder überraschende Ideen. Und er macht Dribblings, wie man sie lange nicht mehr gesehen hat. Er ist ein sehr bejahender Typ, das heißt, er hat keine Angst ein Risiko einzugehen. Er ist ständig aktiv, macht und tut. Ich hoffe, dass man ihm diese Lockerheit nicht nimmt, wenn er in den Seniorenbereich geht. Aber diesbezüglich bin ich optimistisch, denn obwohl er körperlich eher ein Leichtgewicht ist, lässt er sich auch nicht beeindrucken, wenn er gegen Leute spielt, die nicht nur größer, sondern auch robuster zu Werke gehen.“

Sven Bender (TSV München 1860, Mittelfeld)

Bernd Stöber über Sven Bender: „Sven ähnelt seinem Bruder Lars insofern als er auch hochgradig mannschaftsdienlich spielt. Allerdings hat er keine spektakuläre Aktionen in seinem Spiel, man lernt ihn erst zu schätzen, wenn man ihn einige Spiele beobachtet hat. Seine Stärke liegt darin, dass er viel vorausahnt. Er ist wichtig für die Mannschaft, weil er den Spielern den Rücken frei hält, die risikoreich spielen. Deswegen ist er auf der zentralen, defensiven Position im Mittelfeld so gut aufgehoben. Seine Leistungen basieren auf einer sehr guten technischen Ausbildung. Allerdings wünscht man sich, dass er manchmal ein bisschen offensiver agiert. Hervorzuheben ist auch noch, dass er und sein Bruder über eine hohe Eigenmotivation verfügen.“

Juniorinnen

Anna Blässe (Hamburger SV, Angriff)

Maren Meinert über Anna Blässe: „Anna hat alle Jugend-Nationalmannschaften durchlaufen. Vor zwei Jahren in Thailand ist sie bereits Weltmeisterin geworden. Sie spielt zwar nicht immer von Anfang an, aber wenn sie eingewechselt wird, ist sie sofort da. Sie hadert nicht damit, auf der Ersatzbank gesessen zu haben, bei ihr hat man immer das Gefühl, dass sie noch etwas bewegen kann. Sie ist schnell und torgefährlich, verfügt über viel internationale Erfahrung. Außerdem zeigt sie Einsatzwillen und Kampfgeist, geht Bällen hinterher, bei denen andere stehen bleiben. Jetzt wechselt sie vom FF USV Jena zum Hamburger SV, sie wagt diesen Schritt, um sich weiter zu entwickeln.“

Nadine Keßler (1. FC Saarbrücken, Mittelfeld)

Maren Meinert über Nadine Keßler: „Obwohl Nadine noch dem jüngeren Jahrgang angehört, ist sie schon die Spielführerin der U 19. Vom Charakter her schafft sie es eine Mannschaft zusammenzuführen. Sie ist eine ideale Mannschaftsführerin, vor allen Dingen weil sie von ihren Mitspielerinnen akzeptiert wird. Trotz ihres Alters trifft sie weitsichtige und vernünftige Entscheidungen. Auf dem Feld setze ich sie als Spielmacherin ein, sie kann sowohl auf der Position 10 als auch auf 6 eingesetzt werden. Sie hat ein sehr gutes Auge. Und egal auf welcher Position, ist sie auch sehr torgefährlich. Beim 1. FC Saarbrücken ist sie in der zweiten Bundesliga schon eine entscheidende Spielerin, trotz ihres Alters wird sie dort schon sehr gefordert.“

Stefanie Draws (FFV Neubrandenburg, Abwehr)

Ralf Peter über Stefanie Draws: „Steffi ist von Beginn an bei diesem Jahrgang dabei, sie hat, glaube ich, nur ein Länderspiel in dieser Zeit verpasst und das auch nur, weil sie damals bei den U 19-Frauen war. Sie spielt bei mir in der Innenverteidigung und gehört zu den absoluten Leistungsträgerinnen. Sie spielt schon mit einer bemerkenswerten Konstanz, dass ich ganz schwer nachdenken müsste, um mich daran zu erinnern, wann sie einmal in einem Spiel unter ihren Möglichkeiten geblieben ist. Zu ihren Stärken zählt, dass sie ein Spiel sehr gut lesen kann, sie ist stark im Zweikampf, verfügt über ein sehr gutes Kopfballspiel und ein sicheres Passspiel. Sie ist definitiv eine Spielerin mit Perspektive, ich bin optimistisch, dass sie den Übergang in den nächsten Altersbereich nahtlos schaffen wird.“

[nb/js]

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