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04.06.2012·13:00·UEFA EURO ·DFB.DE GESPRÄCH DER WOCHE

Stark: "Auf einer Stufe mit WM und Olympia"

"Ein tolles Finale": Stark beim Europa-League-Endspiel Atletico gegen Bilbao  © Bongarts/GettyImages
"Ein tolles Finale": Stark beim Europa-League-Endspiel Atletico gegen Bilbao

Wolfgang Stark muss in diesem Jahr ohne Sommerpause auskommen. Doch er freut sich darüber, sehr sogar. Denn was ist schon Urlaub gegen die Teilnahme an einem großen Turnier? Nach den Olympischen Spielen 2008 und der WM 2010 ist der Schiedsrichter aus dem niederbayerischen Ergolding diesmal bei der EM in Polen und der Ukraine im Einsatz.

Im DFB.de-Gespräch der Woche mit David Bittner, Redakteur der Schiedsrichter-Zeitung des DFB, hat der 42-Jährige über Turnier-Erfahrungen und Turnier-Erwartungen gesprochen.

DFB.de: Herr Stark, vor ein paar Wochen haben Sie das Finale der Europa League zwischen Atlético Madrid und Athletic Bilbao geleitet – für Sie die perfekte Einstimmung auf die EM?

Wolfgang Stark: Von der ganzen Atmosphäre her war das schon ein tolles Finale. Bei der Europameisterschaft werden die Stimmung und das ganze Drumherum ähnlich sein. So gesehen hat das Finale die Vorfreude auf die EM gesteigert.

DFB.de: Welchen Stellenwert hat die Europameisterschaft in Ihrer persönlichen Karriere, neben den vielen anderen großen Spielen, die Sie bereits geleitet haben?

Stark: Neben Olympia und Weltmeisterschaft ist die Europameisterschaft eines der drei großen Turniere, die es weltweit gibt. Es ist das große Ereignis der UEFA, bei dem die Topteams aus Europa zusammenkommen, und bei dem man natürlich auch als Schiedsrichter dabei sein will. Innerhalb von rund drei Wochen finden 31 Spiele statt – das bedeutet, dass die Anforderungen an Spieler und Schiedsrichter sehr intensiv sind. Ich würde die EM daher auf eine Stufe stellen mit WM und Olympia.

DFB.de: Auch national waren Sie zuletzt nur noch bei Spielen angesetzt, in denen für die Mannschaften einiges auf dem Spiel stand. Dazu kam das Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin mit den negativen Begleiterscheinungen. Wie sehr zehren solche Spiele auch an Ihren Kräften?

Stark: Zu dem Spiel in Düsseldorf ist von meiner Seite alles gesagt. Grundsätzlich sind entscheidende Spiele für mich eigentlich die optimale Vorbereitung auf die EM, denn auch dort wird es in jedem Spiel um sehr viel gehen. Jede Mannschaft hat nur drei Gruppenspiele und will weiterkommen, also ist jedes Spiel ein Endspiel. Das erhöht den Druck auf die Spieler und damit auch auf uns Schiedsrichter. Wenn man das so sieht, geht es für uns jetzt nahtlos weiter. Wir fühlen uns körperlich sowie mental bestens gerüstet.

DFB.de: Wie sah Ihre unmittelbare Turniervorbereitung aus?

Stark: Unser Ziel war es, unseren körperlich hohen Level zu halten, den wir am Saisonende hatten. Unsere Vorbereitung auf die EM hatte ja schon im Dezember vergangenen Jahres begonnen: Von der UEFA erhalten wir seitdem spezielle Trainingsanweisungen. Diese sind so detailliert ausgearbeitet, dass man uns genau sagt, an welchen Tagen wir Sprints, Ausdauer oder Kraft trainieren sollen – und auch, an welchen Tagen wir frei haben. Wenn zwischendurch Spiele – wie das in Düsseldorf – dazwischenkommen, wird das Training dann natürlich flexibel gehandhabt. Dennoch war nach dem Saisonende keine Zeit zum Runterfahren, sondern wir haben die Überbrückungsphase genutzt, um uns fit zu halten.

DFB.de: Der UEFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina hat bei den Vorbereitungslehrgängen der Schiedsrichter immer wieder betont, dass er athletische Schiedsrichter sehen will. Wie wichtig ist die körperliche Fitness aus Ihrer Sicht für eine erfolgreiche Spielleitung?

Stark: Da die Spiele in den vergangenen Jahren schneller geworden sind, müssen die Schiedsrichter diesen Trend mitgehen. Die Fitness eines Schiedsrichters ist wichtig, um dem Spiel folgen zu können. Neben dieser Grundvoraussetzung kommen dann Aspekte wie Persönlichkeit und mentale Vorbereitung hinzu. Ebenso wichtig ist der technische Bereich. Das bedeutet neben einer sicheren Regelkenntnis auch, dass man als Schiedsrichter weiß, wie die Mann schaften taktisch ausgerichtet sind, und dass man seine Spielleitung und sein Laufverhalten darauf einstellen kann. Eine entsprechende Vorbereitung ist enorm wichtig, denn im heutigen Fußball passiert nichts zufällig.

DFB.de: Vor großen Turnieren erhalten die Schiedsrichter oft Instruktionen, worauf sie in den Spielen besonders achten sollen. Welche Anweisungen haben Sie für die kommende EM erhalten?

Stark: Die Themen sind in diesem Jahr etwas umfassender als vor manchem Turnier in der Vergangenheit: Halten und Klammern im Strafraum, Abseits, Handspiel, Täuschungsversuche, Ablauf bei Freistößen sowie das Prozedere bei Verletzungen und Rudelbildungen waren die Themen, die wir bei unseren Workshops vor der EM behandelt haben.

Stark: "Spiele fehlerfrei leiten"  © Bongarts/GettyImages
Stark: "Spiele fehlerfrei leiten"

DFB.de: Bei Ihren EM-Einsätzen werden Sie nicht nur von Ihren Assistenten Jan-Hendrik Salver und Mike Pickel unterstützt, sondern auch von Deniz Aytekin und Florian Meyer, die als weitere Assistenten, gemeinhin als Torrichter bezeichnet, zum Einsatz kommen. In welchen konkreten Situationen können die beiden Sie als Schiedsrichter unterstützen?

Stark: Es ist so, dass ihre Aufgabe weit über die Anzeige hinausgeht, ob der Ball im Tor ist oder nicht. Ihre offizielle Bezeichnung ist "Additional Assistant Referees", und das beschreibt im Grunde genommen auch ihren Job: Sie unterstützen mich vor allem bei Vorfällen in den Strafräumen, insbesondere bei Vergehen, die ich als Schiedsrichter nicht sehen kann. Die Kommunikation mit ihnen erfolgt über das Headset, genauso wie mit meinen anderen beiden Assistenten. Wichtig dabei ist eine klare Absprache vor dem Spiel: Weil es im Spiel schnell gehen muss, haben wir unsere Schlagwörter, sodass wir uns sekundenschnell absprechen und eine Entscheidung treffen können.

DFB.de: Welches persönliche Ziel haben Sie sich für die EM gesetzt?

Stark: Unser Ziel ist einfach zu formulieren: Wir wollen als Team auftreten und unsere Spiele möglichst fehlerfrei leiten. Genauso, wie wir das bei der WM 2010 gemacht haben. Alle Beteiligten sollen zufrieden sein mit der Leistung von uns Schiedsrichtern. Uns bleibt ja auch nichts Anderes übrig, als uns auf unsere eigenen Spiele zu fokussieren. Denn wie lange wir bei der EM dabeibleiben, hängt schließlich auch vom Turnierverlauf ab.

[dfb]

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