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12.05.2012·11:45·DFB-Pokal

"Nobby" Dickel: Der "Held von Berlin" - Mit Magerquark zum Pokalsieg

Feierte mit Kevin Großkreutz die Meisterschaft 2012: Norbert Dickel (l.)  © Bongarts/GettyImages
Feierte mit Kevin Großkreutz die Meisterschaft 2012: Norbert Dickel (l.)

Ein Pokal-Endspiel von Borussia Dortmund weckt Erinnerungen an Norbert Dickel, der von den Fans noch heute euphorisch als "Held von Berlin" gefeiert wird. Es war 1989, als das Multitalent beim 4:1 über Werder Bremen BVB-Geschichte schrieb.

Norbert Dickel war natürlich vor dem Pokal-Endspiel einer der begehrtesten Interview-Partner - und das nicht nur wegen seiner kürzlich in der Dortmunder City eröffneten Currywurst-Bude, seiner selbst besungenen Meister-CD oder seiner Funktionen im Event-Management der Borussen. Immer wieder musste der einstige BVB-Profi vom letzten Pokal-Triumph der Westfalen 1989 erzählen, zu dem er zwei Treffer beim 4:1 über den damaligen Top-Favoriten Werder Bremen beigesteuert hatte - und das mit einem lädierten Knie.

Karriereende kurz nach der Sternstunde

Damals musste "Nobby" wenige Monate nach dieser Sternstunde seine Karriere als Sportinvalide beenden. Seither genießt er einen Heldenstatus. Noch heute feiern die Fans den Stadionssprecher vor jedem Heimspiel als "Held von Berlin". 23 Jahre später reiste Dickel zum zweiten Mal nach 2008, als die Borussen gegen Bayern München mit 1:2 in der Verlängerung verloren, erneut zum Endspiel in die Hauptstadt - als Kommentator des BVB-Netradios.

Auch seine Pokal-Erinnerungen reisten mit. Jener 24. Juni 1989 ist für das 50 Jahre alte Multitalent wie ein zweiter Geburtstag, denn die Dortmunder Fußball-Legende sagt: "Dieses Spiel hat mein Leben verändert. Wenn ich nicht dabei gewesen wäre, würde ich heute nicht bei dem Verein arbeiten. Das Knie ist kaputt, aber mein Leben hat einen vernünftigen Weg genommen. Ich habe alles richtig gemacht."

Vor dem Finale: Wettlauf mit der Zeit

Beinahe hätte Dickel damals das Endspiel verpasst. Im Halbfinale gegen den VfB Stuttgart (2:0) hatte sich der lange Schlaks noch durch die Partie gequält. Zwei Tage später lag er bei einem Spezialisten in Zürich unterm Messer: Außenmeniskus raus, Knorpel geglättet und Knochenstücke entfernt. Danach begann der Wettlauf mit der Zeit: Reha mit Muskelaufbau, Reizstrom sowie Magerquark, wenn das Knie wieder anschwoll. Doch der Gedanke an das Pokalfinale, die Chance auf den ersten Titel des BVB nach 23 Jahren trieb ihn immer wieder in den Kraftraum.

Zwei Tage vor dem Finale hatte Dickel das erste Mal mit der Mannschaft trainiert. Der Spielerrat mit dem damaligen Kapitän und jetzigen Sportdirektor Michael Zorc, Thomas Helmer, Torhüter "Teddy" de Beer sowie Frank Mill und Bernd Storck hatte Trainer Horst Köppel bereits seine Taktik mit Dickel erklärt. Zweifel blieben bis zum Anpfiff. Was jedoch anschließend geschah, wurde zum Stoff, aus dem Fußball-Träume sind.

Verstehen sich gut: BVB-Trainer Klopp (l.) und Dickel bei der 100-Jahr-Feier des BVB  © Bongarts/GettyImages
Verstehen sich gut: BVB-Trainer Klopp (l.) und Dickel bei der 100-Jahr-Feier des BVB

Zwei Tore mit lädiertem Knie

Dickel erzielte sieben Minuten nach der Werder-Führung durch Karl-Heinz Riedle (14.) den wichtigen Ausgleich. Mill (58.) sorgte für das 2:1, bevor erneut Dickel mit einem Sonntagsschuss in der 73. Minute das vorentscheidende 3:1 gelang. Als ihm der Ball an der Strafraumgrenze vor die Füße fiel, wuchtete er ihn mit dem Vollspann ("Mit dem Innenrist wäre mir wahrscheinlich der Meniskus weggeflogen") unhaltbar ins lange Eck. Michael Lusch (74.) setzte den Schlusspunkt, bevor der Pokal-"Held", von den Fans frenetisch gefeiert, in der 76. Minute den Platz verlassen durfte.

Bei seiner Rückkehr aus Berlin hatte Dickel, der anschließend noch sechsmal in der Bundesliga zum Einsatz kam, bevor er den Kampf mit dem noch heute ab und an zwickenden Knie verlor, zuerst feixend seinen Anrufbeantworter abgehört, den er vorher neu besprochen hatte: "Bin nicht zu Hause. Wenn wir das nächste Mal telefonieren, sprichst du mit dem deutschen Pokalsieger. Drück mir die Daumen. Beim Pfeifton kannst du schon gratulieren ..."

[sid]

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