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Olympiasiegerin Lena Neuner: Gold steht ihr gut
Das Rampenlicht ist für Magdalena Neuner nichts Ungewöhnliches. Sie kennt es, seit Jahren schon. Sie ist Deutschlands erfolgreichste Biathletin aller Zeiten, "Gold-Lena" hat man sie genannt, sie wurde bewundert, bejubelt, gefeiert.
Nach der vergangenen Saison hat die 25-Jährige aufgehört mit Laufen und Schießen. Ihr Termin kalender ist jedoch immer noch voll. Für den 12. Mai steht drin: DFB-Pokalfinale, Berlin. Neuner wird den Cup ins Stadion bringen, wieder werden alle auf sie schauen. DFB-Redakteur Gereon Tönnihsen über das "Golden Girl" des deutschen Sports.
Es ist alles noch etwas ungewohnt für Magdalena Neuner. Normalerweise war sie im Mai immer irgendwo im Trainingslager, Aufbau für die nächste Biathlon-Saison. Aber 2012 ist alles etwas anders. Oder besser: völlig anders. Denn mit 25 Jahren hat Neuner ihre Laufbahn als Profi-Sportlerin beendet. Nach fünf Jahren im Weltcup mit 34 Siegen, zwei Olympia- und zwölf WM-Titeln. "Ich habe einfach das Gefühl, dass die Zeit reif ist für eine Veränderung und mich nach dem Sport etwas Neues, ganz Tolles erwartet", hatte sie gesagt. Und dass sie sich nach Ruhe und Normalität sehne. Der letzte Schuss ihrer Karriere beim Weltcup in Chanty-Mansijsk war zugleich der Startschuss für ein neues Leben.
"Leben als Sport-Rentnerin ist nicht unbedingt langweilig"
Doch mit der Ruhe ist es jetzt, im Mai 2012, noch nicht so weit her. Magdalena Neuner ist keine Biathletin mehr, aber immer noch sehr gefragt. "Mein Leben als Sport-Rentnerin ist bis jetzt nicht unbedingt langweilig", sagt sie lachend. Und "nicht unbedingt langweilig" ist als Synonym für "ganz schön stressig" gemeint. "Seit dem letzten Weltcup habe ich ein ziemlich straffes Programm. Fotoshootings, Ehrungen – ich habe meinen C-Trainerschein gemacht und, und, und..." Der übliche Urlaub im April fiel aus. Verschoben in den Sommer. 2012 ist eben vieles anders.
Auch am Samstagabend. Neuner wird eine Hauptrolle spielen, eine gewohnte Rolle für sie, aber in ungewohnter Umgebung. Sie wird den DFB-Pokal ins Stadion bringen. 2010 hatte Model Eva Padberg diese Aufgabe übernommen, im vorigen Jahr Ex-Schwimmerin Franziska van Almsick. Und jetzt eben Magdalena Neuner. "Das ist für mich wirklich eine Riesen-Ehre. Ich konnte es anfangs gar nicht glauben als man mich gefragt hat, ob ich das machen möchte", sagt sie. Lange überlegen musste sie nicht, "ich bin zwar kein ausgewiesener Fußball-Experte, aber mir ist schon bewusst, welche Bedeutung das DFB-Pokalendspiel hat und wie viele Millionen Zuschauer diesem Tag entgegenfiebern." Und sie auch. Denn bei einem Pokalfinale war sie noch nie, "daher bin ich doppelt aufgeregt".
Es gibt nur wenige, zu denen das edle Gold des Kleides besser passen würde als zu ihr. Es steht ihr gut, auch wenn es nicht unbedingt die Farbe ist, die in ihrem Kleiderschrank besonders oft zu finden ist. "Aber bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen schon immer meine Lieblingsfarbe", sagt sie. Aber nur als Medaille, um den Hals hängend. Deshalb war es auch nicht so leicht, das richtige Kleid zu finden. Privat mag sie es lieber sportlich und leger, "aber mir macht es auch Spaß, mich hin und wieder mal in Schale zu werfen. Das Pokalendspiel ist ja schon etwas ganz Besonderes. Da darf es dann vielleicht auch mal ein besonderes Kleid sein. Und mir gefällt es."
"Alles macht Spaß"
Nun hat sie also doch noch ihren großen Auftritt im Fußball. Mit großer Verzögerung und anders als gedacht, aber immerhin. Denn es hätte alles anders kommen können. Vielleicht wäre Magdalena Neuner Bundesliga-Stürmerin geworden und nicht Deutschlands beste Biathletin. Als Kind wollte sie Fußball spielen. Aber man ließ sie nicht mitmachen. Weil sie ein Mädchen war. Und im Verein gab es damals nur Jungs, "ich war damals schon gekränkt und traurig". Lange her und lange vergessen. "Es ist doch alles gut danach gelaufen", sagt sie. Wer will ihr da widersprechen?
Später, als erfolgreiche Wintersportlerin, spielte sie einmal in der Woche mit ihrer Trainingsgruppe in Mittenwald Fußball, immerhin. Eine halbe Stunde lang. Zum Aufwärmen. Neuner spielte in der Abwehr, im Angriff, eigentlich überall, wo der Ball gerade war. "Alles macht Spaß. Manchmal habe ich sogar Tore erzielt", sagt sie. Getroffen hat sie auch an der Torwand im ZDF-Sportstudio, genau einmal – auch wenn sie eigenmächtig fünfmal nach rechts unten geschossen hatte. Neuner und Fußball – bei der Frauen-WM im vergangenen Jahr zählte sie zur "Top-Elf für 2011", als Patin warb sie für den Spielort Augsburg. "Das war eine Herzenssache. Ich fand es einfach wichtig, für dieses Ereignis zu werben", sagt sie.
Die Gegenwart heißt heute Berlin. Und die Zukunft? Es werde sicher noch etwas dauern, bis sie in ihrem neuen Leben angekommen ist, bekennt sie. Erst einmal Urlaub machen, und jetzt wirklich. "Dann schauen wir weiter", sagt Neuner. "Es gibt einige tolle neue Angebote, und außerdem habe ich ja noch fast alle meine alten Partner, mit denen ich auch in Zukunft zusammenarbeiten werde."
Ein "Golden-Girl" vergisst man nicht
Von der Bildfläche verschwinden wird sie sicher nicht, so viel ist klar. Ein "Golden Girl" vergisst man nicht. Ein Plan für den Sommer steht jedoch schon felsenfest: Fußballschauen. Vielleicht fiebert sie beim Public Viewing mit, wie sie das vor zwei Jahren bei der WM gemacht hat, vielleicht schaut sie daheim in Wallgau. "Das passiert meistens spontan und hängt ja auch ein wenig vom Wetter ab. Und natürlich davon, wie sich unsere Jungs schlagen", sagt sie. "Wobei ich da ganz zuversichtlich bin." Beim Turnier den Weg der deutschen Mann schaft zu verfolgen, ist ein Pflichtprogramm für sie. Das war schon immer so. Alles hat sich dann halt doch nicht geändert.
Ende vorigen Jahres stand sie auf einer Bühne in Baden-Baden, eingerahmt von Spielern von Borussia Dortmund auf der einen und Bastian Schweinsteiger auf der anderen Seite. Der BVB war zur Mannschaft des Jahres gekürt worden, das Nationalteam mit Vize-Kapitän Schweinsteiger in dieser Wertung auf dem zweiten Platz gelandet. Und Neuner hatte gewonnen, war Sportlerin des Jahres, wie schon 2007. Ein Treffen der derzeit besten deutschen Mannschaften außerhalb der Arenen und Neuner mittendrin. Viele Dortmunder und nur ein Bayer – war die schwarz-gelbe Überzeugungskraft so groß, dass sie dadurch das Fan-Lager gewechselt hat? "Nein, dann dürfte ich wahrscheinlich nicht mehr nach Bayern einreisen. Sagen wir es mal so: Der Bessere soll gewinnen. Und ich hätte nichts dagegen, wenn das diesmal die Bayern sind", sagt Neuner, die im oberbayerischen Wallgau lebt. Fans springen halt nicht von Klub zu Klub. Wobei: "Den Jürgen Klopp finde ich sehr sympathisch. Wir haben gleich einen richtig guten Draht zueinandergefunden."
Feiern und gefeiert werden, das kennt sie. Auch in München. Da, wo sonst die Fußballer der Bayern mit ihren Fans feiern. Als sie 2010 von den Olympischen Spielen aus Kanada zurück nach Deutschland kam, wurden sie und die anderen erfolgreichen bayerischen Sportler auf dem Münchner Marienplatz begeistert empfangen. "Das war etwas ganz Besonderes", sagt sie. "Wahnsinnig viele Leute waren da. Wir standen oben auf dem Balkon und haben vor lauter Menschen den Boden nicht mehr sehen können." Erlebnisse einer Leistungssportlerin, Erlebnisse aus der Vergangenheit.



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