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Halbzeittagung: Neugierde, Tatendrang, Vorfreude
Die Taktung ist eng, die Zettel sind voll, viele Aufgaben stehen an. Und dennoch freut sich Lutz Michael Fröhlich, DFB-Abteilungsleiter Schiedsrichterwesen, auf die Tage und Stunden im Favorite Parkhotel in Mainz. Hier treffen sich die Schiedsrichter des DFB von Freitagmittag bis Sonntag zum sechsten Mal zur Halbzeittagung. Voller Neugierde, voller Tatendrang, voller Vorfreude.
„Die regelmäßigen Meetings mit unseren Schiedsrichtern sind für uns von großer Bedeutung“, sagt Fröhlich. Der Berliner kommt direkt aus dem Winterurlaub nach Mainz, für ihn ist das traditionelle Treffen im Januar wichtig, um gemeinsam mit den Schiedsrichtern die Themen des vergangenen Halbjahres aufzuarbeiten und gestärkt in die zweite Hälfte der Saison starten zu können.
„Ziel der Schiedsrichter muss es sein, dass sie an die Leistungen der letzten vier Spieltage vor der Winterpause anknüpfen“, sagt Fröhlich. „Unsere Schiedsrichter haben insbesondere im Dezember exzellente Leistungen gezeigt. Unser Anspruch ist es, dass wir dieses Niveau langfristig halten können.“
Vortrag über Stress, Burnout und Depressionen
Die Tagung beginnt um 13 Uhr mit der Begrüßung durch Herbert Fandel. Der Vorsitzende der Schiedsrichter-Kommission des DFB wird einführende Worte sprechen und einen Rückblick auf die Hinserie der Saison 2011/2012 werfen. Sechs Monate, die aus Sicht der Schiedsrichter viel Licht hatten, etwa mit der Berufung Wolfgang Starks in den Kader für die Europameisterschaft 2012 oder den Auszeichnungen für Felix Zwayer und Marco Fritz, die neu für die FIFA-Liste benannt wurden.
Ein halbes Jahr, das aus Sicht der Schiedsrichter abseits des Fachlichen aber auch problematische Themen lieferte. Mit einer schweren Materie befasst sich daher der Vortrag des Gastreferenten. Der Suizidversuch von Babak Rafati hat verdeutlicht, welchen auch psychischen Belastungen die Schiedsrichter ausgesetzt sind.
Dieses Thema wird in der Halbzeittagung ganz bewusst nicht ausgeklammert: Mit Dr. Marco Nill wurde ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie als Referent gewonnen, sein Vortrag trägt den Titel „Stress – Burnout – Depressionen, die Volkskrankheiten des 21. Jahrhunderts“.
Ombudsmann Domberg zu Gast in Mainz
Zum zweiten Mal an der Halbzeittagung teilnehmen wird Rainer Domberg. Seit einem Jahr fungiert der Bürgermeister der Stadt Heidenheim als Ombudsmann der deutschen Schiedsrichter. Für ihn ist das Treffen Gelegenheit und Anlass insbesondere zum Austausch mit den Schiedsrichtern.
„Das Feedback durch die Schiedsrichter ist außerordentlich gut“, sagt er nach zwölf Monaten im Amt. „Für mich ist die Halbzeittagung dennoch auch eine vertrauensbildende Maßnahme.“ Als Ansprechpartner will Domberg präsent sein, ohne sich aufzudrängen.
Informationsaustausch, Analyse, Schulung
Im Vordergrund steht anderes: Informationsaustausch, Analyse, Schulung. Drei Arbeitsgruppen werden gebildet, die erste ist mit „Teamarbeit“ überschrieben. An der Halbzeittagung der Schiedsrichter nehmen deswegen zum ersten Mal auch die Assistentinnen und Assistenten teil. „Wir wollen darauf hinwirken, dass alle Schiedsrichter eines Gespanns – und im Grunde auch der Vierte Offizielle – alle Entscheidungen des Hauptschiedsrichters noch mehr als ihre eigenen ansehen“, sagt Fröhlich.
Arbeitsgruppe zwei firmiert unter den Stichworten „Abseits und Spielunterbrechungen“. Wie in Gruppe eins läuft auch hier die Arbeit mittels Videoschulungen. Die Erfahrungen der Hinrunde werden ausgewertet, Beispiele analysiert, eine noch klarere Linie festgelegt. Die dritte Arbeitsgruppe wird sich mit „Strafraumsituationen und Disziplinarkontrolle“ befassen. Ab wann wird eine Unsauberkeit zum Foulspiel? Wie lange ist ein Körpereinsatz noch regelkonform?
„Hier müssen wir in den Entscheidungen berechenbar und nachvollziehbar sein“, sagt Fröhlich. „Wir werden zwei Vorgänge grundsätzlich ansprechen und anhand von Beispielen erörtern. Erstens der Bereich des Körpereinsatzes beim Zweikampf, zweitens die Fußangriffe im Strafraum.“
Vorbereiten auf die Leistungstests
Raus aus dem Seminarraum, rauf auf den Platz, antreten bei Heinz-Dieter Antretter. Unter Anleitungen des Schiedsrichter-Fitnesstrainers des DFB werden die Teilnehmer am Nachmittag und am Samstagvormittag auf die Fitnessanforderungen der FIFA und auf die Leistungstests Anfang März vorbereitet.
Es geht für zwei Stunden auf den Platz. Auch am Samstagvormittag wird trainiert, ehe Herbert Fandel am Nachmittag über Körpersprache und Außenwirkung referieren wird und im Anschluss die Arbeit in den Gruppen weitergeht.
"Schiedsrichterwesen muss weiter modernisiert werden"
Beendet wird die Tagung am Sonntag, wie sie am Freitag begonnen hat. Der Vorsitzende der Schiedsrichterkommission wird ans Pult treten, er wird sein Fazit der Halbzeittagung ziehen und die Schiedsrichter gestärkt in die Rückrunde schicken.
Seine persönliche Hoffnung für 2012 hat Fandel schon vorher formuliert. „Das Schiedsrichterwesen muss weiter modernisiert und professionalisiert werden“, sagt er. „Inhaltlich. Personell. Strukturell.“



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