WM-Blog

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WM 2011 Blog

Kommt die Frage noch?
8. Juli 2011

Die Frage will kein Ende nehmen. Oder ist es überhaupt eine Frage? Der Herr, ein freier Journalist aus Japan, erzählt etwas von den Anforderungen einer Weltmeisterschaft, vom Druck, der auf einer Heim-Mannschaft lastet, davon, dass Japans Trainer irgendwas in diese Richtung gesagt haben soll. Er redet. Und er redet. Ein Ende scheint nicht in Sicht. Irgendwie ist es ja lustig, aber eine Frage wäre halt auch mal ganz schön. Die kommt dann auch. Irgendwann. „Wer hat mehr Druck, Deutschland oder Japan?“ Es ist schön, dass Deutschlands Trainerin darauf so antwortet: „Wir wollen beide in die nächste Runde einziehen. Deshalb ist der Druck für beide der gleiche.“ Danke für das Gespräch.

Mein Freund, der Rasenmäher
7. Juli 2011



Ein ganz mobiler Arbeitnehmer

Wir haben einen neuen Freund. Er hat vier Räder, ist so groß wie ein Stuhlsitz und er fährt, ohne dass er je eine Pause macht. Es ist ein kleiner Rasenmäher, ein sehr entspannter. Er macht so gut wie keinen Lärm. Und er fährt von selbst. Hier in der Autostadt hat er seinen eigenen kleinen Bezirk, in dem er patrouilliert und seine kleinen Grashäufchen fallen lässt.

Der Mäher ist mehr als ein Arbeitnehmer, er ist ein Highlight, das auch unseren Spielerinnen gefällt. Und gestern auch einem Rentnerpärchen, das unser Freund, der Rasenmäher, beinahe über den Haufen gefahren hätte. Was stellt man sich ihm auch in den Weg?

Twitter-Gewitter
6. Juli 2011

„Natze“ twittert jetzt auch: „NAngerer“ heißt ihr Kanal. Am Anfang war sie ein bisschen traurig, weil sie nur fünf Follower hatte. Dann haben wir uns eingeschaltet und für sie auf unserem Kanal „DFB_Frauen“ geworben. Heute stand in einer Zeitung eine Meldung über sie und ihre Twitter-Aktivitäten. Frau Angerer hat sie herumgezeigt, stolz wie Oskar. Die 1.000er-Marke hat sie jetzt. Nächstes Ziel: 2.011.

Raúl – Adriana 1:1
5. Juli 2011

Raúl war da. Senor Rauuuuuuuuul. Zwei Reihen hinter uns. Die Frau neben mir fing beinahe an zu hyperventilieren. Der Große aus Spanien ist eigentlich gar nicht so groß, vergleichsweise schmächtig, aber, jaja, er sieht schon ganz nett aus. Und er steht offenkundig auf Frauenfußball, daher sah er sich in Gladbach auch das deutsche Team gegen Frankreich an. Und noch andere Promis waren da: Thomas Helmer, früher Europameister, heute TV-Moderator, Ex-Sänger Joey Kelly, Rudi Assauer. Und Model Adriana Karembeu. Das, liebe Frauen, war dann wohl der Ausgleich für Raúl.

Alles Handarbeit
3. Juli 2011

Heute war der Tag, an dem Bruna den Ball in die Hand nahm und ihn erst fallen ließ, als sie bemerkte, dass sie das wohl nicht hätte tun sollen. Die Schiedsrichterin bemerkte das gar nicht. Kim Kulig kommt ins Pressebüro. „Habt ihr das gesehen, total krass, oder?“ Haben wir gesehen, Kim. Und wie krass das war. Kim fühlte sich an eine Szene aus dem Vorjahr erinnert, als einer Spielerin aus Südkorea bei der U 20-WM ein ähnliches Malheur passierte. Immerhin gab es da Elfmeter. Schon komisch das Ganze.

Jeder Tag ist ein Geburtstag
2. Juli 2011

Annike hat Geburtstag. Gehabt. Gestern. Wir haben gesungen, und sie hat ein Geschenk bekommen. Alles schön. Heute war Training in Meerbusch-Büderich. 2.000 Leute waren da. Auch schön. Sehr sogar. Und das Schönste: die Durchsage des Stadionsprechers. "Wir haben heute ein Geburtstagskind. Annike Krahn wird heute 26." Applaus. Die Fans sangen "Happy Birthday". Sehr schöne Geste.

Wir haben halt jeden Tag Geburtstag. Annike wurde heute 26 Jahre und einen Tag alt. Herzlichen Glückwunsch!

Stein vom Herzen
1. Juli 2011

Nachts, halb eins in Frankfurt. Keiner schläft. Warum? Weil das Gepäck noch verladen werden muss. Koffer um Koffer wandert in den Lkw, die Träger leisten Schwerstarbeit. Einer und anderer, beide wollen nicht genannt werden, bringen ihren Koffer heran. Frage: Und? Steine im Koffer? Antwort: Kiesel, höchtens. Nächste Frage: Und du? Nächste Antwort: Felsbrocken.

Glück gehabt. Der Lkw ist sicher angekommen. Ohne Schlagseite. Mit den Felsen, mit den Kieseln.

Nachrichten vom Wallfahrtsort
30. Juni 2011



Ernst Langert vor seiner Scheune

Heute erreichte uns die Kunde von Herrn Langert aus dem thüringischen Hellingen. Der Herr ist leidenschaftlicher Bastler und hat seine Radscheune passend zur WM geschmückt. Mehr als 100 Bälle hat er dazu benutzt, 30 Puppen mit Kleidern, die seine Frau genäht hat. Und ein handsigniertes Originialtrikot der deutschen Frauen-Nationalmannschaft.

Busse steuern die Scheune an, das Fernsehen war schon da. "Fast wie ein Pilgerort", sagt Langert, der auch einige selbstgebaute Geräte in seiner Scheune aufgestellt hat. Darunter ein Elfmeterautomat, bei dem eine deutsche Spielerin den Ball, natürlich elektronisch gesteuert, im brasilianischen Tor unterbringt. Im Hintergrund läuft "Er steht im Tor..." Textlich gibt es also noch ein bisschen Optimierungsbedarf. Trotzdem: Ein toller Fan, der Herr Langert. Was soll bei derartiger Unterstützung noch schiefgehen?

Gutes Omen
29. Juni 2011

Wie schön, dass es schon zwei deutsche Weltmeister 2011 im Fußball gibt: Frankfurt/Main und Augsburg. Diese beiden Städte nämlich schafften es, einen Rekord aufzustellen, nämlich den im Dauer-Elfmeterschießen. Teilnehmen durften nur Frauen, und zwischen den Schüssen durften nur maximal 30 Sekunden liegen. Ins Tor gehen mussten sie nicht.

Frankfurt kam auf 525 Schüsse. Bei Augsburg war man sich unsicher: Erst hieß es, es waren 463, dann waren es plötzlich 556. Man einigte sich mit den Kollegen vom Main auf Gleichstand: 525, neuer Weltrekord. Die alte Bestmarke aus Singapur hatte bei 364 gelegen. Na, hoffentlich ist der deutsche Sieg ein gutes Omen für die WM.

Überfall!
28. Juni 2011

Die kalte Dusche kam unerwartet. Von hinten hatte sich Verena Faißt nach dem Nachmittagstraining an Celia Okoyino da Mbabi angeschlichen, heimlich und leise sich den Wasserkübel gepackt. Und dann: Druff! Pitschenass drehte sich Celia um und rannte der Übeltäterin hinterher. Aber keine Chance. Zu groß war der Vorsprung der Abwehrspielerin, die sich diesmal in den Angriff eingeschaltet hatte, schon.

Wobei: Eine willkommene Abkühlung eigentlich. 40 Grad waren es auf dem Platz, und manche hätten sich lieber ein Sonnenbad gegönnt, aber das war eben nicht drin. Celia sinnt unterdessen auf Rache. Und bekommt dabei Hilfe von Lira. „Die ist nämlich meine Freundin.“ Mal schauen, was da noch kommt.

Anzug, Umzug, Aufzug
27. Juni 2011

Gerade hatten wir uns eingelebt in Berlin. Der erste Sieg war im Kasten, alles gut. Und jetzt: Klamotten packen, Team-Anzug an, Busfahrt, Abflug, tschüss, Berlin, wir hatten eine jute Zeit, wa. Auf nach Frankfurt, die Stadt, die so gerne Mainhattan genannt wird, weil es da so schöne Wolkenkratzer gibt.

Einer der imposantesten steht unmittelbar vor unserer Nase, der Messeturm, mehr als 250 Meter hoch. Das Heraufschauen von ganz unten nach ganz oben ist der Mobilität der Nackenwirbel nicht eben zuträglich. Zum Glück gibt es Aufzüge, und manchmal lernt man dort lustige Leute kennen. Wie die drei Japanerinnen, die sich gesten- und vokalreich unterhielten und lachten, vielleicht auch im Wissen, dass sie keiner verstand. Als sie ausstiegen, wollte der Schreiber dieser Zeilen mit einem der zwei ihm bekannten japanischen Wörter angeben. Er kam nicht dazu, denn auf einmal wechselten die Damen aus Fernost in den Englisch-Modus und sagten "Bye-bye". Und das erhoffte "Sayonara" verkam zu einem gekrächzten "Ähm, tschüss".

Wo seid Ihr denn?
26. Juni 2011

Die Familien waren da, die Freunde, schöne Plätze hatten sie bekommen im ehrwürdigen Stadion der deutschen Hauptstadt. Das Team hinter der Spielerin hätte manchmal allein gereicht, um eine amtliche Fußballmannschaft zu bilden. Musste es aber nicht, zum Kicken waren ja die Frauen da. Almuth Schult wollte ihren größten Fans "Hallo" sagen. Sie stand auf der Laufbahn und schaute zur Tribüne hinauf. "Wo seid ihr denn?", fragte sich die Torhüterin. Sie sah sie nicht, die Freunde, die Familie auf den schönen Plätzen. "Es war einfach so unglaublich voll."

Wem soll man nur glauben?
25. Juni 2011

Paul mochten wir alle. Diesen achtarmigen, blaublütigen Kraken aus Oberhausen, der so gut Ergebnisse vorhersagen konnte. 2010 war das bei der Männer-WM. Was hätte es für ein einfaches Turnier werden können! Paul lebt nicht mehr. Sein Erbe lebt weiter. Diesmal haben acht Kraken in ganz Deutschland versucht, durch bloßes Schwimmen in eine mit einer Landesfahne beflaggte Futterbox den Sieger des Eröffnungsspiels zu bestimmen. Acht, so scheint es, sind sieben zu viele. Ein klares Votum ist praktisch ausgeschlossen.

Ophira aus Berlin, Ulli aus Königswinter und Paul II (!) aus Oberhausen tippten auf einen deutschen Sieg. Paula aus Konstanz und Lola aus München entschieden sich für Kanada. Otti aus Hannover, Stöpsel aus Speyer und Sammy vom Timmendorfer Strand verspürten keine Lust aufs Naschen aus kleinen Behältern und enthielten sich der Stimme. Also: Unentschieden. Hilft uns das?

Vielleicht ist in diesem Jahr die junge Elefantendame Nelly aus dem Serengeti-Park in Hodenhagen das beste Orakel. Sie ist die einzige ihrer Art, klare Entscheidung also. Und: Sie hat auf Deutschland getippt. Hört sich gut an.

Ladies allein auf der Insel
24. Juni 2011

Ausgesetzt auf einer Insel. Kein Handy, kein Notebook, nur ein kleines GPS- und ein Funkgerät, ein Rucksack mit Essen und Trinken. Dann orientieren und irgendwie herausfinden. Dank einer Signalrakete, durch die Hilfe herbeigerufen werden soll. Doch diese Rakete muss man sich erst mal erarbeiten. So lauten die Regeln, eindrücklich nähergebracht von Manuel Brunn von der Firma „Roots“. Kurzes Schweigen. Dann sagt Celia: „Sie wissen aber schon, dass wir am Sonntag ein Spiel haben, oder?“ Zwei, drei Stunden, sagt Brunn, dann müsse das ganze erledigt sein.

Ist es auch, die Rakete zündet gegen 18.30 Uhr. Alle kommen heil von der Insel herunter, dem perfekten Teamwork sei Dank. Deshalb, liebe Fans: Entspannt bleiben! Am Sonntag wird gespielt, und keiner sitzt auf der Insel fest. Wir haben extra noch mal nachgezählt.

Die große Dunkelheit
23. Juni 2011

Gestern gab es Berlin bei Nacht bei Tag. Nachts am Tag? Bei Nacht am Tag? Sagen wir es so: Es wurde schlagartig dunkel, mitten am Mittag. Morgens war es noch warm gewesen, heiß fast. Blauer Himmel, Sonne. Dann kamen die Wolken, dann war große Dunkelheit. Während des Trainings der deutschen Frauen.

Der Regen kam, als der Team-Bus gerade an der Gedächtniskirche vorbeifuhr. Gutes Timing also. Es donnerte, es knallte, der Regen prasselte unaufhörlich hernieder, doch keine der Spielerinnen bekam auch nur einen Tropfen ab. Trotzdem: WM-Wetter sollte bitteschön anders sein. Ein Hotelangestellter machte Hoffnung: "Am Sonntag beginnt das Turnier - wir haben Sonne bestellt, für mindestens drei Wochen."

Von Botschaften, Bekenntnissen und Gerüchten
22. Juni 2011

DFB-Partner Adidas hat vor dem Teamhotel überlebensgroße Trikots aufgestellt. "Saskia is all in", steht auf dem Sockel darunter, "Kim is all in" und so weiter. Bei der Spielfreude-Tour hatten die Fans auf den 10XL-Trikots ihre Botschaften hinterlassen.

Handschriftlich, mit Edding. Manche haben einfach ein Smiley draufgemalt, andere ein Herz. Wiederum andere haben Bekenntnisse auf dem Stoff verewigt. "Ihr seid so cool", hat Chantal geschrieben. Und Vicky: "Ich liebe euch!" Ein Spruch steht auf jedem Trikot: "Keep on rocking."

Und ganz versteckt, ziemlich klein geschrieben, hat ein Fan noch eine News verkündet, die Fußball-Deutschland in Aufruhr versetzen wird: "Jones schließt Comeback nicht aus." Woher der Schreiber das nur hatte?

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