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20.09.2011·14:30·Internationale Beziehungen

Ausbildung in Namibia: Die deutsche Torwartschule

Viel Arbeit mit reichlich Spaß: Klaus Stärk (v.r.) und seine Kursteilnehmer  © private
Viel Arbeit mit reichlich Spaß: Klaus Stärk (v.r.) und seine Kursteilnehmer

Der Weg ist beschwerlich, auch wenn es kaum mehr als drei Kilometer sind. Dennoch - die 25 Teilnehmer des Kurses täglich mehrfach zwischen Trainingsplatz und Unterrichtsräumen pendeln zu lassen, ist eine Herausforderung. Logistisch. Auch finanziell. In Namibia.

Hier arbeitet Klaus Stärk als Auslandsexperte des DFB, hier hat er täglich mit kleinen und großen Problemen zu kämpfen, hier hat er dennoch täglich viel Freude bei der Arbeit. Künftig noch mehr, wenn der Trainingsplatz direkt vor der Verbandszentrale fertig gestellt sein wird.

Ein "Goal-Projekt" der FIFA macht dies möglich, in gut zwei Wochen soll der Rasen bespielbar sein. Doch noch müssen Stärk und seine Kollegen die praktischen Einheiten der Trainerkurse im Sam-Nujoma-Stadion in Windhoek abhalten, 3200 Meter entfernt.

Stärk freut sich auf neuen Trainingsplatz

Was in Deutschland kaum erwähnenswert wäre, ist im südlichen Afrika mitunter ein kleiner Kraftakt. Kaum ein Teilnehmer verfügt über ein eigenes Auto, also muss ein Bus organisiert, ein Fahrer und jemand gefunden werden, der die anfallenden Kosten übernimmt. Auch die Miete für das Stadion. "Es wird für uns alle eine große Erleichterung sein, wenn der neue Platz endlich bespielbar ist", sagt Stärk.

Zukunftsmusik. In der Gegenwart freut sich der Technische Direktor des Namibischen Fußball-Verbands über einen erfolgreichen Kurs, der Derniere und Premiere zugleich war. Es war die letzte Trainerausbildung im Sam-Nujoma-Stadion und die erste, in der speziell Torwarttrainer geschult wurden.

Vorbilder wie Kahn oder Neuer fehlen

Bedarf an einem solchen Kurs hatte Stärk schon lange geahnt, im Januar wurde diese Ahnung bei einem ersten Kurzlehrgang, der von Lutz Pfannestiel geleitet wurde, bestätigt. Im Fußball in Namibia bewegt sich auf vielen Ebenen einiges, doch das Spiel der Torhüter stagniert. Aus vielerlei Gründen. Die Mentalität spielt eine Rolle, auch fehlende Vorbilder.

Wo in Deutschland Sepp Maier, Toni Schumacher, Oliver Kahn und Manuel Neuer junge Fußballer inspirieren, sich zwischen die Pfosten zu stellen, gibt es in Namibia keinen herausragenden Torhüter, dem fußballbegeisterte Kinder nacheifern wollen. Und der Blick über die Landesgrenzen geht diesbezüglich oft in die falsche Richtung. "Der englische Fußball ist hier sehr präsent", sagt Stärk verschmitzt und vielsagend.

Lehrplan für Namibias Verband entwickelt

Zeit, dies zu ändern, Zeit, sich auch in Namibia der Ausbildung von Ausbildern von Torhütern zu widmen. Deswegen hat Stärk bereits im vergangenen Jahr für den Verband einen Lehrplan erarbeitet und bietet den lokalen Torwarttrainern verschiedene Ausbildungsgänge an, die zu Torwarttrainer-Lizenzen führen.

Der Basislehrgang vermittelt nicht nur die Grundlagen des Torwartspiels in Technik und Taktik, er gibt zudem wichtige Informationen zum Konditionstraining für Torhüter und zu allem, was mit dem modernen Torwartspiel im Zusammenhang steht. Im kommenden Jahr sollen dann, aufbauend auf die C-Lizenz, auch Kurse für die nächste Lizenzstufe, die B-Lizenz, angeboten werden.

Teil eins des ersten Kurses zur C-Lizenz fand in der vergangenen Woche statt. FIFA-Instruktor Ronny Kanalello stand Stärk als Referent zur Verfügung, auch bei den Praxiseinheiten im Sam-Nujoma-Stadion war er dem Deutschen eine große Hilfe.

Lernen wie beim deutschen Team: Andreas Köpke (M.) bei der Arbeit  © Bongarts/Getty Images
Lernen wie beim deutschen Team: Andreas Köpke (M.) bei der Arbeit

"Die Teilnehmer haben viel gelernt"

So wie auch Andreas Köpke und Manuel Neuer, gewissermaßen. Per DVD und Video-Beamer ließ Stärk seine Schüler am Torwarttraining der deutschen Nationalmannschaft teilhaben. Wertvolle Einblicke, seltene Einblicke. Entsprechend groß war die Begeisterung bei Stärks Schützlingen. "Die Teilnehmer haben viel gelernt", sagt er. "Ich bin sicher, dass wir den Trainern wertvolle Inhalte und Erkenntnisse vermittelt haben, die sie künftig in ihre einbauen können."

Die Struktur des Kurses war ganz bewusst nicht homogen. Teilgenommen haben Trainer, die eine zusätzliche Qualifikation erhalten wollten, aber auch aktive Torhüter, die sich weiterbilden und in einen möglichen künftigen Berufszweig hineinschnuppern wollten. Viele Männer waren dabei, aber auch einige Frauen. So wie die Torhüterin der namibischen Nationalmannschaft.

Auch Frauen im Kurs dabei

"Wir haben die Teilnehmer ganz bewusst aus den verschiedenen Bereichen ausgewählt", sagt Stärk. Seine Idee ist, dass beispielsweise die Nationaltorhüterin der Frauen ihre im Kurs gesammelten Erfahrungen an die Torhüterinnen der Jugendmannschaften weitergibt. Multiplikatoren also in allen Bereichen des namibischen Fußballs.

Der Lehrgang war Teil eins, im Januar geht es weiter. Dann erhalten alle Teilnehmer über eine Abschlussprüfung die Chance, die C-Lizenz für Torwarttrainer zu erwerben. "Ich hin sicher, dass wir dann wieder alle 25 Teilnehmer begrüßen können", sagt Stärk, "es hat schließlich allen großen Spaß gemacht." Nicht nur den Teilnehmern, auch den Ausbildern.

[sl]

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