Bundessieger 2009/2010

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Fair ist mehr: Zum 14. Mal ehrte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wieder Sportler für außerordentlich faires Verhalten.

Eine Jury hatte zuvor aus 590 Einsendungen die Sieger ausgewählt. Seit der Gründung der Arbeitsgruppe "Fair Play" 1997 gingen über 4000 Meldungen aus allen Landesverbänden und Spielklassen beim DFB ein.

DFB.de stellt die Preisträger des Jahres 2010 vor.

Hier folgt die Schilderung der Aktionen der Preisträger im Einzelnen:

Jung an Jahren – doch ein Vorbild für alle!

Bundessieger: Amina Avdovic (SV Bad Herrenalb)
Landesverband: Badischer FV
Spielklasse: D-Jugend, SV Völkersbach – SV Bad Herrenalb
Datum: 10. Oktober 2009

Beim Spielstand von 1:0 für den SV Bad Herrenalb im D-Jugendspiel zwischen dem SV Völkersbach und dem SV Bad Herrenalb entscheidet der Schiedsrichter nach einem Torschuss eines Völkerbacher Spielers auf Eckstoß. Der Schiedsrichter ist der Meinung, dass die Torhüterin von Herrenalb der Schuss abgewehrt und ins Toraus gelenkt hat.

Die Torhüterin, Amina Avdovic, geht jedoch sofort zum Schiedsrichter und erklärt ihm, der Ball sei im Tor gewesen. Sie habe den Ball nicht zum Eckstoß abgewehrt, sondern an das seitliche Tornetz. Durch ein Loch sei der Ball heraus gesprungen.

Der Schiedsrichter revidiert daraufhin seine Entscheidung und er entscheidet auf Tor für den SV Völkersbach, Spielstand 1:1.

Noch zu erwähnen ist, dass Amina Avdovic Torhüterin in einer Jungenmannschaft ist.

 

Ein junger Spieler steht für Fair Play

Bundessieger: Simon Lange (PSV Bork)
Landesverband: FuLV Westfalen
Spielklasse: Kreisliga, D-Junioren, Werner SC – PSV Bork

Fünf Minuten sind noch zu spielen in der Partie Werner SC gegen den PSV Bork. Es steht 3:2 für den PSV Bork. Da flankt ein Spieler des Werner SC den Ball von der Seitenlinie in den Strafraum des PSV Bork. Der Ball rollt an der Grundlinie entlang in Richtung Tor.

Der Torwart des PSV Bork, Simon Lange, hält den Ball erst hinter der Torlinie. Da dem Schiedsrichter (Vater von Simon Lange) die Sicht durch die Abwehrspieler versperrt ist, lässt er weiterspielen. Daraufhin läuft Simon Lange zum Schiedsrichter und sagt: „Papa, der Ball war drin.“

Schiedsrichter Arndt Lange entscheidet daraufhin auf Tor zum Spielstand von 3:3.

 

Ein Spieler mit Vorbildfunktion

Bundessieger: Christian Coratella (VfB Bühl)
Landesverband: Südbadischer FV
Spielklasse: Verbandsliga, SV Oberachern – VfB Bühl
Datum: 5. April 2010

In einem Punktspiel der B-Junioren-Kreisliga treffen am 29. November 2008 der FC Tarp-Oeversee und der ETSV Weiche-Flensburg aufeinander.

In der Verbandsligapartie zwischen dem SV Oberachern und dem VfB Bühl hat gerade Christian Coratella das 1:0 für den VfB Bühl erzielt.

Zwei Minuten später scheint die Vorentscheidung für den VfB Bühl gefallen zu sein. Erneut ist es Christian Coratella, der den Ball im Anschluss an einen Freistoß über die Linie befördert. Der Schiedsrichter zeigt zur Mitte, doch was viele der rund 700 Zuschauer und auch der Schiedsrichter nicht sehen können, Coratella hat dabei die Hand zu Hilfe genommen.

Der Schiedsrichter erkennt sofort auf Tor, doch der VfB-Torjäger Coratella eilt geständig zum Schiedsrichter, der daraufhin den Treffer zurücknimmt.

In der Pressekonferenz nach dem Spiel lobt der Trainer des SV Oberachern ausdrücklich den VfB-Stürmer Christian Coratella für sein außerordentlich faires Verhalten. Im übrigen hat der VfB Bühl auch ohne das „Handtor“ das Spiel mit 3:1 gewonnen.

 

Ein Trainer lebt den Fair-Play-Gedanken!

Bundessieger: André Wrede (SV Lengede)
Landesverband: Niedersächsischer FV
Spielklasse: A-Junioren, Bezirkspokal, SV Lengede – BSC Acosta Braunschweig
Datum: 8. August 2009

Erste Runde Bezirkspokal. Der SV Lengede liegt gegen BSC Braunschweig mit 0:1 zurück und startet wieder einen Angriff auf das Gästetor. In der Höhe der Mittellinie wird der Ball zum Linksaußen von Lengede gespielt. Doch diesen Pass kann der Spieler von Lengede nur hinter der Außenlinie erreichen. Schon da hebt der Trainer von Lengede, André Wrede, der etwa 2 Meter entfernt ist, den Arm und ruft in Richtung Schiedsrichter:

„Der Ball war aus!“

...wohl wissend, dass es Einwurf für Braunschweig gibt. Doch der Schiedsrichter lässt weiter spielen. Etwa 10 Sekunden später führt dieser Angriff zu einem Tor für Lengede. Der Schiedsrichter gibt das Tor und will die Partie beim Stand von 1:1 wieder anpfeifen. Doch André Wrede hebt wieder den Arm, ruft den Schiedsrichter zu sich und sagt ihm, dass der Ball deutlich im Aus war. Daraufhin revidiert der Schiedsrichter seine Entscheidung und das Spiel wird beim Stand von 0:1 fortgesetzt.

Letztendlich verliert das Team von Lengede die Partie mit 1:2 und scheidet aus dem Pokalwettbewerb aus. Doch André Wrede war der Fair-Play-Gedanke wichtig und er hat ein Beispiel dafür gegeben wie ein Trainer sich verhalten soll.

In seinem ersten Pflichtspiel als Trainer hat André Wrede gezeigt, dass gewinnen nicht das Wichtigste ist.

 

Abgestiegen – aber sportlich fair geblieben!

Bundessieger: Stefan Ruthenbeck (TuS Mayen)
Landesverband: FV Rheinland
Spielklasse: Oberliga, TuS Mayen – SV Waldalgesheim
Datum: 24. April 2010

30. Spieltag in der Oberliga Südwest. Kurz vor Saisonende steht der TuS Mayen mitten im Abstiegskampf.

In der Partie gegen den SV Waldalgesheim schenken sich beide Mannschaften 87 Minuten lang bis zum Stand von 2:2 nichts. Dann wird es kurios:

Ein Mayener Spieler bleibt verletzt im Strafraum der Gäste liegen und Waldalgesheim spielt fair den Ball ins Aus. Dann wirft Mayen den Ball und ein Mayener Spieler drischt den Ball aus über 50 Meter in Richtung des Schlussmannes von Waldalgesheim, um den Gästen einen Neuaufbau zu gestatten.

Doch wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein Mayener Stürmer auf, der zuvor auf der anderen Spielfeldseite behandelt wurde und bringt den Ball zum 3:2 im Tor unter. Der Stürmer hatte die ganze Situation nicht mitbekommen. Inzwischen sind 89 Minuten gespielt.

Wütende Proteste der Gäste aus Waldalgesheim. Doch Mayens Trainer Stefan Rutenbeck schaltet am schnellsten. Er beordert umgehend seinen Kapitän und einen Spieler von Waldalgesheim zu sich und gibt die Anweisung:

„Wir lassen auf der Gegenseite das 3:3 zu. Wir reden immer von Fair Play, dann müssen wir es jetzt auch praktizieren.“

Der Mayener Kapitän übermittelt die Anweisung an seine Mitspieler. Doch die Botschaft kommt nicht bei allen Spielern an. Die eine Hälfte der Mannschaft stellt den Spielbetrieb ein, während die andere Hälfte verzweifelt um den Sieg kämpft. Erst in der Nachspielzeit mit dem Schlusspfiff gelingt Waldalgesheim der 3:3 Ausgleich.

Mit einem Sieg hätte der TuS Mayen letzten Endes sogar die Klasse gehalten: Nach dem 34. Spieltag fehlten der Mannschaft zwei Punkte – eben jene Punkte, die sie mit einem 3:2 gegen Waldalgesheim verbucht hätten.

Stefan Rutenbeck steht nach wie vor hinter seinem Verhalten: „Wir haben die einzig richtige Entscheidung getroffen – auch wenn ich damals zwei schlaflose Nächte verbracht habe.“

 

Ein starkes Engagement für Fair Play!

Ein Verein engagiert sich für Fair Play
Bundessieger: René Hirsch (FC Viktoria 09 Urberach)
Landesverband: Hessischer FV
Spielklasse: -
Datum: Seit Sommer 2009

Im Jahr 2009 hatte René Hirsch, angeregt durch die DFB-Kampagne „Fair bleiben, liebe Eltern!“ und Berichte über unsportliches Verhalten von Eltern bei Jugendspielen, die Idee eine eigene Aktion zu entwickeln, um vorbeugend auf die Eltern am Spielfeldrand einwirken zu können.

René Hirsch entwickelte das Projekt „Elternsensibilisierung für faires Verhalten im Kinder- und Jugendfußball“. Mit verschiedenen Maßnahmen wird Einfluss genommen auf das Verhalten der Eltern und Zuschauer bei Kinder- und Jugendspielen. Beispielhaft seien hier einige Aktionen genannt:

  • Die DFB-Kampagne „Fair bleiben, liebe Eltern!“ wird auf der homepage des Vereins platziert.
  • Über die Presseabteilung des Vereins werden die lokalen Medien über das anstehende Projekt informiert.
  • In Anlehnung an den Elterncheck im Flyer „Fair bleiben, liebe Eltern!“ entwickelte er einen Kinderfragebogen, indem die Kinder das Verhalten ihrer Eltern bewerten.
  • Bei einem Elternabend vor Saisonstart werden die Ergebnisse vorgestellt und kleine Tipps gegeben wie Eltern ihr Verhalten verbessern können. Im Anschluss erfolgt eine freiwillige Selbsterklärung der Eltern, in der sie sich u.a. verpflichten aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung vorzugehen. Alle Eltern erklären ihre Absicht im Laufe der Saison das Ergebnis aus der Fragebogenaktion zu verbessern.
  • Gemeinsam mit den Eltern wird ein Banner entworfen, das für Fair Play am Spielfeldrand wirbt.

Mit sehr großem Engagement hat sich René Hirsch aktiv durch sein Projekt „Elternsensibilisierung für faires Verhalten im Kinder- und Jugendfußball“ dafür eingesetzt, dass Werte wie Fair Play und Toleranz am Spielfeldrand Beachtung finden.

 

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