Bundessieger 2008/2009

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Fair ist mehr: Zum dreizehnten Mal ehrte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wieder Sportler für außerordentlich faires Verhalten.

Eine Jury hatte zuvor aus 536 Einsendungen die Sieger ausgewählt. Seit der Gründung der Arbeitsgruppe "Fair Play" 1997 gingen über 3500 Meldungen aus allen Landesverbänden und Spielklassen beim DFB ein.
DFB.de stellt die Preisträger des Jahres 2009 vor.

Hier folgt die Schilderung der Aktionen der Preisträger im Einzelnen:

Aufstieg verpasst, aber sportlich fair geblieben

Bundessieger: Reiner Schlegel (FV Ravensburg)
Landesverband: Württembergischer FV
Spielklasse: Landesstaffel, C-Junioren, FV Ravensburg – TSG Balingen
Datum: 10. Juni 2009

10. Juni 2009. Die zweite Halbzeit im Aufstiegsspiel zwischen den C-Junioren des FV Ravensburg und der TSG Balingen läuft. Beide Teams sind in ihrer Spielklasse Meister geworden und spielen nun um den Einzug in die zweite Runde der Relegation. Es steht 1:1, als ein FV-Akteur von Krämpfen geplagt am Boden liegt. Faire Geste: Ein Balinger Spieler schlägt den Ball ins Aus, um die Behandlung zu ermöglichen. Ravensburg setzt die Begegnung mit einem Einwurf fort, und der Ball von einem Balinger Akteur wird in Richtung des FV-Tores geschlagen. Der Keeper hat allerdings nicht aufgepasst: Das Spielgerät fliegt durch die Luft und landet hinter dem verdutzten Torwart im Netz. „Der Schiedsrichter musste den Treffer geben. Meine Spieler haben über das 2:1 nicht einmal gejubelt, sondern waren wie erstarrt. Auf der Tribüne brachen Tumulte los“, erinnert sich Reiner Schlegel, der damalige Trainer der Ravensburger Junioren.

Doch Schlegel schaltet schnell. Er gibt seinen Spielern zu verstehen, dass sie beim nächsten Anstoß nicht angreifen und dem Gegner kampflos den Ausgleich ermöglichen sollen. Zudem ruft er die Anweisung laut auf das Spielfeld, damit sich die erhitzten Gemüter auf der Tribüne beruhigen. „Es ging in diesem Spiel wirklich um viel. Aber durch so ein unglückliches Tor wollten wir keinen Vorteil haben. Das darf nicht sein“, erklärt Schlegel. Ein Balinger Angreifer schnappt sich den Ball und durchquert ungehindert den Platz. Der Ravensburger Keeper räumt seinen Kasten und das 2:2 ist erzielt. Das Rückspiel in Balingen verliert Ravensburg 1:2. Die Aufstiegsspiele sind verpasst. „Ich habe nicht gewusst, dass es dafür eine Ehrung gibt. Jetzt freue ich mich natürlich auf das Länderspiel. Das ist eine schöne Belohnung, auch wenn uns der sportliche Erfolg verwehrt geblieben ist“, sagt Reiner Schlegel.

 

Elfmetergeschenk nicht angenommen – Aufstieg gefährdet

Bundessieger: Melanie Lutsch (CSC Batzenhofen)
Landesverband: Bayerischer FV
Spielklasse: Seniorinnen, DJK Sandizell-Grimolsbach – CSC Batzenhofen-Hirblingen
Datum: 6. Juni 2009

6. Juni 2009. Entscheidungsspiel um den Aufstieg zur Bezirksoberliga zwischen den Frauenmannschaften der DJK Sandizell-Grimolsbach und dem CSC Batzenhofen-Hirblingen.

Nach 90 Minuten steht es 0:0. Es geht in die Verlängerung. In der 96. Minute gelingt der DJK Sandizell die 1:0-Führung. Batzenhofen drängt nun vehement auf den Ausgleich und in der 102. Minute läuft die Spielerin Melanie Lutsch vom CSC Batzenhofen allein auf die Torfrau von Sandizell zu und kommt im Strafraum zu Fall. Die Schiedsrichterin zeigt sofort auf den Elfmeterpunkt und gibt Strafstoss für Batzenhofen, die Chance zum Ausgleich! Doch da geht Melanie Lutsch auf die Schiedsrichterin zu und sagt zu ihr: "Ich bin nur über die Torhüterin gesprungen, um mich nicht zu verletzen und kam dabei zu Fall." Daraufhin nimmt die Schiedsrichterin die Elfmeterentscheidung zurück und das Spiel wird mit Abstoß für Sandizell fortgesetzt.

Kurz vor dem Ende der Verlängerung gelingt dem CSC Batzenhofen in der 112. Spielminute doch noch der Ausgleichstreffer zum 1:1. Das anschließende Elfmeterschießen gewinnt Batzenhofen mit 5:4 und steigt in die Bezirksoberliga auf. Trotz der Enttäuschung über das verlorene Spiel kommen die Spielerinnen und Funktionäre der DJK Sandizell und bedanken sich für die faire Aktion beim "Elfmeterpfiff" in der Verlängerung.

 

Ein Spieler mit Vorbildfunktion

Bundessieger: Sebastian Hans (ETSV Weiche-Flensburg)
Landesverband: Schleswig-Holsteinischer FV
Spielklasse: Kreisliga, B-Junioren, FC Tarp-Oeversee - ETSV Weiche-Flensburg
Datum: 29. November 2008

In einem Punktspiel der B-Junioren-Kreisliga treffen am 29. November 2008 der FC Tarp-Oeversee und der ETSV Weiche-Flensburg aufeinander.

Leider hat der ETSV Weiche einen Zuschauer mitgebracht, der anscheinend mehr Interesse daran hat, den Gegner zu beleidigen, als dem Spielverlauf zu folgen. Auch die Heimzuschauer blieben nicht ruhig und halten dagegen. Es entwickelt sich ein Tumult. Der Trainer der Heimmannschaft will den Unruhestifter des Sportgeländes verweisen. Doch dieser weigert sich, seinen Platz zu verlassen. Daraufhin bittet der Trainer den Schiedsrichter, das Spiel zu unterbrechen und erst wieder anzupfeifen, wenn der Störenfried das Sportgelände verlassen hat. Der Schiedsrichter spricht mit den betreffenden Zuschauern, doch die zeigten sich uneinsichtig. Daraufhin kommt Sebastian Hans von ETSV Weiche vom Platz geht zu den Zuschauern und sagt ihnen, dass sie endlich aufhören sollten, damit man endlich weiter Fußball spielen kann.

Eine sehr mutige Aussage des Spielers, denn er steht einer Menge aufgebrachter Erwachsener gegenüber. Aber er macht ihnen klar, dass die Erwachsenen als Vorbilder dienen sollen und nicht am Spielfeldrand zusätzliche Aggressivität ins Spiel bringen. Anschließend wird das Spiel ohne weitere Kommentare oder Zwischenrufe von Außen weitergeführt.

 

Ein starkes Engagement für Fair Play!

Bundessieger: Ralf Klohr (SuS Herzogenrath)
Landesverband: FV Mittelrhein, Fußballkreis Aachen
Spielklasse: -
Datum: seit Frühjahr 2007

Im Frühjahr 2007 hatte Ralf Klohr, in Anbetracht einiger unliebsamer Spruchkammerverfahren zu Spielen der allerjüngsten Altersklassen als seinen persönlichen Lösungsansatz die Idee zur Gründung einer sogenannten "Fair Play Liga" im Fußballkreis Aachen entwickelt. Zudem fand er noch zwei Mitstreiter aus dem Kreisjugend-Ausschuss Aachen, die ihn bei der Umsetzung dieser Idee unterstützten.

Die Fair Play Liga bezweckt, den Kindern aktiv den Fair-Play-Gedanken zu vermitteln. Nach seinen Vorstellungen sollen die Kinder - aufgrund freiwilliger Meldungen der Vereine - in 7er-Teams unter modifizierten Rahmenbedingungen spielen. Die Spiele werden dabei nicht durch einen Schiedsrichter - oft als Betreuer einer Mannschaft meist ohnehin nicht neutral - geleitet, sondern die Kinder müssen ihr Spiel nach einigen wenigen Kernsätzen selbst organisieren, die da lauten:

  • Der Spieler, der den Ball ins Aus gespielt hat, lässt ihn für den Gegner liegen.
  • Wer Foul spielt, lässt den Ball für den Gegenspieler liegen und entschuldigt sich per Handschlag bei ihm.
  • Die Spieler muntern einen Mitspieler auf, wenn ihm etwas nicht gelingt.
  • Die Trainer folgen einigen Verhaltensregeln
  • Begrüßung vor dem Spiel in der Spielfeldmitte
  • Gemeinsamer Appell an den Fair-Play-Gedanken
  • vor allem: gemeinsamer Aufenthaltsort der Trainer (Coaching Zone), um den Spielern Einheit zu demonstrieren.
  • In strittigen Situationen sollen dann die Trainer gemeinsam entscheiden.
  • Ein wichtiger Aspekt in diesem Konzept ist auch, dass die Eltern (Zuschauer) ein Mindestabstand (ca. 15m) zum Spielfeld halten müssen.

Zunächst musste Ralf Klohr kreisintern große Widerstände und Vorbehalte überwinden, um zu seinem Ziel zu gelangen. Inzwischen hat sich seine Idee erfolgreich durchgesetzt, weil sie von einer Vielzahl von Vereinen angenommen wurde. So beteiligten sich in der Spielzeit 2008/2009 neben 93 Bambini-Mannschaften, dies war allerdings vom Kreis so festgelegt, 58 F-Jugend- und 16 E-Jugend-Teams an der Fair Play-Liga.

 

Ein Verein setzt ein Zeichen für Fair Play

Bundessieger: FT Ingolstadt-Ringsee
Landesverband: Bayerischer FV
Spielklasse: -
Datum: Frühjahr 2009

Im Spiel FC Hitzhofen gegen FT Ringsee wird der Spielertrainer von Ringsee wegen wiederholten Reklamierens vom Schiedsrichter mit der Roten Karte des Feldes verwiesen. Nach dem Spiel wird der Schiedsrichter durch den Spielertrainer und eine weitere Person in seiner Kabine bedrängt und aufgefordert, die Rote Karte in eine gelb-rote Karte umzuwandeln. Dem Schiedsrichter wird massiv gedroht, für den Fall, dass er den Sachverhalt wahrheitsgemäß meldet und der Spieler und Trainer eine Sperre erhalten sollte. Das Angebot eines kostenlosen Mittagessens im Sportheim lehnt der Schiedsrichter ebenfalls kategorisch ab.

Das zuständige Sportgericht verurteilt den Spieler und Trainer des FT Ingolstadt zu einer Spielsperre und Geldbuße. Abteilungsleitung und Vorstand von Ringsee erfahren erst durch die Abschrift des Schiedsrichters vom grob unsportlichen Verhalten des Trainers. Interne Nachforschungen bestätigen den Inhalt des Schiedsrichterberichtes. Daraufhin kündigt der Verein seinem Spielertrainer und stellt ihm zugleich frei, als Spieler den Verein zu verlassen. Der Verein setzte damit eindeutig ein Zeichen gegen dieses unsportliche Verhalten.

Nach Bekanntwerden des Sportgerichtsurteils und der Entscheidung des Vereins stellen sich die Spieler der 1. und 2. Mannschaft hinter den Trainer und fordern dessen Wiedereinstellung. Der Verein erklärt jedoch, dass keinesfalls die Entscheidung zurückgenommen wird, auch nicht bei einem Spielerboykott. Doch die Spieler beider Teams weigern sich beim ersten Spiel ihrer Mannschaften nach der Winterpause anzutreten, sodass die Vereinsführung beide Partien wegen "Spielermangel" absagen muss. Hierbei ist dem Verein bewusst, dass das den Ausschluss der 2. Mannschaft aus dem Spielbetrieb bedeutet, da dies bereits die 3. Spielabsage ist.

Dem Klub FT Ingolstadt-Ringsee erschien das Sportgerichtsurteil in keiner Weise als strafangemessen. Der Verein hat unter Inkaufnahme erheblicher Nachteile wie

  • Geldstrafe und Punktverlust der 1. Mannschaft, obwohl der Klassenerhalt noch nicht gesichert war
  • Geldstrafe u. Punktverlust der 2. Mannschaft, damit verbunden Ausschluss der Mannschaft aus dem Spielbetrieb, ein Neustart ist nur in der untersten Liga möglich
  • Entlassung des Trainers
  • Vereinsinterne Sperre des Spielers

außerordentlich konsequent hinter seiner Entscheidung gestanden. Beispielhaft hat der Verein verschiedene massive Nachteile in Kauf genommen, um dem sportlich fairen Verhalten Geltung zu verschaffen.

 

Ein Verein engagiert sich für Fair Play

Ein Verein engagiert sich für Fair Play
Bundessieger: ATSV Stockelsdorf
Landesverband: Schleswig-Holsteinischer FV
Spielklasse: -
Datum: Februar 2009

Die Fußball-Abteilung des ATSV Stockelsdorf entwickelte, angeregt durch den DFB-Flyer "Fair bleiben, liebe Eltern!" und einiger negativer Vorfälle im Umfeld des Fußballplatzes, verschiedene Aktivitäten im Bereich Fair Play.

So wurde unter dem Motto "Fair miteinander" ein eigenes Leitbild des Vereins geschaffen. In einigen Leitsätzen wird auf die Vorbildfunktion der Erwachsenen hingewiesen und sich gegen aggressives Verhalten sowie negative Äußerungen am Spielrand gewandt. Zudem wurden die Eltern in einem "Elternbrief" aufgefordert, der Gastmannschaft, den Schiedsrichtern, eigenen Spielern sowie den Trainern und Betreuern Fair Play und Respekt entgegen zu bringen. Besonders wurden die Eltern an ihre Vorbildrolle erinnert. Die gesamten Aktivitäten sind auch auf der Homepage des Vereins dokumentiert, sodass jeder Besucher dieser Seite gleich erkennt, dass der Verein sich für Fair Play und Respekt engagiert.

 

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