Vom Neuling zur FIFA-Schiedsrichter-Assistentin

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Interview mit Katrin Rafalski



Katrin Rafalski

Einen großen Erfolg konnte Frauen-Bundesliga-Schiedsrichterin Katrin Rafalski aus dem nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis verbuchen: Seit dem 1. Januar ist sie FIFA-Schiedsrichterinnen-Assistentin und darf damit bei internationalen Begegnungen an der Seitenlinie assistieren. Im Gespräch mit Karsten Vollmar erläutert Katrin Rafalski, wie sich ihre Karriere nach dem Neulingslehrgang vor 14 Jahren (oder genauer gesagt: 5110 Tage bis zum Erhalt des FIFA-Wappens) entwickelte und was den besonderen Reiz an ihrem Hobby „Fußball-Schiedsrichterin“ bis hin zu FIFA-Einsätzen ausmacht.

Frage: Was genau war vor 14 Jahren der Auslöser für den Besuch eines Neulingslehrganges?

Katrin Rafalski: Der Auslöser vor 14 Jahren war ein Schiedsrichtermangel im heimischen Verein und der Spaß am Fußball. Außerdem empfand ich es als eine Herausforderung den Fußball aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.

Frage: Welche Erinnerungen verbindest Du mit dem Lehrgang und wie anspruchsvoll war die Prüfung?

Katrin Rafalski: Wir waren eine tolle Truppe und hatten einen tollen Lehrgang. Einige der Teilnehmer von damals sind noch immer mit dabei und wir haben regelmäßigen Kontakt und Erfahrungsaustausch. Die Prüfung war für mich wie jede Prüfung, ich war super aufgeregt!

Frage: Wie ging es danach weiter, gab es Förderprogramme?

Katrin Rafalski: Die Möglichkeit im Schwalm-Eder-Kreis gefördert zu werden bestand immer, ich zog es damals allerdings vor meine Prioritäten aufs Fußballspielen zu setzen und habe deswegen die ersten Jahre nur neben dem Fußballspielen gepfiffen.

Frage: In welchem Alter stand das erste Seniorenspiel der Herren auf dem Programm und welche Erwartungen hattest Du damals?

Katrin Rafalski: Im Jahr 2005 (also mit 23 Jahren) habe ich mein erstes Spiel im Seniorenbereich gepfiffen. Meine Erwartung war, das Spiel gut zu leiten. Ich war natürlich sehr aufgeregt, habe dies aber mit dem Betreten des Spielfeldes abgelegt. In meinem ersten KOL-Spiel wurde ich dann von Gottfried Henkelmann beobachtet, der mir damals wie heute immer wieder viele hilfreiche Tipps gibt und mich seither durch meine Schiedsrichterlaufbahn begleitet.



Auf der FIFA-Liste: Katrin Rafalski

Frage: In welchem Tempo verlief der Aufstieg in die Frauenbundesliga und was sind die größten Unterschiede zu den „unteren Klassen“?

Katrin Rafalski: Der Aufstieg verlief sehr schnell. Ständige Begleiter und Unterstützer waren dabei Kreis, Region und Verband. Durch entsprechende Förderung und Betreuung bei meinen Spielen bin ich vor 4 Jahren in die 2. Frauenbundesliga aufgestiegen und von dort aus direkt in die 1. Frauenbundesliga. Jetzt im 4. DFB-Jahr ist die Nominierung für den Schiedsrichter-Assistentinnen-Platz auf der FIFA-Liste eine absolute Bestätigung der Arbeit. Ich glaube dass man die nicht über Unterschiede sprechen sollte. Jede Klasse ist für sich selbst ganz besonders. Es ist egal ob ich ein Bundesligaspiel oder ein Spiel im Kreis pfeife, ich gehe immer mit der gleichen Motivation und dem gleichen Ehrgeiz ins Spiel. Für Mannschaften in den unteren Klassen geht es schließlich auch um alles, da sie um die Meisterschaft oder vielleicht gegen den Abstieg kämpfen und ich es als unfair empfinden würde, dies nicht genauso erst zu nehmen wie ein Spiel in der Bundesliga.

Frage: Wie viel Zeit muss man für das Hobby Schiedsrichterei aufbringen?

Katrin Rafalski: Sehr, sehr viel! Tägliches Training und permanente Verfügbarkeit sind Hauptbestandteile der Schiedsrichterei in diesen Klassen. Ohne den persönlichen Spaß/Ehrgeiz, das nötige Verständnis von Familie, Freunden und der tollen Unterstützung meines Arbeitgebers wäre die Ausübung meines Hobbys in dieser Form allerdings gar nicht möglich.

Frage: Beim Damen-Pokalfinale 2009 warst Du bereits an der Linie im Einsatz, internationale Begegnungen stellen auch eine große Herausforderung und Verantwortung dar! Wie bereitest Du Dich darauf vor und welche Erwartungen hast Du an die ersten Spiele?

Katrin Rafalski: Zur grundsätzlichen Vorbereitung gehört für mich eine gute Regelkenntnis und die nötige körperliche Fitness. Ich trainiere dafür täglich und mein Regelbuch ist auf jeder Reise mein Begleiter. Da ich international im letzten Jahr schon sechs Länder bereisen durfte sind zumindest die administrativen Dinge mittlerweile schon nicht mehr ganz neu für mich. Jeder Einsatz bringt ganz viel Spannung mit sich und ich bin glücklich und dankbar, dass ich all diese Eindrücke sammeln kann.

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