Schiedsrichter unterstützen Behindertenprojekt in der Türkei

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Trainingslager mit außergewöhnlichem Programm



70 norddeutsche Schiedsrichtern, Beobachter und Referenteverbrachten eine Woche Trainingslager im türkischen Belek.

So viel Freude strahlte aus dem Gesicht der 17-jährigen Busra Zoroglan in der Behinderteneinrichtung des Vereins „Wir kennen keinen Hindernisse“ in Antalya, dass der von dieser Szene tief bewegte DFB-Schiedsrichter Harm Osmers (SV Baden, NFV-Bezirk Lüneburg) doch einmal kräftig schlucken musste. Der heute 28-jährige Zweitliga-Unparteiische gehörte zu den rund 70 norddeutschen Schiedsrichtern, Beobachtern und Referenten, die jetzt nach einer Woche Trainingslager aus dem türkischen Belek wieder nach Hause zurückgekehrt sind. Und neben einem anspruchsvollen sportpraktischen und theoretischen Fortbildungsprogramm stand das soziale Engagement der Schiedsrichter im Zentrum des Aufenthaltes: Die Referees unterstützten den Verein „Wir kennen keine Hindernisse“, der in etwa mit der deutschen Lebenshilfe vergleichbar ist, mit medizinischen Geräten, mit einem Spendenscheck über 2000 Euro und mit Spielzeug für die zum Teil schwerst behinderten Kinder und Jugendlichen.

An der türkischen Riviera absolvierten die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter ein genauso anspruchsvolles wie abwechslungsreiches Trainings- und Fortbildungsprogramm, das von Niedersachsens Verbands-Schiedsrichter-Lehrwart Bernd Domurat (Wilhelmshaven) koordiniert wurde. Bernd Domurat zog denn auch ein positives Fazit: „Ich freue mich, dass wir einen so qualifizierten Schiedsrichter-Nachwuchs haben – die jungen Unparteiischen haben eine hohe sportliche, soziale und persönliche Kompetenz, das wurde auch in Belek ganz deutlich. Deshalb mache ich mir um die Zukunft der norddeutschen Schiedsrichter gar keine Sorgen. Und diese ausgezeichneten Erfahrungen motivieren uns dazu, die ehrenamtliche Arbeit für unseren Nachwuchs auch in Zukunft genauso fortzusetzen wie bisher.“

Zu den hochqualifizierten Referenten gehörte neben anderen der renommierte und bundesligaerfahrene Sportmediziner und Trainer Dr. Bernd Brexendorf (u.a. Schalke 04). Der 55-Jährige, der auch Erfahrungen als Profi-Spieler gemacht hat, empfahl den jungen Nachwuchs-Unparteiischen, mindestens einmal pro Jahr einen medizinischen Check vornehmen zu lassen, um durch diese Prävention Sportverletzungen möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen.

Neben den täglichen Trainingseinheiten machten aber weitere Programmpunkte die Besonderheit des Lehrganges aus – zum Beispiel eben die Hilfe für den Verein „Wir kennen keine Hindernisse“, der eine moderne Behindertenwerkstatt unterhält, in der in verschiedenen Schichten pro Tag etwa 100 Kinder geschult und in aufwändigem Einzelunterricht auch physiotherapeutisch behandelt werden können.

 

Freundschaftsspiel endete 2:2

 

Vereinspräsident Özkan Gönenc, der selbst sehbehindert ist: „Unsere Einrichtung zeigt, dass ein Leben auch mit Behinderung so normal wie möglich sein kann und sein muss. Wir wollen genauso wie alle anderen Menschen normal in der Gesellschaft leben.“ Özkan Gönenc dankte den norddeutschen Schiedsrichtern um Delegationsleiter Dieter Jerzewski (Ehrenpräsident des Norddeutschen Fußballverbandes), Wilfried Heitmann (Vorsitzender des Norddeutschen Schiedsrichterausschusses) und Wolfgang Mierswa (Vorsitzender des Niedersächsischen Schiedsrichterausschusses) sehr für die Unterstützung aus Deutschland.

Ein besonderer Höhepunkt war das Freundschaftsspiel gegen die türkischen Schiedsrichterkollegen. In einer spannenden, von FIFA-Frauen-Schiedsrichterin Riem Hussein aus Bad Harzburg problemlos geleiteten Partie trennte man sich am Ende 2:2. Viel wichtiger als das Ergebnis war für die Unparteiischen aus Deutschland und der Türkei aber vielmehr, dass die freundschaftlichen Kontakte, die es seit zehn Jahren gibt, durch den Aufenthalt in Belek weiter ausgebaut und vertieft werden konnten. Und was wahre Gastfreundschaft ist, das erlebten die norddeutschen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter bei einem „türkischen Abend“, zu denen die NFV-Unparteiischen von ihren türkischen Freunden eingeladen wurden.

Intensiv geschult wurden die Teilnehmer auch in den Bereichen Persönlichkeitsbildung, Kommunikation und Medienkompetenz: So gehörten Lehreinheiten zur Körpersprache genauso mit zum Programm wie der professionelle Umgang des Schiedsrichters mit Journalisten und das adäquate Verhalten bei Interviews. Dazu analysierten die Referees verschiedene Fernsehinterviews und erarbeiteten an praktischen Beispielen, wie man eine im Spiel getroffene Entscheidung in wenigen Sätzen vor der Kamera verständlich und sachlich erläutert.

 

 



Nord-FV-Ehrenpräsident Dieter Jerzewski (l.) und der Vorsitzende des norddeutschen Schiedsrichter-Ausschusses, Wilfried Heitmann (2.v.l.), übergeben einen Spenden-Check an die Führung des türkischen Vereins „Wir kennen keine Hindernisse“

Weiteres Beispiel für die Vorreiterrolle

Dieter Jerzewski, Ehrenpräsident des Norddeutschen Fußballverbandes und Präsident des Bremer FV, sagte nach der Rückkehr aus Belek: „Das waren herausragende acht Tage in der Türkei. Ich bin der Auffassung, dass es solch ein einzigartiges Trainingslager auch in Zukunft geben muss. Es ist für die Regionalverbände des Nordens ein absoluter Gewinn. Das Trainingslager der norddeutschen Fußballschiedsrichter in Belek ist darüber hinaus ein weiteres Beispiel für die Vorreiterrolle, die der Norden in vielen Bereichen des Fußballsportes hat, auch und gerade in der Aus- und Fortbildung und in der Persönlichkeitsbildung unserer Unparteiischen.“

Wolfgang Mierswa (Uetze), Vorsitzender des niedersächsischen Verbands-Schiedsrichterausschusses: „Das Programm unseres Trainingslagers in Belek stell-te hohe Anforderungen an die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter. Einen guten Schiedsrichter machen auch die persönlichen, sozialen und kulturellen Qualitäten aus, und hier lag ein Schwerpunkt dieses besonderen Trainingslagers in der Türkei. Ich bin extrem positiv überrascht, wie ausgezeichnet unsere jungen Unparteiischen diesen hohen Ansprüchen gerecht wurden. Durch dieses Trainingslager wurde die Gemeinschaft der norddeutschen und auch der türkischen Schiedsrichter noch enger zusammengeschweißt. Im Gegensatz zu den zeitlich begrenzten, normalen Lehrgängen im Jahr gab es nämlich über das anspruchsvolle Programm hinaus viele Gelegenheiten, sich gegenseitig noch besser kennenzulernen. Auch das zeichnet dieses besondere Trainingslager in Belek aus, das aus meiner Sicht auch in Zukunft regelmäßig stattfinden sollte.“

Kontakte zu türkischen Freunden weiter vertieft

Wilfried Heitmann (Drentwede), Vorsitzender des Norddeutschen Schiedsrichter-Ausschusses: „Ich freue mich über das soziale Engagement unserer norddeutschen Schiedsrichter. Und ich freue mich, dass die intensiven Kontakte zu unseren türkischen Freunden weiter vertieft wurden und vor Ort in Belek neue Freundschaften entstanden sind. Ich bin richtig stolz auf unsere Unparteiischen. Von der gesunden Mischung der Teilnehmer haben alle profitiert. Insbesondere unsere jungen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter konnten eine Menge von den erfahrenen ehemaligen Bundesliga-, DFB- und norddeutschen Unparteiischen mitnehmen, die heute als Beobachter und Coaches für die Förderung unserer Nachwuchs-Referees aktiv sind. Auch in Zukunft sollte das Trainingslager solch ein unterschiedliches Teilnehmerfeld aus aktiven und ehemaligen Schiedsrichtern und hochqualifizierten Referenten umfassen – das war mit ein Baustein dafür, warum die Woche in Belek so erfolgreich war.“

Und diese Schiedsrichter aus Norddeutschland haben am besonderen Trainingslager in Belek teilgenommen:

Niedersachsen:
Niedersachsens Verbands-Schiedsrichter-Obmann Wolfgang Mierswa (Uetze), die Niedersächsischen Verbands-Lehrwarte Bernd Domurat (Wilhelmshaven) und Günther Thielking (Hagen) sowie DFB-Zweitliga-Referee Thorsten Schriever (Cuxhaven). Peter Bartsch (Emden), Thorsten Bohmann (Rastede), Franz Bokop (Vechta), Lena Dittmann (Stadthagen), Lennart Dornieden (Osnabrück), Jan-Eike Ehlers (Weyhe), Nicole Fink (Ganderkesee), Julia Hannapel (Emden), Michel Haupt (Osterholz-Scharmbeck), Corinna Hedt (Wettmar), Lars Heitmann (Diepholz), Tobias Helwig (Lüneburg), Riem Hussein (Bad Harzburg), Christin Junge (Rosengarten), Liane Lindenberg (Nienburg), Imke Lohmeyer (Holtland), Harm Osmers (Hannover), Verena Plate (Scholen), Svenja Pleuß (Schwarme), Sebastian Rabe (Vienenburg), Verena Schultz (Wolfsburg), Michaela Siegmann (Göttingen), Kim-Jana Trenkner (Winsen/Luhe), André Wenzel (Brillit), Monika Fornacon (Stöckse), Marco Haase (Uelzen), Wilfried Heitmann (Drentwede), Fritz Heitmann (Wagenfeld), Günther Schaper (Almstedt), Georg Winter (Wildeshausen), Antje Witteweg (Herzberg).

Hamburg:
Verbands-Schiedsrichter Obmann Wilfred Diekert (SuS Waldenau), Jürgen Deppe (SV Rönneburg), Ina Butzlaff (Wedeler TSV), Tanja Krause (HSV), Dennis Krohn (TSV Reinbek), Patrick Schult (SC Osterbek), Murat Yilmaz (FC Türkiye), Andreas Bandt (ETV).

Schleswig-Holstein:
David Bornhöft (TuS Garbek), Dr. Bernd Brexendorf (Heikendorf), Björn Hinrichs (SV Rödemis), Kathrin Meingast (GW Todenbüttel), Sabine Siegmund (KSV Hol-stein), Egon Biere (Brunsbüttel), Heiner Momsen (Flensburg), Mathias Neumann (SV Henstedt/Rhen), Johannes Petersen (TSV Großsolt), Norbert Richter (Eutin), Fynn Kohn (Husumer SV).

Bremen:
Nadine Palmen (SV Grohn), Sabine Darnehl, Thomas Gorniak (ATSV Sebaldsbrück), Klaus Gunkel, Sven Jablonski (Blumenthaler SV), Daniel Riehl (TuS Schwachhausen), Sebastian Schiller (Habenhauser FV), Sebahattin Aksoy (TV Lehe), Ralf Bande (SV Lemwerder), Uwe Otten (TuS Schwachhausen), Thomas Nadolny (FC Union 60 Bremen), außerdem der Präsident des Bremer Fußball-Verbandes und Ehrenpräsident des Norddeutschen Fußball-Verbandes, Dieter Jerzewski (ESV Blau-Weiß), und Verbandsschiedsrichter-Obmann Torsten Rischbode (ATSV Sebaldsbrück)

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