Ein Gastspiel in den USA

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Achtzehn niedersächsische Schiedsrichter leiten Turnier in Florida



Harm Osmers

Harm Osmers aus Hannover schildet die Erlebnisse einer Schiedsrichter-Gruppe, die in der Weihnachtszeit bei einem Turnier in Florida im Einsatz war.

Für Gewöhnlich stellt die Winterpause für viele Schiedsrichter die einzige längere fußballfreie Zeit im Jahr dar. Kurz vor Weihnachten, wenn die letzten Spiele durchgeführt worden sind, bereiten sich die meisten von uns auf ein paar besinnliche Tage mit der Familie vor. Für 18 Schiedsrichter aus Niedersachsen kam es 2008 anders. Am ersten Weihnachtstag begann unsere Reise von Hannover in das circa 8000 Kilometer entfernte Tampa (Bundesstaat Florida).

Doch wie kommt es nun, dass 18 Schiedsrichter aus Niedersachsen Weihnachten und Silvester in den USA verbrachten? Anlass dafür war der Tampa Bay Sun Bowl – ein hochklassiges Juniorenturnier der Altersstufen U 15 – U 19, bei dem jährlich Soccer Teams und Soccer Akademien aus der gesamten USA gegeneinander antreten. Die dänische Schiedsrichter-Organisation Refex bot auch in diesem Jahr die Teilnahme für deutsche Schiedsrichter an. Es bildete sich eine sehr gemischte Schiedsrichter-Gruppe aus dem Großraum Hannover heraus. Nachdem der Heilige Abend noch mit der Familien in weihnachtlicher Atmosphäre verbrachte wurde, machten wir uns am frühen Morgen des 25.Dezember 2008 vom Flughafen Hannover über Frankfurt auf den Weg in das entfernte Florida. Das bedeutete für uns gleichzeitig auch, den kalten Winter in Deutschland hinter uns zu lassen, denn in Tampa erwarteten uns 25 Grad und Sonnenschein.

In Tampa gelandet, machten wir uns auf den Weg in das „Ramada Hotel“, das unseren Aufenthaltsort für die gesamte Turnierzeit darstellte. Etwas erschöpft vom langen Flug und den Temperaturveränderungen, beschlossen wir, den Abend bei einem typisch amerikanischen Abendessen ausklingen zu lassen.

Am darauffolgenden Tag stand die offizielle Eröffnungszeremonie des Turniers auf der Tagesordnung. Alle Schiedsrichter erschienen hierzu feierlich gekleidet in Anzug mit Krawatte. Neben unserer 18-köpfigen Gruppe aus Niedersachsen, waren insgesamt 91 Schiedsrichter für das Turnier angereist. Neben Belgiern und Schweizern, stellten die Amerikaner die größte Gruppe an Referees. Der „Director of the Referees“ Mike Mekkelburg gab einen Überblick über den Turnierablauf und das geltende Regelwerk. Bis auf ein paar kleine Unterschiede ist es praktisch identisch mit dem der Junioren-Regionalliga und -Bundesliga. Außerdem erhielten wir unsere Ansetzungen für die vier folgenden Turniertage. Jeder von uns erhielt je zwei Assistenteneinsätze und einen Einsatz als Schiedsrichter pro Tag.

Nachdem wir somit einen Tag Zeit hatten, um uns an das Land und das Klima zu gewöhnen, machten wir uns früh am Morgen des 27. Dezember 2008 auf den Weg nach Brandon, einem Ort, der etwas außerhalb Tampas liegt. Auf der riesigen Sportanlage wurde gleichzeitig auf acht Plätzen gespielt. Die Spiele wurden in gemischten Gespannen mit Europäern und amerikanischen Kollegen geleitet. Dieses erforderte eine präzise englische Absprache vor Spielbeginn. Trotz unserer gut ausgebildeten Englischkenntnisse waren wir überrascht über die Herausforderung sich über die Schiedsrichter-Tätigkeit in einer anderen Sprache zu verständigen. Das Vokabular für Wörter wie zum Beispiel gefährliches Spiel, unabsichtliches Handspiel, Einwurf oder Grätschen lernt man normalerweise nicht in der Schule, an der Universität oder im Berufsalltag. Nach einer kleinen Sprachkunde waren die Kommunikationsprobleme schnell überwunden und die Zusammenarbeit verlief reibungslos.

Um Punkt neun Uhr hieß es dann: „Let’s Rock & Roll.“ So pflegte unserer amerikanischer Kollege Ken im Vorfeld vor jeder Partie zu sagen. Das Niveau der Jugendmannschaften lässt sich etwas unterhalb der Junioren-Niedersachsenliga in Deutschland einordnen. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die Amerikaner körperbetonter spielen, sich jedoch im Vergleich zur deutschen Mannschaften disziplinierter auf dem Fußballplatz verhalten. Verbale Entgleisungen stellten eine absolute Seltenheit dar. Im Gegenteil, oft wurde sich mit einem ernstgemeinten „Thank you, Sir" für ein geahndetes Foul bedankt. Besonders beeindruckt hat uns, dass von den Spielern beinahe keine Unsportlichkeiten wie Zeitverzögerungen, Schwalben oder lautstarkes Reklamieren begangen wurden. Ein Umstand, den man sich hier zu Lande auch vermehrt wünschen würde.

Obwohl die offizielle Turniersprache selbstverständlich englisch war, bediente sich während der Spiele der eine oder andere deutsche Schiedsrichter notfalls auch der deutschen Ansprache, um den Spielern die Grenzen aufzuzeigen oder diese zu ermahnen. Und man mag es zu Anfang kaum glauben, damit erzielte wurde eine ähnliche Wirkung erzielt. Die Spieler und Außenstehenden verstanden zwar nicht die exakte Bedeutung der Worte, aber der Inhalt kam rüber. Dieses macht deutlich, wie Stimmlage, Gestik und Mimik die Kommunikation unterstützen. Da spielt es manchmal keine Rolle, ob der Spieler vielleicht kein Wort versteht, weil er in einer Sprache angesprochen wird, die er nicht kennt. Natürlich darf man dieses Vorgehen aber auch nicht überstrapazieren.

Unsere Leistungen wurden von der Turnierleitung sehr geschätzt und wir erhielten positive Rückmeldung von Trainern, Funktionären und Zuschauern. Auch der Umgang mit den Spielern verlief ganz überwiegend unproblematisch. Dass bei der Vielzahl der Spiele vereinzelt auch Feldverweise auftraten oder hin und wieder Diskussionsbedarf entstand, ist zu verkraften und gehört auch zu einem bedeutsamen Fußballturnier dazu. Anspruchsvoll und lehrreich war hierbei das Ausfüllen eines englischen Sonderberichts im Anschluss an einen Feldverweis.

In den folgenden Tagen folgten für jeden von uns weitere Spieleinsätze an unterschiedlichen Orten in und um Tampa. Die Temperaturen stiegen an die 30 Grad, sodass wir uns gut eincremen mussten, um uns nicht zu verbrennen, wovon trotzdem nicht jeder verschont wurde. Neben den Temperaturen stieg auch das Niveau der spielenden Mannschaften, denn schließlich waren bei vielen Spielen Scouts – unter anderem auch namhafter europäischer Vereine -anwesend. Zudem wollten sich die Spieler vor ihren zahlreich anwesenden Eltern und Familien beweisen.

Nach den Spielen am Abend nutzten wir dann die verbliebene Zeit mit Shoppingtouren in der nahe gelegenen Mall, genossen die Sonne am Pool oder fuhren zum Clearwater Beach. Am 30. Dezember 2008 fanden die Finalspiele statt. Für das Halbfinale wurde ein Niedersächsisches SR-Gespann benannt. Lennart Dornieden, Niels Haupt und Jan David sowie Nils Voigt als Vierter Offizieller waren die Auserwählten, die ein Spiel der letzten vier der U 19 Teams souverän meisterten und somit für einen schönen Turnierabschluss sorgten. Das Ende des Turniers stellte für uns gleichzeitig der Anfang unseres Urlaubs dar. Diese Zeit hatten wir bewusst im Vorfeld geplant, um die Gelegenheit, in den USA Urlaub zu machen intensiv zu nutzen. Bis zum 4. Januar verbrachten wir in kleineren Gruppen an unterschiedlichen Orten in Amerika den Jahreswechsel und genossen dann endlich auch unsere wohlverdiente fußballfreie Zeit.

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