Wie oft kommt man schon zu einer WM?

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Bibiana Steinhaus

Weltmeisterschaft – ein Zauberwort für jeden Sportler. Bibiana Steinhaus, Moiken Reichert und Marina Wozniak können seit ihrem Einsatz in Chile 2008 da jetzt mitreden.

Bibiana Steinhaus: Wenn dieser Name fällt, denkt die nach wie vor stark auf den Männer-Fußball fixierte Öffentlichkeit sofort an die erste Frau, die es in Deutschland als Spielleiterin in die Lizenzligen geschafft hat. Seit 2007 pfeift sie Spiele in der 2. Bundesliga und wird als 4.Offizielle in der Bundesliga eingesetzt.

Leicht in Vergessenheit gerät dabei, dass Bibiana Steinhaus auch im Frauen-Fußball große Erfolge aufzuweisen hatte und hat. DFB-Pokalfinale, Schiedsrichterin des Jahres, im Herbst 2007 Berufungen zur Universiade in Bangkok, bei der sie das Endspiel leitete, und zur Militär-WM in Hyderabad (Indien).

Im November 2008 ein weiterer Höhepunkt ihrer Karriere: Die Polizistin aus Hannover wurde mit ihren Assistentinnen Moiken Reichert (Worms-Herrnsheim) und Marina Wozniak (Herne) von der FIFA als eine von fünf europäischen Schiedsrichterinnen für die U20-WM in Chile nominiert – nach der WM der „Großen“ das zweitwichtigste Turnier im Welt-Frauenfußball. „Das war natürlich eine große Ehre. Wie oft kommt man schon zu einer WM?“ erzählt Bibiana nach den fast vier Wochen in Südamerika.

„Bereits eine Woche vor Turnierbeginn sind Moiken, Marina und ich nach Chile geflogen. Denn wie vor großen Turnieren üblich fand noch ein Kurs statt – natürlich mit Leistungsprüfung!“ Traurig und eigentlich nicht zu fassen: Fünf der 28 Assistentinnen packten die Prüfung nicht und mussten nach Hause fahren. Unsere drei Frauen waren gut genug vorbereitet und durften bleiben.

Schon am 2. Tag ging für das deutsche Trio in Chile die WM los. In Temuco leiteten die Drei Brasilien gegen Titelverteidiger Korea (3:2), ein Spiel, das sogar in Deutschland bei Eurosport live übertragen wurde. „Keine Probleme mit der Spielleitung“, konnte Bibiana vermelden. „Im Gegensatz zu vielen anderen Kolleginnen hatten wir auch das Glück als deutsches Team arbeiten zu dürfen.“ Es gab zwar keine fest gelegten Teams bei dieser WM, aber auch ihr zweites Spiel Nigeria gegen Chile (2:0) durften die drei Deutschen gemeinsam leiten.



Bibiana Steinhaus

Danach begann das Warten: „Gibt es noch ein drittes Spiel für uns?“ Bei großen Turnieren hängen die Einsätze der Schiedsrichter ja nicht nur von ihren aktuellen Leistungen ab sondern auch vom Abschneiden ihrer Nationalmannschaft. Die deutsche U 20 hatte das Viertelfinale erreicht und die Namen Steinhaus-Reichert-Wozniak tauchten in den Ansetzungen für diese Runde nicht auf. Erste kleine Enttäuschung für unser Team. Oder sollten sie für eine noch größere Aufgabe geschont werden?

Leider nicht, denn nach dem Viertelfinale blieben für die restlichen vier Spiele sieben Schiedsrichterinnen und 10 Assistentinnen vor Ort, der Rest fuhr nach Hause. Leider auch Moiken Reichert und Marina Wozniak. Bibiana: „Da ging es doch recht emotional zu.“ Aber auch für sie sank die Hoffnung auf einen weiteren Einsatz, denn die deutsche Mannschaft hatte das Halbfinale erreicht. Eine Ansetzung im Parallel-Spiel lassen die Gepflogenheiten der FIFA nicht zu. Man will damit allen Spekulationen aus dem Weg gehen. Was dann auch für einen Einsatz im Finale galt, nachdem die Deutschen ihr Semifinale im „besten und spannendsten Spiel des Turniers“ (Bibiana) mit 0:1 gegen die USA verloren hatten. Niemand sollte sagen können, dass die deutsche Schiedsrichterin eventuell die USA benachteiligt hätte, weil die ja ihre Mannschaft ausgeschaltet hatte. Bibiana: „Das sind alles Spekulationen. Für mich gibt es bei Ansetzungen immer nur ein Motto: Wait and see!“

So blieb ihr bei den Finalspielen (Deutschland wurde mit 5:3 gegen Frankreich Dritter, die USA holten mit 2:1 gegen Nordkorea den Titel) nur der Platz auf der Tribüne: „Natürlich hätte ich lieber auf dem Platz gestanden, aber auch so war die WM für mich eine enorme Erfahrung.“ Vielleicht ja auch im Hinblick auf die WM 2011 in Deutschland …

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