Was haben Sie am Tag des Mauerfalls gemacht?

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DFB.de hat Zeitzeugen aus Ost und West befragt, wie sie das historische Datum erlebt haben.

Matthias Sammer (früherer DFV- und DFB-Nationalspieler, aktueller DFB-Sportdirektor)

„Wir haben uns in den Tagen der Wende auf das entscheidende Spiel der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1990 in Italien am 15. November in Wien gegen Österreich vorbereitet. Unser Fokus lag auf der WM-Qualifikation, aber die Ereignisse rund um den Mauerfall haben die Nachrichtenlage bestimmt. Wir waren zwar abgeschirmt, verfolgten aber im Fernsehen das Geschehen. Ich habe das damals emotionslos zur Kenntnis genommen, weil ich Fußball spielen und an der WM teilnehmen wollte. Natürlich haben sich aber viele Gedanken gemacht, was die Wende für jeden Einzelnen bedeutet. Und wenn nur ein paar Prozente der Konzentration fehlen, dann kann man keine sportlichen Höchstleistungen bringen. Wir haben die Partie gegen Österreich in Wien dann leider deutlich 0:3 verloren.“

Franz Beckenbauer (11. September 1945 in München, Weltmeister 1974 als Spieler und 1990 als Trainer, Präsident des FC Bayern München)

„In Hennef bereiteten wir uns auf das entscheidende WM-Qualifikationsspiel gegen Wales vor, als die Bilder aus Berlin über den Fernseher liefen. Von ungeheuer emotionalen Ereignissen. Den Spielern gingen von diesem Zeitpunkt ganz andere Dinge durch den Kopf. Das spürte ich deutlich an den folgenden Tagen. Und auch ich konnte mich nicht mehr richtig auf meine Arbeit konzentrieren. Für mich war immer klar, dass diese zwei deutschen Staaten wiedervereinigt gehören. Doch viele hatten die Hoffung darauf schon aufgegeben. Jetzt aber war es soweit. Und alles passierte ganz friedlich, das war mein erster Gedanke.“

Jürgen Sparwasser (4. Juni 1948 in Halberstadt, Schütze des 1:0 beim WM-Gruppenspiel 1974 in Hamburg)

„Ich war damals Amateurtrainer bei Eintracht Frankfurt. Auf der Heimfahrt vom Training habe ich die Nachricht im Autoradio gehört. Eigentlich hätte ich rechts ran fahren müssen, aber das ließ der Verkehr nicht zu. Zuhause habe ich mit meiner Frau ein Glas Sekt getrunken. 1988 waren wir in die Bundesrepublik geflohen. Nachdem wir eineinhalb Jahre nur telefoniert hatten, konnten wir jetzt wieder zu unserer Tochter Silke fahren. Bereut habe ich dennoch nichts, weder die Jahre in der DDR-Oberliga, noch meine Flucht im Jahr 1988.“

Bernd Heynemann (22. Januar 1954 in Madgeburg, leitete bis 1991 rund hundert Spiele in der DDR-Oberliga, danach 151 Spiele in der Bundesliga)

„Auf einer Tagung der DDR-Schiedsrichter aus der Oberliga in Hettstett saßen wir abends vorm Fernseher und erfuhren, dass die Mauer gefallen ist. Die Reaktion war erstmal skeptisch. „Wie geht es jetzt für uns weiter?“ fragten sich viele, die seit Jahren in der Oberliga Spiele leiteten. Bei der Zusammenlegung standen unter den 36 Schiedsrichtern für die Bundesliga fünf Kollegen aus der ehemaligen DDR. Ich durfte dann bis 2001 in der Bundesliga pfeifen. Meine erste BL-Partie war Dortmund gegen Wattenscheid. Der größte Unterschied war nicht das Spieltempo sondern eigentlich die Medien, die wesentlich ausführlicher und kritischer über uns Schiedsrichter berichteten.“

Dr. Hans-Georg Moldenhauer (25. November 1941 in Senst bei Wittenberg, DFB-Vizepräsident, Präsident Nordostdeutscher Fußballverband, früher Torwart beim FC Magdeburg)

„Es war eine fantastische Zeit, sehr emotional. Einen Tag nach der Schabowski-Erklärung stand ein Punktspiel um die Stadtmeisterschaft in Magdeburg an. Deshalb konnte ich nicht gleich rüberfahren. Einige waren in Hamburg oder München und kamen am nächsten Morgen völlig übernächtigt zurück. Das Erzählen nahm kein Ende. Dann haben wir gespielt und gewonnen. Anschließend bin ich mit meiner Familie nach Braunschweig gefahren, und wir haben auf dem Marktplatz eine Flasche Sekt getrunken. An Fußball habe ich da nicht gedacht – aber danach ging es ziemlich schnell. Ich wurde dann im März 1990 zum letzten Präsidenten des DDR-Fußballverbandes gewählt. Damit begann der Stress.“

Michael Ballack (26. September 1976 in Görlitz, der Nationalmannschaftskapitän im Magazin 11 Freunde)

„Ich war damals 13 Jahre alt und wusste natürlich nicht so genau, worum es im Detail geht. Bei einer Montagsdemonstration mit meinen Eltern in Leipzig habe ich aber schnell gemerkt, dass da etwas nicht in Ordnung ist. Nach der Wende hieß der FC Karl-Marx-Stadt eines Tages Chemnitzer FC und die KJS plötzlich Sportgymnasium. Ich habe erst beim Blick zurück gemerkt, welche Möglichkeiten sich dadurch eröffnet haben. Man erinnert sich gern an seine Wurzeln. Die DDR ist ein Teil von mir. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich in die Region komme.“

Bernd Schultz (14. September 1957 in Berlin-Reinickendorf, Präsident Berliner Fußball-Verband)

„Ich war auf einem Polterabend im Ratskeller Reinickendorf und habe den Mauerfall komplett verpasst. Wir alle waren ausgelassen am Feiern, keiner schaute Fernsehen oder hörte Radio. Am nächsten Morgen, nach dem Aufwachen, sah ich auf dem Weg zur Arbeit unglaublich viele Trabis auf der Straße. „Irgendetwas stimmt hier nicht“, dachte ich mir. Dann habe ich die Zeitungen gelesen und die Berichte im Fernsehen gesehen. Schon im März 1990 hatten wir Gespräche mit den Fußballverantwortlichen aus dem Osten Berlins. Ein halbes Jahr später waren wir ein Verband. Das ging ratzfatz.“

Ulf Kirsten (4. Dezember 1965 in Riesa, 100 A-Länderspiele – 49 für die DDR und 51 für die Bundesrepublik Deutschland)

„An diesem Tag war ich in Leipzig in der Sportschule bei der Nationalmannschaft zur Vorbereitung auf das WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich sechs Tage später. Wir haben alle gebannt vor dem Fernseher gehockt. Es war ein bewegender Moment, geprägt von Euphorie und der Spannung, was passiert jetzt, wie geht es weiter. Gegen Österreich saß dann der Wolfgang Karnath bei uns auf der Reservebank. Als ich in der 70. Minute ausgewechselt wurde, sprach er mich direkt an und erklärte er mir, dass er die rechte Hand von Reiner Calmund sei und Bayer Leverkusen großes Interesse an mir hätte. Das war für mich als Fußballer die wichtigste Auswirkung des 9. November 1989.“

Siegfried Kirschen (Präsident Fußball-Landesverband Brandenburg, Ex-Schiedsrichter)

„Ich habe als FIFA-Schiedsrichter in vielen Ländern der Welt gepfiffen, nur in Deutschland nie – bis ich 1988 bei der EM in Stuttgart das Spiel England gegen Irland geleitet habe. Dort lernte ich Gerhard Mayer-Vorfelder kennen, der mich zu einem Hallenturnier nach Stuttgart einlud, wo ich im Januar 1989 wirklich sein durfte. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich in keinster Weise damit gerechnet, dass zehn Monate später die Mauer fällt. Den 9. November habe ich mit Schiedsrichter-Kollegen bei einem Treffen in Sachsen-Anhalt erlebt. Das war natürlich Gesprächsstoff Nummer eins, die ganze Veranstaltung war davon geprägt: Auswirkungen auf den Fußball und das Schiedsrichterwesen – wir hatten viel zu diskutieren. Abenteuerlich war es, einige haben sich gleich ins Auto gesetzt und getestet, ob die Grenzen wirklich offen sind.“

Hans-Jürgen Dörner (25. Januar 1951 in Görlitz, 96 Länderspiele für die DDR, der „Beckenbauer des Ostens“)

„Erst am nächsten Tag habe ich erfahren, dass die Mauer geöffnet ist. In der ersten Zeit wusste man nicht, wie es weitergeht. Ob die Vereinigung überhaupt zustande kommt. Für mich war die Entwicklung positiv, da ich als junger Fußball-Lehrer, der in der DDR gerade die Olympia-Auswahl betreute, die Chance bekam, als Trainer beim DFB zu arbeiten.“

Joachim Masuch (Präsident Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern)

„Ich werde den Tag nie vergessen. Ich saß im Auto, um meinen Sohn vom Handball-Training abzuholen, als die berühmte Schabowski-Nachricht kam. Ich war doch nur auf das Alltägliche gefasst, deshalb hat sich erst einmal Ungläubigkeit breit gemacht. Wir haben mit der Familie zu Hause in Rostock bis morgens früh um drei Uhr vor dem Fernseher gesessen. Freunde, die einen Ausreiseantrag gestellt hatten, kamen aus dem Theater und haben gefragt, was denn hier los sei. Denen habe ich gesagt, dass die Grenze offen ist – das konnten sie gar nicht glauben. Auch wir wollten einen Ausreiseantrag stellen, bis uns die Geschichte zuvor gekommen ist. Der 9. November ist ein Tag, der unserem Leben eine neue Richtung gegeben hat.“

Joachim Streich (13. April 1951 in Wismar, Oberliga-Rekordtorschütze und DDR-Rekordnationalspieler mit 102 A-Länderspielen)

„Als Magdeburger Cheftrainer war ich eine Woche zur Hospitation in Eindhoven, habe am Abend gar nichts mitbekommen. Am nächsten Vormittag kam Huub Stevens, der uns dort betreute und zu dieser Zeit Jugendtrainer bei PSV war, auf den Trainingsplatz und sagte, dass die Grenzen offen sind. Ich habe ihm geantwortet, dass er wohl spinnt. Bei der Rückkehr verpassten wir wegen Nebel die Interflug-Maschine nach Berlin- Schönefeld und reisten über West-Berlin zurück. Der Kommentar des Grenzsoldaten: „Na, auch schon im Westen gewesen, Herr Streich.“ Ein paar Wochen später bin ich mit meiner Frau und meiner Tochter zum Weihnachtsmarkt nach Braunschweig gefahren. Mein erster West-Trip nach dem Mauerfall."

Margit Stoppa (Vorsitzende des DFB-Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball)

„Ich war auf dem 50. Geburtstag eines guten Bekannten in Berlin-Lichtenberg. Und was macht man, wenn man auf einer Geburtstagsfeier ist? Man hat normalerweise nicht den Fernseher an. Deshalb haben wir vom Mauerfall auch zunächst nichts mitbekommen. Zwischen 22 und 23 Uhr klingelte plötzlich das Telefon, und wir hörten, was passiert ist. Ich glaube, wir waren die Letzten in ganz Berlin, die davon erfahren haben. Dann haben wir natürlich sofort den Fernseher angeschaltet und die Wiederholung der berühmten Pressekonferenz von Günter Schabowski gesehen. Wir konnten es zunächst nicht glauben. Dann haben wir erstmal mit Sekt auf den Fall der Mauer angestoßen.“

Werner Georg (30. Mai 1950, Präsident Fußball-Verband Sachsen-Anhalt)

„Als Vorsitzender der Spielkommission im Fußball-Bezirksverband Halle hatte ich damals die Reisegenehmigung für das WM-Qualifikationsspiel der DDR in Österreich erhalten und mich schon sehr gefreut. Dann wurde sie mir wieder entzogen, aber ich weiß bis heute nicht, warum. Am 9. November hatten wir bis 22 Uhr eine Sitzung der Spielkommission. Als ich da raus kam, dachte ich: Sind jetzt schon die Demos in Halle-Neustadt? Kollegen klärten mich dann auf, dass die Grenzen offen sind. Am 11. November bin ich mit meinem damals 15-jährigen Sohn Lars nach Berlin gefahren und in der Friedrichstraße in den Westen gegangen. Zusammen haben wir in der Nähe vom Checkpoint Charlie den Mauerfall gefeiert – mit etwas Verspätung, aber nicht weniger bewegt als alle anderen.“

Steffen Freund (19. Januar 1970 in Brandenburg, DFB-Trainer U 16-Nationalmannschaft, Europameister 1996)

„Als Günter Schabowski den berühmten Satz sagte, dass die Ausreise ab sofort möglich sei, hörte ich das erst am Abend im Radio. Das war positiv schockierend. Ich spielte damals noch bei Stahl Brandenburg und habe sofort einige Freunde angerufen, von denen sich viele direkt auf den Weg nach West-Berlin machten. Das war ja von uns aus nicht so weit. Dennoch konnte ich zunächst kaum glauben, dass die Mauer gefallen ist. Einige Tage später bin ich ebenfalls in die überfüllte Stadt gefahren, um das Begrüßungsgeld abzuholen. Berlin war eine einzige Party, völlig überfüllt mit Leuten und alles war friedlich und schön. Die ganze Situation war mitreißend und unfassbar.“

Eduard Geyer (7. Oktober 1944 in Bielitz, der letzte Trainer der DDR-Nationalmannschaft, später drei Jahre mit Energie Cottbus in der Bundesliga)

„Wir waren zu diesem Zeitpunkt zur Vorbereitung auf das entscheidende WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich in der Sportschule Leipzig. Alle waren baff und erstaunt. Die Gedanken der Spieler waren danach überall - nur nicht beim Spiel. Sie dachten mehr an Profi-Verträge und ans große, harte Geld. Die Öffnung der Mauer kam fußballerisch eine Woche zu früh, denn sonst hätten wir, bei allem Respekt für die Österreicher, das erforderliche Remis und damit die WM-Qualifikation für die Endrunde in Italien garantiert erreicht."

Klaus Reichenbach (22. 9. 1945 in Altenburg, Präsident Sächsischer Fußball-Verband)

„Wir waren kegeln, in einer Dorfkneipe in Kathendorf. Ich hatte gerade abgeräumt, und wollte eine Runde Bier bestellen. Da sagt die Wirtin zu mir: „Gerade lief die Meldung, dass die Mauer gefallen ist.“ Ich bin also im geteilten Deutschland an die Theke gegangen, um eine Runde Bier zu bestellen, und kam im wiedervereinten Deutschland zurück mit einer Flasche Sekt. Als wir zuhause waren, lag da ein Zettel von meiner damals 15-jährigen Tochter: „Bin nach Berlin, Mauerfall feiern“. Am nächsten Tag fuhr ich selbst nach Berlin, weil Lothar de Maizière zum CDU-Vorsitzenden gewählt wurde. Auf der Heimfahrt fuhren wir an der Mauer entlang. Die Grenzer, mit Kalaschnikows über der Schulter, stellten Leitern an die Mauer, und Leute kletterten lachend drüber. Einen Tag vorher wäre hier noch geschossen worden. Unwirkliche Bilder, wie in einem Traum."

Bernd Stange (14. März 1948 in Gnaschwitz, von 1983-88 Nationaltrainer der DDR, heute Nationaltrainer von Weißrussland)

„Der 9. November 1989 hat mich überrascht. Ich war selbst ein Teil des Systems und habe keinen Anteil an der friedlichen Revolution geleistet. Die Helden waren andere. Am 10. November habe ich die Chance genutzt und bin mit meiner Familie in unserem Lada 1500 nach Fulda gefahren. Danach begann der Kampf. Wie bekommen wir unsere Klubs in die Bundesliga und 2. Bundesliga? Wie verhindern wir den totalen Ausverkauf der Spieler? Und wie bekommen wir die Anerkennung für unsere Trainer-Lizenzen? Für einen Moment sah es so aus, dass ich trotz 55 Länderspielen als verantwortlicher Trainer der DDR noch mal die Schulbank in Köln drücken sollte. Dann hat Hermann Neuberger ein Machtwort gesprochen. Heute sehe ich die Situation sehr positiv. Der Fußball in den neuen Bundesländern gesundet von unten.“

Bernd Schröder (22. Juli 1942, Trainer 1. FFC Turbine Potsdam und der Frauen-Nationalmannschaft der DDR bei deren einzigem Länderspiel gegen die CSFR im Mai 1990)

„Wir haben am Abend des 9. November in der Halle trainiert. Ich bin dann mit der Mannschaft anschließend noch in eine Gaststätte zum Essen gegangen. Dort hörten wir dann im Radio vom Mauerfall. So richtig begriffen haben wir das alles an diesem Abend noch nicht. Aber ich habe damals schon gespürt, dass der Umbruch auch eine schwierige Zeit werden wird. Vor allem, was den Sport in den Betriebssportgemeinschaften angeht."

Rainer Milkoreit (Präsident Thüringer Fußball-Verband)

„Ich habe es damals vor dem Fernseher miterlebt. Ich war nicht nur überrascht, ich konnte das Ereignis wie viele andere zunächst nicht richtig deuten: Ist jetzt wirklich die Mauer gefallen? Ich habe mich dann in eine Gaststätte begeben, wo ein Höllenspektakel war, und da fing ich an, es langsam zu glauben. Ein paar Leute sind direkt „rüber“. Ich selbst musste eine Woche später ohnehin beruflich von meinem Wohnort Apolda nach Berlin, und dort bin ich dann mit der S-Bahn in den Westen gefahren und habe mir einiges angeschaut. Noch heute ist der Fall der Mauer ein bewegendes Erlebnis. In Thüringen wohnten wir ja recht nahe der Grenze, und immer, wenn wir daran vorbei gefahren sind, dachten wir: Das darf es doch nicht geben. Und dann hat es sie plötzlich wirklich nicht mehr gegeben – wunderbar.“

Berti Vogts (30. Dezember 1946 in Bütgen, Weltmeister 1974, 96 A-Länderspiele, von 1990 bis 1998 Bundestrainer)

„Es geschah während meines Urlaubs in Florida. Ich kam von einer Partie Golf zurück, habe den Fernseher angestellt und dachte zuerst, ich hätte aus Versehen den Knopf für den Kanal mit den Science-Fiction-Filmen gedrückt. So unglaublich waren die Bilder. Es dauerte wirklich ein paar Minuten, als ich den Ton immer lauter stellte und klar war, das ist ja live. Meine erste Reaktion war dann Angst. Die Angst vor dem Eingreifen des Militärs. Gott sei Dank ist alles gut gegangen.“

Klaus Sammer (5. Dezember 1942 in Gröditz, früher Trainer in Dresden und DFB-Trainer)

„Ich war damals Mannschaftsgrad bei der Polizei in Dresden und musste wegen der Randale-Gefahr in der Stadt zur Bereitschaft in der Dienststelle sein. Diese Nacht war für mich der größte Schock. Ich bin froh, dass ich nicht ausrücken musste und gegen ein Uhr nach Hause gehen konnte – am nächsten Tag stand nämlich ein Spiel der DDR-Auswahl der Alten Herren gegen die Sowjetunion an. Ich war in dieser Nacht aber so fix und fertig, dass ich aufgeblieben bin und ein Bier getrunken habe. Ganz ehrlich: Am 9. November habe ich noch nicht damit gerechnet, dass die Wende kommt. Gottseidank kam sie doch – das Beste, was uns passieren konnte. Das Rückspiel gegen die Russen haben wir übrigens mit 1:4 verloren. Aber wen interessierte das noch groß?“