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Interview mit Eckehard Kuntz, Vorsitzender SV Rot-Weiß Walldorf

„Sie müssen planen, planen, planen“

Eckehard Kuntz ist ein mutiger Mann. Um Vereinsheim und Jugendhaus energetisch sanieren zu können, nahm sein Verein Kredite für rund 60.000 Euro auf. Dass die Sache schief geht, glaubt der Vorsitzende des SV Rot-Weiß Walldorf nicht: „Wir ziehen hier alle an einem Strang.“

Herr Kuntz, auf den Bildern im Internet sehen Ihre Sportstätten ganz manierlich aus.

Ja, von außen sieht man dem Vereinsheim und dem Jugendhaus ihr Alter nicht an. Aber uns war schon vor Jahren klar, dass die alte Gasheizung aus den 70er Jahren es nicht mehr lange macht. Auf dem Dach des Vereinsheims liegt außerdem Asbest, und beide Dächer waren ungedämmt. Wir haben im Vorstand damals eine Liste mit allem gemacht, was eigentlich notwendig wäre.

Was kam dabei raus?

Investitionen für rund eine Million Euro! Das ist natürlich eine Summe, die wir als Verein mit knapp 1000 Mitgliedern niemals bezahlen könnten.

Und dann?

Wir haben uns 2006 vom Landessportbund Hessen beraten lassen, um herauszufinden, was notwendig und was ökonomisch sinnvoll ist. Beeindruckt bei diesem Öko-Check hat mich, dass wir innerhalb von zwei Stunden alle wichtigen Infos bekamen: zur Heizung, zum Warmwasser, zum Strom und den Sanitäranlagen.

Was kam dabei konkret raus?

Uns wurde beispielsweise empfohlen, mit einer einzigen Heizung beide Häuser zu versorgen. Von der Idee, das Asbestdach abzureißen und neu zu machen, hat man uns abgeraten, denn das wäre sehr teuer geworden. Stattdessen wurde uns geraten, jeweils die oberste Decke zu dämmen. 

Die Arbeiten bei Ihnen laufen seit zwei Jahren. Wann sind Sie fertig?

Ich hoffe, bis Ende des Jahres. Wir haben ein Mini-Blockheizkraftwerk mit bis zu 5,5 Kilowatt elektrischer Leistung und bis zu 12,5 Kilowatt thermischer Leistung installiert, das beide Häuser heizt und mit Warmwasser versorgt. Außerdem wurde das alte Glas der Fenster gegen Wärmeschutzglas ausgetauscht. Die Dämmung der Dächer machen wir in Eigenleistung. Dann sind noch die Duschen dran. Die bekommen Selbstschlussarmaturen und Durchlaufbegrenzer.

Das Ganze kostet aber nicht eine Million, oder?

Nein, insgesamt rund 130.000 Euro, 90.000 Euro davon sind für das Blockheizkraftwerk. Von Stadt, Kreis und Land erhalten wir rund 15 Prozent als Zuschuss. Und auch der Landessportbund Hessen hat einen Teil dazu beigetragen.

Das ist nicht gerade viel an Zuschüssen.

Problem bei uns ist, dass die Häuser nicht nur für den Sport da sind, sondern auch die verpachtete Gaststätte und die Wohnung der Wirtsleute enthalten. Die öffentlichen Förderungen aber beziehen sich anteilig immer nur auf die sportlich genutzten Flächen.

Sie müssen als Verein über 100.000 Euro selbst finanzieren. Wie haben Sie das gemacht?

Sparsame Wirtschaftsführung im Verein, viel Eigenleistung und Kredite bei der Hausbank und der KfW. Die Kredite waren eigentlich kein Problem, denn unsere Sportstätten sind mehrere Millionen wert und der Verein ist finanziell gesund. Außerdem geht der Vorstand mit den Finanzen verantwortungsbewusst um. Das wissen unsere Mitglieder. Daher gab es da auch keine Diskussionen, ob wir das machen sollen oder nicht. Wir ziehen hier alle an einem Strang.

Jedes Privatunternehmen würde bei einem solchen Sanierungsprogramm die Beiträge kräftig erhöhen.

Im Sport geht das nicht. Wir haben den Monatsbeitrag von 6,50 auf 7,50 Euro erhöht. Mehr ist nicht drin.

Wie viel Geld bei Energie und Wasser sparen Sie künftig?

Wir rechnen mit rund 15 bis 20 Prozent bei Energie und auch beim Wasser. Bei jeder Maßnahme versuchen wir, Energie effizient zu nutzen. Unsere Flutlichtanlage zum Beispiel musste erweitert werden. Damit der Stromverbrauch nicht steigt, wurden die alten Lampen gegen Energiesparlampen ausgetauscht.

Wenn Sie nächste Woche ein Vereinsvorsitzender anruft, der vor ähnlichen Sanierungsproblemen steht, was raten Sie dem?

Da fallen mir mehrere Dinge ein: Planen, so präzise es geht. Einen tragfähigen Finanzierungsplan erstellen. Mit Handwerkern Festpreise aushandeln, denn wenn es teurer wird, bleibt der Verein auf den Mehrkosten sitzen. Die Mitglieder zur Eigenleistung auf der Baustelle verpflichten und erst anfangen, wenn man weiß, wann welche Zuschüsse fließen. Und vor allem das Ganze so planen, dass man es als Vorsitzender auch allein organisieren könnte. Obwohl wir einen sehr engagierten Vorstand haben, blieb doch sehr viel an mir hängen.