Hans-Peter Stey ist seit 2007 Vorsitzender beim TSV Caldern. Schon wenige Tage nach Amtsantritt war klar, womit er die erste Zeit verbringen wird: mit der kompletten Sanierung des maroden Vereinsheims. Doch die Mühe lohnt, glaubt er: „Der Sportbetrieb ist langfristig gesichert, das Vereinleben wird komfortabler und moderner.“
Herr Stey, was brachte den TSV Caldern dazu, sich um Umweltschutz Gedanken zu machen?
Wir hatten gar keine Wahl. Der Verein hat insgesamt 14 Mannschaften, die alle unser Sporthaus intensiv nutzen. Das Gebäude stammt aus den 60er Jahren und entsprechend war auch die Technik: eine alte Ölheizung von 1981, die gar nicht mehr genug Leistung brachte für Duschen und Heizung gleichzeitig, im Winter saßen wir im Kalten. Das Dach war aus Asbestplatten, durch die es teilweise durchgeregnet hat. Der Duschraum war schlecht belüftet, so dass wir dort Schimmel hatten. Selbst Böden und Wände waren durchnässt. Also recht schlimme Zustände.
Warum wurde nicht früher reagiert?
Weil in unserer Kasse kein Geld für solche Investitionen war.
Und doch haben Sie das Sporthaus vorbildlich und komplett modernisiert.
Eine Woche, nachdem ich Vorsitzender wurde, haben wir vom Förderprogramm des Landes Hessen gehört. Wir haben dann mit Landessportbund, Landkreis und Gemeinde einen runden Tisch gebildet, um die Sache durchzusprechen. Dabei erfuhren wir, dass wir vor dem Umbau einen Ökocheck durchführen müssen, um Zuschüsse zu erhalten.
Wie lief der ab?
Der Berater vom Landessportbund hat sich alles vor Ort angeschaut und ein Gutachten erstellt. Darin stand, welche Maßnahmen für uns geeignet sind und welche am meisten bringen. Beim Öko-Check wurde uns erstmals klar, wie viel Wasser und Energie wir eigentlich vergeuden.
Was hat das Gutachten empfohlen?
Einen Umbau von Duschen und Toiletten. Eine moderne Heizung. Ein neues und gut gedämmtes Dach sowie eine Außenisolierung.
Wie weit sind Sie?
Das Dach ist fertig. Alle Elektro-, Heizungs- und Wasserleitungen wurden erneuert. Im August haben wir eine Wärmepumpe installiert, die die alte Ölheizung ersetzen wird. Bis Ende des Jahres kommen noch Sparspülkästen und Durchflussbegrenzer für Duschen und Toiletten.
Warum eine Wärmepumpe?
Viele waren skeptisch, ob eine Wärmepumpe im Winter genügend Temperatur für Duschen und Heizung liefert. Wir haben uns das dann bei einem anderen Sportverein angeschaut und wurden überzeugt, dass das eine gute Technik ist. Wir brauchen künftig für Heizen und Warmwasser weder Öl noch Gas, sondern nur Strom für die Pumpe und eventuell für die Zusatzheizung, wenn es im Winter mal wirklich sehr kalt werden sollte.
Wie leicht kamen Sie an Fördermittel?
Die Sache mit den Förderanträgen war aufwändiger, als wir anfangs dachten. Aber es ging ja auch um einiges. Der ganze Umbau sollte rund 100.000 Euro kosten, wobei die Wärmepumpe der dickste Brocken ist. 40 Prozent Zuschuss gibt uns das Land Hessen. Kreis und Landessportbund geben je zehn Prozent, auch die Kommune gewährt einen Zuschuss. Bleibt ungefähr ein Viertel der Gesamtkosten, die wir als Verein aufbringen müssen.
Wie bezahlen Sie dieses Viertel, immerhin 25.000 Euro?
Für einen Teil davon haben wir ein günstiges Darlehen von der Gemeinde erhalten.
Das läuft über zehn Jahre mit recht niedrigen Raten. Außerdem haben wir Förderer und Sponsoren, die uns zwar meist kleine Beträge zukommen lassen, aber insgesamt hilft das auch. Inzwischen gehen wir allerdings von Gesamtkosten von 140.000 Euro aus, weil die Grundsanierung umfassender wird als wir dachten. Um diese Finanzierungslücke zu schließen, werden wir noch einmal auf Gemeinde, Kreis und Land zugehen müssen.
Wie schwierig war es, die Vereinsmitglieder zum Mitmachen zu motivieren?
Das war nicht schwierig. Ohne Eigenleistung bekommt man ein solches Programm als Verein ja gar nicht gestemmt. Von unseren rund 490 Vereinsmitgliedern haben 50 regelmäßig auf der Baustelle mitgearbeitet, viele nahezu täglich, auch viele Rentner.
Das ist sicher eine schöne Erfahrung.
Nicht nur für die Sanierung. Sondern auch für den Zusammenhalt des Vereins ist das eine tolle Sache. Ich bin sicher, dass das Vereinsleben auch langfristig etwas von dieser Erfahrung hat.
Was kommt für den Verein unterm Strich raus?
Der Sportbetrieb wird langfristig gesichert, das Vereinleben wird komfortabler und moderner. Da hat also jeder etwas davon. Und auf lange Sicht sparen wir Geld. Früher haben wir 150 Kubikmeter Wasser im Jahr verbraucht und fast 3000 Liter Heizöl. Wir rechnen damit, dass wir den Wasserverbrauch um 30 Prozent senken. Bei Heizung und Warmwasser hoffen wir durch die Wärmepumpe auf eine Kostenersparnis von 40 Prozent.
Die Mitgliedsbeiträge werden nicht erhöht?
Nein, das kommt nicht in Frage. Wir mussten unsere Mitglieder auch nicht zur Mitarbeit verpflichten, sondern das klappte alles auf freiwilliger Basis. 2011 wird unser Verein 100 Jahre alt. Ich denke, dann haben wir einen wichtigen Grund mehr, groß zu feiern.