Patrick Helmes

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"Ich will immer Spaß am Fußball haben"



Patrick Helmes

„Bei mir ist es so wie bei Poldi: Ich wollte und will immer Spaß beim Fußball haben. Wenn du den verlierst, wird es relativ schwierig.“ Das sagt Patrick Helmes, und er verrät, wie er die Freude an seinem eigentlich so geliebten Sport einmal fast verloren hatte und dem Fußball den Rücken kehren wollte.

Es hat nicht viel gefehlt, und die Fußballlaufbahn von Patrick Helmes wäre charakteristisch für die von vielen Jugendspielern geworden, die im Alter von 15, 16 Jahren die Lust an ihrem Sport verlieren. Zunächst als Talent von den Sportfreunden Siegen zum 1. FC Köln gekommen wurde er dort mit 16 Jahren nicht mehr gebraucht. „Der Trainer meinte, ich sei körperlich zu schwach, obwohl ich viele Tore geschossen habe. Klar, ich war nur 1,65 Meter groß. Da hat man mich aussortiert. Dann bin ich nach Siegen zurück. Bei den Sportfreunden meinte dann jemand, er sei ein ganz Großer und hat mich kaputt gemacht. Ich flog aus der ersten B-Jugendmannschaft raus und hatte eigentlich keinen Bock mehr und wollte aufhören“, erzählt der Nationalstürmer den sportlichen Abstieg, der ihm vor neun Jahren widerfuhr.

Dass es dann doch anders kam, verdankte Patrick Helmes seiner Familie. Wobei sein größter Fan, seine Mutter Karin, sogar zunächst in seinem Sinn handelte und die von ihm geschriebene Abmeldung im Verein unterzeichnete. Nicht so Vater Uwe. Der frühere Profispieler des MSV Duisburg und von Fortuna Köln sah sich das Papier an, wurde wütend und schrieb auf die Rückseite: „Such dir Zimmer, Küche, Bad.“



Helmes im Nationaltrikot

Diesen Rauswurf mochte der 16-Jährige dann doch nicht in die Tat umsetzen. „Ich hab‘ das Blatt zerrissen und bin zum Training von der B2 gegangen“, erzählt Patrick Helmes und zeigt lächelnd seine Freude an diesem richtungsweisenden Schritt. Denn in der zweiten Mannschaft gewann er seinen Spaß am Spiel zurück und, was wohl ebenso wichtig war, er widerstand so machen Verlockungen jugendlichen Lebens.

„In dem Alter ist es ja normal, dass man mit den Kumpels abends in die Disco geht, raucht und was trinkt. Wenn du aber ambitioniert einen Sport betreibst, kannst du dir das eigentlich nicht erlauben. Da musst du dann Stärke zeigen und brauchst Hilfe von jemandem. Bei mir waren das eben meine Eltern und mein Umfeld. Klar, es wäre schön gewesen, da mitzugehen. Ich habe es dabei belassen, ab und zu mal eine Currywurst mit Pommes zu essen. Heute weiß ich, wofür es gut war, dass ich mich damals voll auf den Fußball konzentriert habe. Die Unterstützung durch meine Eltern war dabei Gold wert. Dafür bin ich ihnen auch sehr dankbar. Ohne sie wäre ich wohl um die Häuser gezogen und hätte wahrscheinlich keinen Sport mehr betrieben“, sagt Leverkusens Torjäger.

Denn als der innerhalb eines halben Jahres auf 1,82 Meter geschossene Nachwuchsstürmer die Chance erhielt, in der ersten Mannschaft der Siegener A-Junioren zu spielen, nutzte er sie umgehen. Am Ende der Saison standen nach 40 Einsätzen 59 Treffer auf seinem Konto. Zum Lohn dafür berief ihn der damalige Trainer der Regionalliga-Mannschaft der Sportfreunde, Ex-Juniorennationalspieler Ralf Loose, in die erste Mannschaft. Für drei Jahre kehrte Patrick Helmes anschließend noch einmal zum 1. FC Köln zurück, wo seine Treffer das Sprungbrett zur Nationalmannschaft und zu Bayer Leverkusen bedeuteten.



Patrick Helmes mit Joachim Löw

„So bin ich von Null auf Hundert durchgestartet“, freut sich der Stürmer, der dazu aber auch Fleiß und Ehrgeiz entwickelte. Denn obwohl ihm von Hause aus viel Talent in die Wiege gelegt worden war, scheute er nicht vor Extraschichten zurück. Weil ihm bei seiner Degradierung aus der Jugendmannschaft des 1. FC Köln mit auf den Weg gegeben wurde, dass er an Schnelligkeit eingebüßt habe, arbeitete er mit großem Einsatz daran, sie zurückzugewinnen beziehungsweise weiter zu steigern. „Papa und mich hat diese Aussage des FC-Trainers geärgert. Deshalb sind wir oft auf den Sportplatz gegangen und haben Schnelligkeitstraining gemacht. Da musste ich dann aus verschiedenen Positionen heraus kurze Sprints und Antritte machen. Das hat geholfen“, erinnert sich Patrick Helmes und empfiehlt allen jungen Spielern, an vermeintlichen Schwächen zu arbeiten.

Er selbst tut das heute noch, vor allem beim Kopfballspiel, bei dem er sich noch erheblich verbessern könne, wie er meint. Und dann sind da natürlich immer wieder die Torschussübungen, wobei er an herumliegenden Bällen kaum vorbei kommen kann. Die schießt er mit voller Kraft auf das Torgeviert, „wobei ich versuche, möglichst in die Winkel zu treffen. Wenn man das immer wieder übt, kommt es einem auch irgendwann zugute“.

Wenn Patrick Helmes locker und ungezwungen da sitzt und aus Vergangenheit und Gegenwart über den Fußball plaudert, dann spürt man bei jedem seiner Sätze und in den Gesten, wie viel Spaß ihm das Spiel mit dem runden Leder bereitet. Auch wenn er in jungen Jahren nicht davon geträumt hat, einmal zu den besten deutschen Fußballern zu gehören („ich wollte eigentlich immer nur besser sein als mein Papa“), so ehrt es ihn heute, im Kreis der Nationalspieler zu sein. Und jetzt hat er da auch seinen Traum: „Bei der WM im nächsten Jahr in Südafrika möchte ich mit unserer Mannschaft dabei sein.“

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