Bundessieger 2007/2008

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Bundessieger 2007/2008
Bundeskanzlerin Angela Merkel empfing die Preisträger der Kampagne "Fair ist mehr"

Fair ist mehr: Zum zwölften Mal ehrte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wieder Sportler für außerordentlich faires Verhalten. Im Rahmen der Aktion "Fair ist mehr" wurden daher vor dem Länderspiel zwischen Deutschland und England am 19. November im Bundeskanzleramt in Berlin die Preisträger ausgezeichnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte den Preisträgern bei dieser Gelegenheit.

Eine Jury hatte zuvor aus 452 Einsendungen die Sieger ausgewählt. Seit der Gründung der Arbeitsgruppe "Fair Play" 1997 gingen über 3500 Meldungen aus allen Landesverbänden und Spielklassen beim DFB ein. DFB.de stellt die Preisträger des Jahres 2008 vor.

Hier folgt die Schilderung der Aktionen der Preisträger im Einzelnen:

PSV-Spieler sorgen für Fair Play

Alexander Darius (r.) mit DFB-Vizepräsident Rolf Hocke Bundessieger: Alexander Darius (PSV Neuss)
Landesverband: FV Niederrhein
Spielklasse: Kreisliga B, Senioren, PSV Neuss – FC Straberg
Datum: 24. April 2008

Beim Spiel PSV Neuss gegen den FC Straberg bleibt ein Spieler von Straberg ohne Einwirkung des Gegners auf dem Boden liegen. Der Schiedsrichter unterbricht das Spiel. Nach einer kurzen Behandlungspause wird die Begegnung mit Schiedsrichterball fortgesetzt. Dabei kündigt ein Spieler des PSV an, den Ball zum gegnerischen Torwart zurück zu spielen. Nun kommt es zu einer kuriosen Situation: Der zurückgespielte Ball springt vor dem Torwart auf und von dort ins Tor. Das Tor muss der Schiedsrichter anerkennen. Nach kurzer Beratung der PSV-Spieler kommt PSV-Spielführer Alexander Darius auf den Schiedsrichter zu und kündigt im Beisein des Straberger Spielführers an: "Beim nächsten Angriff von Straberg lassen wir den Gegner gewähren und den ballführenden Spieler ein Tor erzielen, um den alten Spielstand wieder herzustellen". Gesagt, getan - 1:1. Das Spiel gewinnt am Ende der PSV Neuss mit 2:1.

 

Tor angezeigt - auch wenn dies den Abstieg bedeutete

 Bundessieger: Steffen Sgraja (SV Empor Schenkenberg)
Landesverband: FV Brandenburg
Spielklasse: Landesliga, Senioren, SV Victoria Seelow – SV Empor Schenkenberg
Datum: 31. Mai 2008

In der 48. Spielminute der Partie der Männer-Landesliga zwischen SV Victoria Seelow und dem SV Empor Schenkenberg zeigt der Schenkberger Torwart Steffen Sgraja beim Stand von 0:0 einen vom Schiedsrichter zunächst nicht gegebenen Gegentreffer als Tor an. Was war passiert? Der Ball war durch das Netz gerutscht und deshalb vom Unparteiischen nicht als Treffer anerkannt worden. Der Referee entscheidet nach dem Hinweis von Steffen Sgraja nachträglich auf Tor. Es steht nun 1:0 für den SV Seelow. Am Ende verliert der SV Empor das Spiel 0:2 und steigt aus der Landesliga ab.

 

Jugendliche machen es den Eltern vor

Der SC Staaken und die Reinickendorfer Füchse wurden durch je einen Spieler vertreten Bundessieger: SC Staaken 1919 und Reinickendorfer Füchse
Landesverband: Berliner Fußball-Verband
Spielklasse: SC Staaken 1919 – Reinickendorfer Füchse, B-Junioren, Landesliga
Datum: 11. November 2007

Nachdem das Spiel der Berliner Jugendmannschaften aufgrund von Zuschauerausschreitungen abgebrochen werden musste, trafen sich beide Mannschaften zu einem gemeinsamen Fototermin. Das Bild wurde mit einem Fair-Play-Aufruf an die Eltern auf der Internet-Seite der beiden Klubs veröffentlicht.

 

Trainer als Vorbild

Anja Mittag nahm die Ehrung Martin Meyers vor Bundessieger: Martin Meyer (TuS Frisia Goldenstedt)
Landesverband: Niedersachsen
Spielklasse: Kreisklasse, B-Junioren, TuS Frisia Goldenstedt – TuS Lutten
Datum: 9. Januar 2008

Zu Beginn der zweiten Halbzeit in der Partie TuS Frisia Goldenstedt gegen TuS Lutten schlägt ein Spieler von Frisia Goldenstedt einen Spieler der gegnerischen Mannschaft. Dies geschieht im Rücken des Schiedsrichters, der die Szene nicht gesehen hat und folglich auch nicht bestrafen kann. Aber Martin Meyer, der Trainer von Goldenstedt, hat die Aktion bemerkt. Er holt den Spieler vom Platz und schickt ihn mit folgenden Worten zum Duschen: "So was wollen und brauchen wir nicht im Fußball. Mach, dass du in die Kabine kommst!" Auf die Einwechselung eines Ersatzspielers verzichtet der Coach. Die Vorgehensweise von Trainer Martin Meyer stößt bei vielen Anhängern der Heimmannschaft auf Unverständnis, da es sich bei dem betroffenen Spieler um einen Leistungsträger der Mannschaft handelt. Bis zu diesem Zeitpunkt führt der TuS Frisia Goldenstedt im Gemeindederby mit 2:1. Danach spielt das Team die Begegnung mit zehn Akteuren zu Ende und verliert letztlich 2:3.

 

Eigentor verhilft der Gerechtigkeit zum Sieg

Urs Keser (r.) wurde von DFB-Vizepräsident Rolf Hocke ausgezeichnet Bundessieger: Urs Keser (SV Schwörstadt)
Landesverband: Südbadischer FV
Spielklasse: Kreisliga A, Senioren, FC Grenzach – SV Schwörstadt
Datum: 22. September 2007

Gegen Ende der ersten Halbzeit bleibt ein Akteur des SV Schwörstadt verletzt an der Außenlinie liegen. Ein Mitspieler führt den Ball und deutet zunächst an, dass er ihn ins Aus spielen will. Alle Spieler bleiben stehen. Doch dann entscheidet er sich plötzlich anders, dreht sich um und schießt aufs Tor. Der Grenzacher Torhüter reagiert nicht und der Ball landet im FC-Gehäuse. Der Schiedsrichter muss auf Tor entscheiden, es steht 1:1. Die Zuschauer sind wütend. Doch Schwörstadts Spielertrainer Urs Keser erkennt die Ungerechtigkeit und schiebt den Ball kurz nach dem Anstoß ins eigene Tor – der alte Abstand ist wieder hergestellt. Am Ende verliert der SV Schwörstadt die Partie 2:3.

 

"Würde es wieder machen"

DFB-Vizepräsident Rolf Hocke gratuliert Sabrina Schlottmann BundesregierungSonderpreisträgerin: Sabrina Schlottmann (HSV Bor. Friedenstal)
Landesverband: FLV Westfalen
Spielklasse: 2. Bundesliga Nord, Frauen, SV Victoria Gersten - Herforder SV Bor. Friedenstal
Datum: 18. Mai 2008

1:0 führte der Herforder SV am vorletzten Spieltag gegen Gersten, und für die Mannschaft von Sabrina Schlottmann ging es zu diesem Zeitpunkt um nicht weniger als den Aufstieg in die Bundesliga. "Wenn wir nur Unentschieden gespielt hätten, hätte es mit dem Aufstieg nicht geklappt", erzählt sie. In einer Phase, in der der Gegner auf den Ausgleichstreffer drängte, erkannte die Schiedsrichter-Assistentin in der 80. Minute einen Ellenbogenstoß gegen die Herforderin, informierte Schiedsrichterin Silke Lüken, die dann auf Platzverweis entschied. "Da habe ich sofort ‚Nein’ gesagt", erinnert sich Sabrina Schlottmann, die die Unpartaiische unverzüglich darüber informierte, dass sie von ihrer Gegenspielerin nicht gefoult worden sei. Für diese faire Geste erntete Sabrina Schlottmann viel Lob von allen Seiten. Der Herforder SV gewann die Partie schließlich und konnte am Ende der Saison in die Bundesliga aufsteigen.

 

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