Simon Rolfes

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"Der Ball hat mich immer fasziniert"



Simon Rolfes

Es war am 27. März 2007. Ein Moment, den Simon Rolfes nie vergessen wird. Der Fußballer steht im Gang des Duisburger Stadions und wartet mit seinen Mannschaftskollegen darauf, endlich raus auf den Platz laufen zu dürfen und das Freundschaftsspiel gegen Dänemark zu beginnen – sein erstes Länderspiel. „Ich habe mich so wahnsinnig gefreut“, erinnert sich Simon: „Ich habe gedacht, geil, gleich kommt die Nationalhymne und du bist in der A-Nationalmannschaft. Das war mein Traum und ich bin unglaublich stolz darauf, dass ich das geschafft habe.“

Schon als vierjähriger Steppke wollte Simon Rolfes Fußball-Profi werden. „Damals war ich Bremen-Fan und hab’ gesagt: Irgendwann spiele ich mal bei Werder.“ Simon hat drei ältere Brüder. Alle spielten Fußball. Also ist natürlich auch Simon mit vier Jahren in den TuS Recke eingetreten. Recke ist ein kleines Dorf in der Nähe von Osnabrück. „Der Ball hat mich immer fasziniert, ich konnte mich stundenlang mit ihm beschäftigen.“ Und Simon besaß eine gehörige Portion Talent. Legendär ist die Geschichte, wie er sich an Pfingsten 1998 von seinem zwölf Jahre älteren Bruder Markus den WM-Ball Tricolore erschnorrte. Für 3000 Mal Ball hochhalten versprach ihm Markus den Ball, der immerhin 190 Mark kostete. Genau 45 Minuten und 4500 Kontakte später hatte sich Simon das gute Stück verdient.



Simon Rolfes im Nationaltrikot

Aber es lief nicht alles glatt. Simon spielte zwar gut, irgendwann wurde er trotzdem nicht mehr in die Westfalen-Auswahl eingeladen. „Ich war zu klein und schmal.“ So blieb Simon erstmal in seiner gewohnten Umgebung und beim TuS Recke. „Es gibt immer mal Zeiten, da denkst du, du bist weg vom Fenster“, hat er damals gemerkt, „aber dann geht es doch weiter“. Und zwar als es darum ging, auf welche Schule Simon als 17-Jähriger wechseln sollte.

Das vergangene Jahr hatte er ernsthaft trainiert und nun wollte der Nachwuchs-Kicker wissen, ob er mit den Jugend-Fußballern in den großen Vereinen mithalten konnte. Sein Bruder Tobias half ihm und telefonierte die Profi-Clubs in der Nähe ab, um ein Probetraining für Simon zu bekommen. In Hannover blitzte Tobias noch ab, aber in Bremen durfte sein kleiner Bruder vorspielen. Der damalige Nachwuchs-Cheftrainer Frank Neubarth lud Simon direkt wieder zum Training ein und nahm ihn schließlich sogar im Werder-Internat auf.

Das Internatsleben war nicht so streng und reguliert, wie Simon das befürchtet hatte. „Es war mehr wie in einer Wohngemeinschaft.“ Jeder Jugendliche wohnte in einem Einzel- oder Doppelzimmer und ging auf eine öffentliche Schule, die er sich selber aussuchen durfte. Frühstück und Abendessen gab’s im Internat. „Mittags haben wir im Stadion-Restaurant gegessen“, erzählt Simon: „Trainingszeiten und Nachtruhe waren natürlich vorgegeben.“ Es gab sogar eine Schaltung, mit der die Fernseher jeden Tag pünktlich um 23.15 Uhr ausgeschaltet wurden. „Ein paar Mal haben wir es aber geschafft, das System auszutricksen“, lacht Simon.



Zweikampf zwischen Rolfes und Cristiano Ronaldo

Mittlerweile ist Simon Rolfes Kapitän beim Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen. Bundestrainer Joachim Löw hält große Stücke auf ihn und viele Experten sagen dem Nationalspieler eine große Zukunft voraus. Als er in Bremen sein Abitur gemacht hatte und bei den Profis im Frühjahr 2001 einen Drei-Jahres-Vertrag erhielt, sah es zunächst aber gar nicht nach der glänzenden Fußballer-Karriere aus.

Den Sprung in die Bundesliga-Mannschaft schaffte er nicht, stattdessen spielte er bei den Amateuren in der Regionalliga. In der Rückrunde 2003 wurde Simon zum SSV Reutlingen ausgeliehen und durfte dort immerhin regelmäßig Zweitliga-Luft schnuppern. Nach einem weiteren Jahr in Bremen, in dem Simon sogar mit einem persönlichen Trainer an seiner Fitness arbeitete, wechselte er schließlich zu Alemannia Aachen.

„Wären mir die Entwicklungsschritte, die ich dann gemacht habe, schon bei Werder gelungen, hätte ich dort auch gespielt“, ist sich Simon heute sicher: „Ich brauchte halt etwas länger“. Dafür ging anschließend alles umso schneller: In Aachen fühlte sich der Film- und Bücher-Fan gleich pudelwohl. Schnell stieg er zum Führungsspieler bei dem Zweitligisten auf, der damals als Pokalfinalist sogar im Uefa-Cup spielte. Nach einem tollen Jahr wechselte Simon im Sommer 2005 nach Leverkusen und wurde dort nach den üblichen Anlaufschwierigkeiten zum verlässlichen Stammspieler im defensiven Mittelfeld und sogar zum Kapitän.

Ohne die Enttäuschungen, die es früher gab, würde es jetzt nicht so rund laufen. Da ist sich Simon Rolfes sicher. „Ich bin viel geduldiger geworden.“ Und was er noch auf seinem Weg vom Fußball-Steppke zum Nationalspieler gelernt hat? „Man sollte mit Freude alles geben. Spaß haben und immer Dranbleiben, aber ohne zu verkrampfen.“

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