
Patricia Hanebeck hat sich bei den Besten etabliert. Vom 1. FC Köln, 2. Bundesliga, zum 1. FFC Turbine Potsdam, Deutscher Meister, Champions-League-Finalist. Es war eine Herausforderung, aber die 26-jährige Mittelfeldspielerin hat sie bewältigt und ist inzwischen wichtige Stammkraft - beim 2:0 im Champions-League-Viertelfinalhinspiel gegen den russischen Meister WFC Rossiyanka erzielte sie am Mittwoch sogar die Führung.
Ganz nebenbei bastelt die langjährige Duisburger Bundesligaspielerin schon an einer Zukunft nach dem Fußball, wie sie DFB.de erzählt hat. Viel Zeit für ein Privatleben bleibt da nicht mehr. Oft verlässt sie morgens schon vor acht Uhr das Haus und ist nicht selten erst zwölf Stunden später wieder da. Training und Arbeit, jeder Tag ist eine Herausforderung.
Und an den Wochenenden stehen noch die Spiele auf dem Programm. Am Sonntag (ab 14 Uhr, live bei DFB-TV) geht es im Topspiel gegen den VfL Wolfsburg um die Verteidigung der Tabellenführung - bei einem Spiel weniger liegt der Vierte aus der VW-Stadt nur noch vier Punkte hinter den Brandenburgerinnen.
Zwischen Ausbildung und Fußballplatz
Patricia Hanebeck ist im Stress. Morgens um acht Uhr beginnt ihr Tag. Die 26-Jährige macht eine Ausbildung zur Sportassistentin, Schwerpunkt Ernährungsberatung. Zwischendurch spielt sie Fußball, zwei Stunden vormittags, zwei Stunden nachmittags. Außerdem hat Hanebeck Verantwortung, sie ist eine der wichtigsten Stützen des Bundesliga-Spitzenreiters.
Vor 20 Uhr ist die offensive Mittelfeldspielerin selten zu Hause. "Dann noch etwas essen, etwas lesen oder fernsehen - und schon ist wieder ein Tag vorbei", sagt sie. Das sei manchmal wirklich anstrengend, mache aber fast immer auch Spaß: "Ich weiß ja, wofür ich mich quäle. Ich will mir eine Absicherung für die Zeit nach dem Fußball schaffen."
Ein Kölsches Mädel in Brandenburg
Zeit zum Durchatmen bleibt nicht. Am Sonntag steht ein Spitzenspiel auf dem Programm: Der VfL Wolfsburg ist zu Gast, der Tabellenvierte, der erst zweimal verloren hat, der auch noch von der Meisterschaft träumen darf. "Das ist ein Richtung weisendes Spiel für uns", sagt Hanebeck. "Wir sollten gewinnen, um unsere gute Ausgangslage nicht herzugeben." Denn eins ist ganz klar: Turbine will wieder Meister werden. So wie in der vergangenen Saison, als ein 3:0 am letzten Spieltag gegen Essen-Schönebeck gereicht hat.
Da war Hanebeck noch nicht dabei. Bis zum Sommer 2011 spielte sie für den 1. FC Köln. Sportlich war das eine andere Welt, 2. Bundesliga. Aber es war ihr Traum, einmal für ihren Lieblingsverein zu spielen. "Ich bin sehr Köln-verbunden, da fühle ich mich wohl", sagt sie. "Ich finde Karneval toll. Meine Eltern leben noch dort. Ich bin FC-Fan. Es war eine sehr schöne Erfahrung, das Trikot mit dem Geißbock zu tragen." Außerdem sei die Frauenabteilung gut geführt, besonders für einen Zweitligisten.
Wechsel nach Potsdam: "Direkt großartig aufgenommen worden"
Aber dann kam das Angebot aus Potsdam, und sie hat den Wechsel noch keine Minute bereut: "Ich bin hier direkt großartig aufgenommen worden. Eigentlich bin ich sehr zurückhaltend, wenn es um Freundschaften geht. Aber ich habe in den achten Monaten bei Turbine schon einige Freunde gefunden."
Außerdem sei die Stadt schön, ihre Wohnung sowieso und die Trainingsbedingungen seien hervorragend. Nur mit der Intensität der Einheiten unter Trainer Bernd Schröder habe sie anfangs Probleme gehabt: "Wir üben siebenmal die Woche, daran musste ich mich erst gewöhnen."
Das hat sie inzwischen geschafft, und sie ist Stammspieler in diesem hochwertig besetzten Kader geworden. In 13 von 14 Begegnungen stand sie in der Starformation, sie hat drei Treffer erzielt und drei vorbereitet - eine gute Quote. Auch in der Champions League war sie bereits erfolgreich, zuletzt gegen Rossiyanka.
Das Leben nach dem Fußball
Dass Hanebeck mal eine herausragende Spielerin werden könnte, das war schon früh abzusehen. Spätestens 2004, als sie mit der U 19-Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes in Thailand die Weltmeisterschaft gewann. Die Medaille hat heute einen Ehrenplatz im Haus ihrer Eltern in Köln. "Nicht viele können von sich behaupten, dass sie Weltmeister sind", sagt sie. "Aber andererseits ist das jetzt auch schon wieder fast acht Jahre her. Nichts ist so vergänglich wie der Erfolg."
Sie schaut lieber nach vorne als zurück. Und sie hat schon ganz konkrete Pläne, wie es nach der aktiven Karriere weitergehen soll. Hanebeck würde gerne mit Kindern arbeiten. Es soll möglichst mit Sport und Ernährung zu tun haben, darauf spezialisiert sie sich ja gerade.
Aber vom Fußball will sie sich dann wahrscheinlich verabschieden: "Seit 23 Jahren habe ich damit zu tun - wenn ich irgendwann aufhöre, werden es womöglich über 30 Jahre sein", sagt Patricia Hanebeck. "Das wird dann ein wahnsinnig wichtiger und toller Abschnitt meines Lebens gewesen sein. Aber dann möchte ich etwas anderes machen, etwas anderes erleben. Ich kann mir gut vorstellen, dass Fußball später nur noch ein Teil meiner Vergangenheit sein wird."
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