Olympia 2008

Celias Olympia-Blog

 DFB

Konzentration gilt jetzt Spiel um Platz drei
19. August 2008

Hallo Leute,

okay, jetzt reisen wir endlich ins Olympische Dorf. Allerdings wollten wir eigentlich mit einem Sieg im Gepäck anreisen. Leider ist uns das nicht gelungen. Wir hatten uns viel für das Spiel gegen die Brasilianerinnen vorgenommen. Mit einem Erfolg wären wir ins Endspiel eingezogen und hätten eine Medaille sicher gehabt. Aber leider haben wir mit 1:4 verloren.

Nach dem Spiel waren natürlich alle total down. Vor allen Dingen direkt nach dem Schlusspfiff, wenn man unmittelbar damit konfrontiert wird, ist das schwierig. Aber mit der Zeit realisiert man, dass die Brasilianerinnen alles in allem verdient gewonnen haben. Außerdem haben wir ja noch eine Chance, eine Medaille zu gewinnen. Diese Gelegenheit haben nicht viele. Überhaupt bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, das bleibt ganz vielen verwehrt.

Von daher wollen wir auch nicht allzu lange traurig sein. Deswegen werden wir die Niederlage schnell abhaken. Denn mit leeren Händen wollen wir auf keinen Fall nach Hause kommen. Unsere Konzentration gilt jetzt voll und ganz dem Spiel um Platz drei.

Liebe Grüße,

Eure Célia

 

Eine Wand aus warmer Luft
18. August 2008

Hallo Leute,

gestern ist der Tag mit einem Schockerlebnis angefangen. Als ich das erste Mal vor der Tür war, bin ich gegen eine Wand gelaufen – eine Wand aus warmer Luft. Die Hitze und Luftfeuchtigkeit ist hier extrem. Das übertrifft sogar noch die Verhältnisse in Shenyang. Hier braucht man sich nicht bewegen, um ins Schwitzen zu geraten – allein der Gedanke daran genügt.

Aber zum Mittagessen gab es das richtige Gegenmittel zu der Hitze. Zum Nachtisch gab es nämlich Eis, lecker Eis von Mövenpick. Das war ein echtes Highlight. Es war vielleicht ein wenig hart gefroren, aber den Genuss hat das nicht gemindert. Ich habe jedenfalls keinen gesehen, der nicht davon gegessen hat.

Anschließend hatte ich noch ein Interview mit dem Kicker und dann hatte ich aber endlich Pause. Ich bin sofort auf mein Zimmer gegangen und habe mich hingelegt. Ich konnte schlafen wie ein Baby, zweieinhalb Stunden lang, das hat richtig gut getan.

Vor dem Abschlusstraining haben wir schließlich das Stadion inspiziert. Der Rasen ist besser als in allen anderen Stadien, in denen wir bisher gespielt haben. Da unten zu stehen, war auch ein cooles Gefühl. Am Vortag hatten wir hier noch auf der Tribüne gesessen und haben den Platz nur als Zuschauer der Partie Argentinien gegen die Niederlande gesehen. Ich bin gespannt, ob das Stadion morgen bei unserem Spiel genauso voll ist. Außerdem hoffe ich, dass die Luft dann besser ist, sonst wird das Spiel sehr, sehr hart.

Bis dann,

Eure Célia

 

Schanghai als "guter Vorgeschmack"
17. August 2008

Hallo Leute,

heute berichte ich aus Shanghai. Gestern am frühen Nachmittag sind wir angekommen. Knapp zwei Stunden hat der Flug hier her gedauert. Es ist mittlerweile unsere vierte Station in China. Shenyang, Tianjin, Shenyang, Shanghai lautet unsere bisherige Reiseroute. Mit Peking kommt nur noch ein Ziel hinzu. Dann sind wir endlich im Olympischen Dorf, endlich bei den Olympischen Spielen angekommen. Das hatten wir uns ja vorgenommen.

Ich denke jedoch, Shanghai ist ein guter Vorgeschmack auf Peking. Man erkennt sofort einen Unterschied zu den Städten, in denen wir bisher waren. Hier ist alles eine Nummer größer. Es herrscht ein Gewusel auf den Straßen. Zahllose Menschen sind unterwegs. In Autos, Lkws und Bussen, aber auch auf Fahrrädern, Mofas und zu Fuß. Das ergibt ein ziemlich buntes Bild.

Verkehrstechnisch ist hier ohnehin einiges los. Die Straßen sind teilweise so gebaut, dass man auf verschiedenen Ebenen fährt. Von unserem Hotel-Zimmer – wir wohnen im 18. Stock – hat man einen guten Blick auf einen Verkehrsknotenpunkt. Das sieht ein bisschen aus, wie wenn man auf eine Carrera-Bahn schaut.

Von hier oben hat man aber auch einen sehr guten Blick auf das Olympia-Stadion. Das liegt direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite. Und weil das so nah ist, haben wir gestern Abend die Chance beim Schopfe gepackt und uns das Männer-Viertelfinale zwischen Argentinien und den Niederlanden angeschaut. Das ist schon klasse, was ein Messi oder Riquelme aber auch ein Babel zu bieten hat. Und nachdem wir Ronaldinho und Diego schon in der Vorrunde gegen Belgien live gesehen haben, freuen wir uns besonders auf das Halbfinale zwischen Brasilien und Argentinien. Hoffentlich können wir das irgendwo im Fernsehen gucken.

Bis bald!

Eure Célia

 

Das gute Gefühl war da
16. August 2008

Hallo Leute,

uff, das wäre geschafft. Wir stehen im Halbfinale. Damit sind wir einer Medaille wieder einen Schritt näher gekommen. Wenn wir eine holen sollten, wäre das das geilste überhaupt. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Gegen Schweden habe ich schon mitgelitten. Auf der Bank zu sitzen, ist nichts fürs Herz und nichts für schwache Nerven. Wir fiebern immer total mit. Gerade die Endphase der regulären Spielzeit war schlimm, speziell mit dem Pfostenschuss von Mel. Wir konnten uns zu diesem Zeitpunkt gar nicht richtig warmlaufen, weil wir uns einfach nicht vom Spiel lösen konnten.

Das 1:0 durch KG in der Verlängerung war dann erlösend. Wobei ich sagen muss, dass ich von Anfang an ein sehr gutes Gefühl hatte. Ich weiß auch nicht warum, das kommt bei mir auch nicht oft vor. Ich war einfach optimistisch, dass wir das umsetzen wollten, auch auf den Platz bringen würden. Wir hatten uns als Mannschaft vorgenommen, einfach besser zu spielen, und das ist ja auch deutlich gelungen.

Ich habe mich über den Sieg auch sehr gefreut, weil damit ja feststeht, dass wir ins Olympische Dorf einziehen werden. Zwar erst nach dem Halbfinale, das wir in Shanghai gegen Brasilien austragen werden, aber immerhin.

Ansonsten hatten wir eine relativ kurze Nacht. Anstoß unseres Spiels war ja erst um 21.00 Uhr Ortszeit. Dann mit der Verlängerung nach, da war es schon Mitternacht, als wir ins Hotel zurückgekehrt sind. Dann mussten wir noch duschen, essen und Koffer packen, weil wir einen Teil unseres Gepäcks immer mit einer Spedition vorschicken und weil wir am nächsten Morgen ziemlich früh zum Flughafen aufbrechen müssen. Das war dann noch mal ein bisschen anstrengend und hektisch. Aber alle Mal besser, als für den Heimflug zu packen.

Bis bald!

Eure Célia

 

Kein "O.C. California" mehr
15. August 2008

Hallo Leute,

ich habe ein Problem. Seit gestern funktioniert mein tragbarer DVD-Player nicht mehr. Der spinnt. Zeigt einfach keine Filme mehr. Dabei hatte ich das extra so geplant, dass ich jetzt DVDs gucken kann. Erst die Literatur, dann Videos war meine Idee. Und die beiden Bücher, die ich dabei habe, habe ich mittlerweile ausgelesen.

Außerdem hatte ich mir schon einige Filme besorgt. Innerhalb der Mannschaft bringt nämlich jeder ein paar mit. Und die gehen dann rund. Zusammen mit den Bewertungen derjenigen, die sie schon gesehen haben. Zum Beispiel sind Serien derzeit sehr angesagt. Deswegen habe ich mich davon überzeugen lassen, mir eine Staffel von "O.C. California" auszuleihen. Auf die bin ich aufmerksam geworden, weil die anderen viel darüber geredet haben. Die ersten beiden Folgen konnte ich mir auch schon anschauen. Aber jetzt geht nichts mehr. Ich würde natürlich gerne weiterschauen – schließlich muss ich doch mitreden können :-)

Klar habe ich auch noch einen Laptop, auf dem könnte ich die DVDs auch abspielen lassen, aber den auf dem Schoss zu haben, ist nicht so bequem, eher ermüdend. Vielleicht kann ich mir ja mal einen tragbaren DVD-Player von den anderen ausleihen. Außerdem habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass meiner wieder funktioniert.

Gut geklappt hat gestern wieder das Ausschießen im Abschlusstraining. Wir haben wieder „Jung“ gegen „Alt“ gespielt. Und die „Jungen“ haben gewonnen. Das kommt nicht so oft vor. Hier bei den Olympischen Spielen war es schon das zweite Mal. Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, haben wir auch noch das Elfmeterschießen gewonnen, das wir zum Ende der Einheit gemacht haben.

Aber nicht nur deswegen habe ich ein gutes Gefühl für das Viertelfinale gegen Schweden. Wir werden alles geben. Und ich bin absolut optimistisch, dass wir das schaffen. Wir haben ja auch einen zusätzlichen Anreiz. Denn wenn wir gewinnen, werden wir auf jeden Fall ins Olympische Dort einziehen. Und da wollen wir alle hin.

Bis bald!

Eure Célia

 

Empfangskomitee in Shenyang
14. August 2008

Hallo Leute,

es haben eigentlich nur die „Welcome home“-Banner gefehlt. Seit gestern sind wir wieder in Shenyang, also dort, wo wir schon unsere ersten beiden Gruppen-Spiele absolviert haben. Wir sind wieder in dasselbe Hotel wie zuvor gezogen. Und der Empfang hier war wieder sehr herzlich.

Wir waren schon auf so etwas vorbereitet, schließlich hatten wir noch die Verabschiedung zu unserem Gruppen-Spiel gegen Nordkorea in Tianjin in lebhafter Erinnerung, als ja auch einige Tränen flossen. Und es ging auch schon am Flughafen los. Dort standen zwei Personen vom lokalen Organisationskomitee BOCOG, die uns Abholen sollten, und die hatten uns schon von weitem freudestrahlend zugewunken.

Als wir dann mit dem Bus beim Hotel vorfuhren, bildeten die Angestellten wieder das Empfangskomitee. Da wir alle erst durch die Sicherheitsschleuse mussten und deswegen nicht direkt vor den Eingang vorfahren konnten, wurden wir schon an der Einfahrt begrüßt. Dort wurden uns zunächst wieder Glücksbringer überreicht. Im Hotel selbst standen die Leute in der Lobby erneut Spalier. Alle jubelten und applaudierten, als wir da durchgelaufen sind. Ich hatte den Eindruck, dass diesmal sogar mehr Leute dabei waren. Auf jeden Fall hat das einem ein gutes Gefühl gegeben.

Es ist aber nicht nur hilfreich zu wissen, dass man in einer Umgebung ist, in der einen die Leute mögen, es erleichtert auch das Eingewöhnen, wenn man sich in dem Haus nicht mehr neu orientieren muss. Wir sind jetzt zwar nicht im selben Stockwerk untergebracht wie zuvor, aber sonst ist alles beim Alten geblieben. Dachte ich zumindest, bis ich zum Essen gegangen bin. Da bin ich gewohnheitsgemäß nach links in den Speisesaal abgebogen, und wäre auch weiterlaufen, wenn mich nicht das Personal freundlich darauf hingewiesen hätte, dass wir jetzt einen anderen Raum haben, nämlich den rechts herum.

Dafür habe ich den Pool-Bereich im Hotel ohne Probleme gefunden. Dort hatten wir am späten Nachmittag noch ein Regenerationsprogramm. Anschließend ging es in den Whirlpool zur Entspannung. Das war ganz nett, weil hier im Spa-Bereich Fernseher über den Whirlpools hängen. So konnte ich das Spiel der Männer zwischen Kamerun und Italien sehen. Da habe ich natürlich mitgefiebert. Mein Papa ist ja Kameruner. Und ich bin froh, dass die auch den Sprung ins Viertelfinale geschafft haben. Jetzt müssen die hier in Shenyang gegen Brasilien spielen. Mal sehen, was dabei raus kommt.

Bis bald!

Eure Célia

 

Einsatz nach dem Schlusspfiff
13. August 2008

Hallo Leute,

leider durfte ich gestern gegen Nordkorea nicht spielen. Es war nach den beiden Kurzeinsätzen gegen Brasilien und Nigeria die erste Begegnung bei den Olympischen Spielen, in der ich nicht eingewechselt wurde. Zum Einsatz bin ich dann aber doch noch gekommen. Nach dem Schlusspfiff. Bei der Doping-Kontrolle.

Bei großen Turnieren wie Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaft müssen nach jedem Spiel je zwei Spielerinnen beider Mannschaften eine Urin-Probe abgeben. Wer das ist, wird immer im Verlauf der zweiten Halbzeit ausgelost. Dafür gibt es ein richtiges Protokoll. Es gibt einen Doping-Arzt, der die Namen zieht. Und dabei muss je ein Vertreter der beiden Teams dabei sein.

Treffen kann es jede Spielerin, die auf dem Spielberichtsbogen steht. Also auch die Ersatzspielerinnen. Und ein sicheres Zeichen dafür, dass es eine Reservistin getroffen hat, ist, wenn jemand von der Auswechselbank kurz vor Ende der Partie mit Wasserflaschen in den Aufwärm-Bereich kommt. So war es auch diesmal. Und wir haben uns alle angeschaut und gefragt: Oje, wen trifft es wohl diesmal.

Naja, diesmal waren Renate Lingor und ich dran. Nach dem Schlusspfiff kriegt man dann sofort eine Eskorte zur Seite gestellt. Das ist eine Person, die weicht einem nicht mehr von der Seite, bis man im Dopingkontrollraum sitzt. Bis dahin muss man noch einige Formalitäten erledigen, es werden Daten erfasst, die ich mit meiner Unterschrift bestätigen muss. Das hat alles seine Richtigkeit, schließlich muss das ja juristisch Wasserdicht sein, was da gemacht wird. Deswegen ist aber auch immer unser Mannschaftsarzt dabei, falls mal irgendwelche Fragen oder Probleme auftauchen sollten.

Ja, und dann sitzt man dort und hofft, dass man möglichst schnell pinkeln kann. Wenn man vorher 90 Minuten gespielt hat und das auch noch bei so einer Schwüle wie hier in China, dann ist der Körper richtig ausgedörrt, weil man alle Flüssigkeit ausgeschwitzt hat, dann kann das eine Weile dauern. Deswegen trinkt man so viel es geht, um die Angelegenheit zu beschleunigen. Zum Zeitvertreib lief wenigstens ein Fernseher, so dass wir ein wenig Olympia-Programm schauen konnten.

Ich war zum Glück relativ zügig fertig. Ich hatte ja nicht gespielt und mit dem Trinken schon vor dem Abpfiff begonnen. Ich war sogar so schnell, dass ich noch den Mannschaftsbus erwischt habe und mit dem Team ins Hotel fahren konnte.

Bis bald!

Eure Célia

 

Alles eine Nummer kleiner
12. August 2008

Hallo Leute,

neue Stadt, neue Leute, neue Umgebung. Nach dem Umzug von Shenyang nach Tianjin haben wir uns jetzt ein wenig orientiert. Und mein Eindruck ist, dass hier nicht alles so erdrückend ist. Als wir gestern Morgen zum Training durch die Stadt gefahren sind, haben wir jedenfalls keine tiefen Häuserschluchten passiert. Und auch das Trainingsstadion war nicht sooo riesengroß.

Eine Nummer kleiner ist auch das Hotel, in dem wir wohnen. Das hat nur sechs Stockwerke. Aber ich finde das in Ordnung so, ich brauche nicht alles so groß. Und das Hotel ist auch architektonisch ganz nett, in der Mitte hat es nämlich ein großes Atrium. Für mich hat es sogar westlichen Standard.

Vielleicht habe ich aber auch nur deshalb das Gefühl, weil ich dort so viele europäische Stimmen höre. Der Hotel-Manager ist zum Beispiel Österreicher. Die Betreuerin vom Hotel, die für uns zuständig ist, eine Chinesin, spricht perfekt Deutsch. Die italienische Männer-Mannschaft ist jetzt auch da. Naja, vielleicht hat man auch nur offenere Ohren für diese Sprachen, wenn man ein Weilchen von zu Hause weg ist.

Wie dem auch sei, wir fühlen uns auch hier wohl. Das liegt ein wenig mit daran, dass es im Hotel eine Players Lounge gibt. Die ist nett hergerichtet. Und es gibt einige Spiele. Das ist eine gute Ablenkung. Wir haben auch gleich ein Air Hockey-Turnier gemacht. Dabei habe ich geschwitzt wie nichts Gutes – aber es hat sauviel Spaß gemacht.

Bis bald!

Eure Célia

 

Tränenreicher Abschied aus Shenyang
11. August 2008

Hallo Leute,

gestern sind wir umgezogen. Nach Tianjin. Das war ein komisches Gefühl. Eigentlich hatten wir uns in Shenyang richtig eingelebt. Wir waren ja schließlich schon seit dem 31. Juli dort. Von daher hatten wir genug Zeit, um uns einzugewöhnen. Aber umgekehrt war das anscheinend auch so. Die Leute vor Ort hatten sich auch mit uns arrangiert. Vielleicht sogar in ihr Herz geschlossen. Auf jeden Fall war ich ziemlich überrascht, als einige Hotel-Angestellte bei unserem Abschied ein paar Tränen verdrückten. Selbst die Frau von der Sicherheit, eine für chinesische Verhältnisse große und kräftige Dame, von der ich es als allerletztes erwartet hätte, hat am Flughafen dann doch den Kampf gegen die Tränen verloren. Ich muss gestehen, dass ich davon zunächst ein wenig irritiert war, aber ich glaube, das war eine recht schmeichelhafte Reaktion für uns.

Zum Heulen finde ich hingegen den Spielplan. Als wäre der mit dem Drei-Tages-Rhythmus nicht ohnehin anstrengend genug, wird da noch ein Reisetag eingebaut. Einmal abgesehen davon, dass das Reisen selbst zusätzlicher Stress ist, geht uns dadurch ein halber Tag Regeneration flöten. Und das Paradoxe daran ist, dass ja beide Mannschaften schon im selben Hotel, am selben Ort in Shenyang waren. Um gegen Nordkorea zu spielen, müssen wir aber extra nach Tianjin fliegen. Und wenn wir ins Viertelfinale kommen, könnte ja gleich die nächste Reise anstehen. Nur wenn wir Gruppen-Erster werden sollten, würden wir auch das nächste Spiel in Tianjin bestreiten. Als Zweiter müssten wir zurück nach Shenyang. Und sollten wir als einer der beiden besten Gruppen-Dritten weiterkommen, würde uns der Weg nach Shanghai oder Qinhuangdao führen. Auch von dieser Warte her wäre es uns eigentlich das liebste, wenn wir wie alle anderen Olympia-Teilnehmer auch, unsere Spiele an einem Ort, nämlich in Peking austragen könnten.

Bis bald!

Eure Célia

 

"Von Trikottausch und Unterschriften"
10. August 2008

Hallo Leute,

puh, das war ein ganz schön harter Brocken. Für den 1:0-Sieg über Nigeria mussten wir ordentlich kämpfen. Aber die drei Punkte sind enorm wichtig. Jetzt haben wir gute Chancen aufs Viertelfinale. Für die Nigerianerinnen ist es hingegen fast aussichtslos, noch die Runde der letzten Acht zu erreichen. Was ich insofern schade finde, da die Spielerinnen sehr angenehm waren. Ich meine nicht auf dem Platz, da sind sie ziemlich zur Sache gegangen, aber menschlich. Wenn wir ihnen im Hotel begegnet sind, waren die immer gut drauf, die haben viel gelacht, waren fröhlich, haben einen gegrüßt und mit einem gesprochen.

Und so war das auch nach dem Spiel. Nach der Niederlage gegen uns waren die Nigerianerinnen zwar enttäuscht, aber das hat bei denen nicht lange gedauert, die hatten schnell zu ihrer Lockerheit zurückgefunden. Schon im Stadion waren die ganz wild darauf, Trikots zu tauschen. Von der Nummer 1 bis zur Nummer 18. Und die haben es nicht nur beim Trikot belassen. Die wollten sogar Hosen und Stutzen tauschen. Und das hätten die auch schon auf dem Platz gemacht.

Ich bin ja eigentlich auch eine Freundin vom Trikottauschen. Ich finde es klasse, die Trikots von den anderen Mannschaften zu haben, gegen die man gespielt hat. Das ist ein super Andenken. Und das sind ja auch Raritäten, das sind Originaltrikots. Aber dennoch hatte ich diesmal davon abgesehen zu tauschen. Selbst als die Nigerianerinnen deswegen bei uns vor der Kabine standen und auch später, als sie bei uns im Hotel auf unserem Stockwerk waren. Aber ich musste eisern sein. Ich konnte mich nicht erweichen. Ganz einfach deswegen, weil ich zu Hause versprochen habe, ein oder zwei von meinen Trikots mit nach Hause zu bringen. Wenn ich das nicht mache, kriege ich so einen drauf…

Ganz leer bin ich dann aber trotzdem nicht ausgegangen. Nach dem Abendessen sind wir in einem Aufzug mit ein paar belgischen Spielern gefahren. Mit denen sind wir ins Gespräch gekommen. Aus Jux haben wir dann gefragt, ob wir von ihnen Trikots haben können. Die haben tatsächlich Ja gesagt. Und unterschrieben haben die sie dann auch noch.

Bis bald!

Eure Célia

 

"Frühes Training und Eröffnungsfeier"
9. August 2008

Hallo Leute,

gestern stand hier natürlich alles im Zeichen der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking. Allerdings war das für mich so ein bisschen, wie das Warten aufs Christkind. Und das zieht sich ja immer. Nur dass es bei uns keine gefühlte Zeit war, sondern wirklich einige Stunden dauerte. Der Grund dafür war, dass wir ziemlich zeitig aufstehen mussten. Bereits um 8.40 Uhr sind wir nämlich schon zum Training gefahren. Dass wir so früh trainieren, ist eigentlich gar nicht üblich. Da hier aber acht Mannschaften sind, müssen bei den Trainingszeiten gelegentlich auch Kompromisse eingegangen werden.

Im Endeffekt fand ich das frühe Training aber gar nicht so schlecht. Wir waren wieder die kleine Gruppe der Reservisten, die schon vorgestern auf dem Platz stand. Hauptsächlich haben wir Torschuss-Übungen gemacht. Das hat natürlich Spaß gemacht. Zumal es nicht so brütend heiß war, wie gestern Vormittag. Das war vergleichsweise kühl. Es hat sogar ein frisches Lüftchen geweht.

Feuer wollte ich erst wieder haben, als ich meine Stimmen zur Wahl der Athleten-Sprecher abgegeben habe. Jeder, der seinen Wahlzettel abgegeben hat, erhielt nämlich zur Belohnung eines der fünf Olympia-Maskottchen geschenkt. Und ich wollte gerne das rote haben, das heißt Huanhuan und symbolisiert das Olympische Feuer. Das hatten sie aber nicht mehr, es war schon vergriffen. Deswegen habe ich dann Jingjing, den Pandabär genommen, der soll die Kinder zum Lachen bringen und beschert Glück auf allen Wegen – so habe ich es zumindest gelesen.

Zu sehen bekommen haben wir vor dem Mittagessen dann einige Szenen von den Nigerianerinnen. In der Mannschaftsbesprechung hat uns der Trainer-Stab einige Videosequenzen aus dem Spiel der Nigerianerinnen gegen Nordkorea und von der WM im vergangenen Jahr gezeigt. Vor dem Abendessen hatten wir eine zweite Besprechung. Dabei ging es um deren Standardsituation und das Land Nigeria ist uns vorgestellt worden.

Anschließend war es endlich so weit. Schon beim Abendbrot haben wir den Countdown für die Eröffnungszeremonie gesehen. Die Show selbst war ein großes Spektakel. Fulminant. Bombastisch. Pompös. Super aufwendig. Man konnte sehen, wie viel Arbeit da rein gesteckt wurde. Ich hatte das Gefühl, dass die Darsteller dafür seit der Bekanntgabe der Vergabe der Olympischen Spiele nach Peking dafür geprobt hatten. Das war perfekt geplant und durchgeführt, alles synchron und aufeinander abgestimmt. Aber ich fand auch den Einmarsch der Athleten klasse – die Menge an Sportlern, die Staatenvielfalt, die landestypischen Kleidungen, dafür kann ich mich begeistern.

Wir haben zwar alles gesehen, leider haben wir nichts verstanden, da wir hier natürlich nur chinesisches Fernsehen empfangen. Ich glaube, es wäre ganz interessant gewesen, die eine oder andere Hintergrundinformation zu den Aufführungen zu bekommen. Grundsätzlich hat die Eröffnungsfeier noch mehr Lust auf Olympia gemacht. Ich hatte einmal mehr das Gefühl, dass es schade ist, dass wir nicht in Peking mit dabei sein können. Aber ich hoffe ja, dass wir es noch nach dorthin schaffen.

Bis bald,

Eure Célia

 

"Ronaldinho live"
8. August 2008

Hallo Leute,

an dem Tag nach einem Spiel ist für die Spielerinnen, die in der Startformation standen, Regeneration angesagt. Für die Ersatzspielerinnen und die Torfrauen findet ganz normal Training statt. Deswegen war ich mit fünf anderen Feldspielerinnen plus Nadine Angerer und Uschi Holl auf dem Platz. Und obwohl wir schon um 10.00 Uhr angefangen hatten, herrschte bereits eine Bullenhitze. Die hat allen zu schaffen gemacht. Aber trotzdem: Training muss sein. Wir haben dann eine gute Stunde intensiv trainiert. Passen, flanken und zum Abschluss noch ein Spiel drei gegen drei.

Nach dem Mittagessen hatten wir Mannschaftsbesprechung. Der Trainer-Stab hatte schon unser Spiel gegen Brasilien aufgearbeitet. An Hand von Video-Sequenzen wird uns immer gezeigt, was gut und was verbesserungswürdig war. Der Tenor der Analyse war aber, dass wir auf der Leistung aufbauen können.

Den Nachmittag hatten wir dann frei. Deswegen hatten wir Spielerinnen vorgeschlagen, dass wir uns das Spiel zwischen Brasilien und Belgien im Stadion anschauen. Zum einen haben wir ja nicht so häufig die Gelegenheit, uns andere Spiele oder gar andere Sportarten anzuschauen. Aber ich finde, das gehört einfach zu Olympia dazu. Zum anderen hat man ja auch nicht so häufig die Chance, Ronaldinho live und in Aktion zu sehen. Wir sind schließlich mit dem Mannschaftsbus gefahren, weil die Idee großen Anklang fand.

Im Stadion haben wir dann in einem Block mit den Brasilianerinnen gesessen. Die sind ein bisschen später gekommen, dafür aber ein bisschen früher gegangen. Wir haben uns das Spiel in voller Länge angeschaut. Und ich muss zugeben, dass ich mir mehr versprochen hatte. Ich fand das Spiel nicht so überragend. Am besten hat mir noch Diego gefallen. Der war permanent in Bewegung, stets anspielbar und hat das Spiel auch mal schnell gemacht.

Und ich sehe jetzt zu, dass ich schnell ins Bett komme.

Bis morgen,

Eure Célia

 

"Spaziergang mit Ball"
7. August 2008

Hallo Leute,

Spieltage fliegen immer nur so an einem vorbei. Das ist wie im Zeitraffer. Da reiht sich ein Termin an den anderen. Gestern sah unser Zeitplan folgendermaßen aus: Bis 10.00 Uhr frühstücken. Ab 10.30 Uhr Spaziergang mit Ball – so nennt sich das Anschwitzen bei uns. Direkt anschließend ging es zur Spielbesprechung, in der uns Silvia Neid immer die Startaufstellung nennt. Dann war um 13.30 Uhr Mittagessen. Danach hatten wir noch etwas mehr als eine Stunde Zeit, um unsere Taschen zu packen und um 15.15 Uhr ging es auch schon ins Stadion.

Da ich nicht unter den ersten Elf war, musste ich mir das Spiel von der Bank aus angucken. Uns war ja von vornherein klar, dass das eine schwere Partie werden würde. Aber es ist doch nervenaufreibender zugucken zu müssen, als selbst mitspielen zu können. Es ging ja auch gleich richtig los, mit Chancen auf beiden Seiten. Ich hatte eigentlich nur auf einen Treffer gewartet. Gerade in den ersten 60 Minuten hatten wir ja einige Gelegenheiten.

In der zweiten Halbzeit bin ich dann zum Warmmachen geschickt worden. Und dann kam auch das Signal von Ulrike Ballweg, dass ich eingewechselt werde. In der 70. Minute war es dann so weit. Ich habe mich riesig gefreut. Ich hatte das Gefühl, dass es jetzt richtig los geht. Es ist das erste große Turnier, bei dem ich endlich mitspielen darf. Im vergangenen Jahr blieb mir die Teilnahme an der Weltmeisterschaft verwehrt, weil ich ja noch an den Folgen des Schienbeinbruchs litt.

Mit dem 0:0 gegen Brasilien kann ich mich letztlich anfreunden. Es hätte so oder so ausgehen können. Wir hatten einen Latten-Treffer, sie einen Pfosten-Treffer. Ich denke, wenn man die Chancen auf beiden Seiten zusammenzählt, kommt man auf ein ausgeglichenes Ergebnis. Insofern geht das Unentschieden meiner Meinung nach in Ordnung. Wir können mit dem Resultat leben. Ein Anfang ist gemacht. Und wir haben es immer noch selbst in der Hand weiterzukommen. Dafür werden wir uns auch bei den nächsten Spielen mächtig ins Zeug schmeißen.

Bis bald,

Eure Célia

 

Pediküre und Tee
6. August 2008

Hallo Leute,

wenn man in fernen Ländern ist, muss man den Daheimgebliebenen natürlich etwas mitbringen. Das ist ja manchmal etwas schwer, weil einem einfach nichts Passendes einfallen will. Aber jetzt hatte ich eine gute Idee. Vor zwei Jahren, als wir beim Vier-Nationen-Turnier in China teilgenommen haben, hatte sich unsere Physiotherapeutin Christel Arbini einen ganz speziellen Tee gekauft. Und zwar ist das ein ganz spezieller. Das ist eine Knospe, die im heißen Wasser aufgeht. Und die fungiert dann quasi als Teebeutel und gibt die Aromen ab.

Um diesen Tee zu kaufen, sind wir in ein nahe dem Hotel gelegenen Teeladen gegangen. Das war dort sehr nett. Die Leute, die dort gearbeitet haben, waren superfreundlich. Die Verständigung war schwierig. Wir konnten kein Chinesisch, die weder Deutsch noch Englisch. Deswegen haben wir denen mit Händen und Füßen erklärt, was wir wollten. Das hat auch geklappt. Und die sind uns dabei sehr entgegengekommen. Als sie einmal verstanden hatten, was wir wollten, haben sie uns alles gezeigt. Die hätten uns, glaube ich, alle Sorten, die sie auf Lager hatten, einmal zum Probieren gebrüht. Wir mussten das Probe-Trinken aus Zeitgründen jedoch ein bisschen verkürzen. Dennoch waren wir ganz begeistert von den Leuten.

Auf noch nicht so große Resonanz ist hingegen unser Pediküre-Studio gestoßen. Lira Bajramaj, Anja Mittag, Conny Pohlers und ich haben uns nämlich die Fußnägel in schwarz, rot und gold lackiert. Die Idee hatten wir schon vor unserer Abreise zu den Olympischen Spielen. Jede von uns hat eine Farbe besorgt. Gestern kam die erste, die sich die Nägel auch lackieren lassen wollte. Vielleicht finden in den nächsten Tagen ja noch andere Gefallen daran.

Wir hatten uns gestern entschlossen, uns einen Internet-Zugang zu leisten. Bisher hatten wir uns die freie Zeit mit Büchern und DVDs vertrieben. Aber jetzt merken wir, was uns gefehlt hat. Das Internet funktioniert einwandfrei. Und meine Zimmerpartnerin Lira und ich mussten erst einmal zahlreiche Mails checken und beantworten. Ein paar Bilder haben wir auch schon in die Heimat geschickt. Und deutsche Zeitungen zu lesen, war auch mal wieder gut.

Bis bald,

Eure Célia

 

Einkaufsbummel in Shenyang
5. August 2008

Hallo Leute,

heute haben wir ein wenig die Stadt erkundet. Dabei stand der gesamte Tag unter der Überschrift Bauten, Sitten und Klima. Los ging es am Vormittag. Da stand ein Ausflug mit der gesamten Mannschaft und Delegation auf dem Programm. Zwei Optionen hatten wir. Entweder der Besuch des alten kaiserlichen Palasts oder ein Bummel im Einkaufsviertel.

Ich habe mich für die zweite Variante entschieden. Deswegen muss man mich nicht gleich einen Kultur-Banausen schimpfen. Zum einen kenne ich solche Anlagen schon von der U 19-Weltmeisterschaft 2004 in Thailand, als wir uns auch einige angeschaut hatten. Zum anderen wollte ich nicht unbedingt bei brütender Hitze zwei Stunden lang durch die pralle Sonne laufen. Das ist keine Ausrede, hier herrschen mehr als 30 Grad bei einer ziemlichen Schwüle. Und der Bummel beschränkte sich dann auch nur auf das Suchen eines netten Cafes. Einige andere Spielerinnen sind mitgegangen. Wir haben uns dann unterhalten und die Leute beobachtet. Das war ganz lustig. Manche Chinesen sind einfach vor uns stehen geblieben und haben uns angestarrt. Vor allen Dingen einer muss total fasziniert von uns gewesen sein. Der stand nur einen Meter von uns entfernt und wollte sich einfach nicht mehr wegbewegen.

Nach dem Palast und der Shopping-Mall stand am Nachmittag der Besuch des Shenyang Olympic Sports Center an. Eine riesige Arena. Rund 60.000 Zuschauer sollen da reinpassen. Das Stadion ist ganz modern. Es wurde extra für die Olympischen Spiele gebaut und erst im vergangenen Jahr fertiggestellt. Allerdings waren wir ein wenig überrascht, als wir den Rasen im Stadion betraten. Der war ziemlich hoch und hart. Da waren die Trainingsplätze, die wir bisher hatten deutlich besser. Aber anschließend wurde uns versichert, dass das nur zur Schonung des Rasens gemacht wurde. Schließlich wird das Feld in den kommenden Wochen verdammt viel aushalten müssen. Durch die ganzen Spiele und die den Mannschaften zustehenden Abschlusstrainings wird die Wiese ungeheuer belastet werden. Zum Spiel soll der Rasen dann aber ordentlich gemäht und gewässert worden sein – das hat man uns garantiert.

Worauf die Organisatoren jedoch keinen Einfluss haben, ist das Wetter. Ich hatte eingangs ja schon erwähnt, wie heiß es im Moment in Shenyang ist. Jetzt ist das Stadion auch noch wie ein Kessel gebaut. Ich habe zumindest während des Abschlusstrainings kaum einen Luftzug gespürt. Auf dem Platz empfand ich es als stickig und heiß. Die Wettervorhersage verspricht jedoch keine Linderung in den kommenden Tagen. Aber damit müssen alle Mannschaften klar kommen.

Bis bald!

Eure Célia

 

Aha-Erlebnis mit Ronaldinho
4. August 2008

Hallo Leute,

das heute war echt der Hammer. Wir hatten nur einmal Training, diesmal etwas weiter weg als sonst, in einem riesigen Stadion. Wir sind da nichtsahnend angekommen. Als wir auf den Platz wollten, sind wir aber erst mal in die Kabinen geschickt worden. Weil da noch eine andere Mannschaft trainieren würde, wurde uns gesagt. Zum Glück hatte unsere Kabine aber Fenster, die ins Stadioninnere gingen. Und da haben wir natürlich geguckt. Und sofort erkannt, dass da die Brasilianer trainieren!

Zum Glück durften wir dann ein bisschen früher raus, so dass wir das Ende des Trainings der Brasilianer aus nächster Nähe verfolgen konnten. Das ist schon cool, die Jungs mal live zu sehen. Sonst kennt man die ja nur aus dem Fernsehen. Wir haben natürlich sofort nach Ronaldinho Ausschau gehalten. Und der ist ja gar nicht zu übersehen. Selbst im Training zeigt der unwahrscheinliche Tricks. Das war so ein Aha-Erlebnis für uns – man das kann der nicht nur im Fernsehen, das kann er auch hier. Ich weiß, das klingt blöd, aber wir waren total begeistert.

Zum Schluss haben sich die Brasilianer dann in Höhe der Mittellinie ausgedehnt. Ganz in der Nähe von uns. Und dabei hat Ronaldinho zu uns rüber gewunken. Er hat dabei sein hang loose-Zeichen gemacht. Wir waren natürlich total scharf drauf, ein Foto mit ihm zu machen. Irgendjemand aus unserer Delegation hat die Brasilianer dann auch angesprochen, so dass das kurz vor unserem Training noch geklappt hat. Ronaldinho ist auf uns zugekommen, hat uns die Hand gegeben und gesagt: „Nice to meet you!“ Das war eine echt schöne, eine besondere Begegnung. Mit dem besten Fußballer der Welt. Wenn ich jetzt noch Zinedine Zidane treffen würde, wäre alles gerettet.

Aber so stelle ich mir die Olympischen Spiele vor: Dass man andere Sportler trifft, sich mit denen unterhält, auch wenn es nur ein kurzes Hallo ist. Aber leider sind wir ja nicht im Olympischen Dorf in Peking, sondern in Shenyang. Wir können frühestens im Halbfinale in Peking spielen. Aber das ist dann einfach noch mal Motivation für uns.

Bis bald!

Eure Célia

 

Liaison Offiziere und Höchstleistungs-Aufzüge
3. August 2008

Hallo Leute,

man merkt, dass es im Hotel langsam voll wird. Nach und nach kommen die Mannschaften an. Insgesamt werden es acht Teams in diesem Haus sein. Und zu denen gehören nicht nur die Spielerinnen und Spieler, sondern natürlich auch die Betreuer. Diese Personen summieren sich ganz schnell zu mehr als 200 Köpfen. Insofern kann man hier auch von einem kleinen Olympischen Dorf sprechen.

Höchstleistungen müssen deswegen vor allen Dingen die Aufzüge bringen. Obwohl vier Stück zur Verfügung stehen, sind die gerade zu Stoßzeiten voll beladen. Insofern sind sie zu einem wahren Treffpunkt der Athleten geworden. Heute sind wir zum Beispiel einmal mit sieben Spielern der chinesischen Nationalmannschaft runter gefahren. Aber es passiert auch, dass man mal ein Weilchen warten muss, bis ein Aufzug vorbei kommt. Speziell wenn eine Mannschaft gerade im Hotel eingecheckt hat und das Gepäck und Equipment ausgeladen wird, kann es auch mal länger dauern. Dann ist Treppensteigen auch nicht gerade eine Alternative, da wir im zwölften Stock wohnen.

Wenigstens wäre das Treppenhaus klimatisiert, draußen ist es mittlerweile sehr, sehr heiß. Nach den beiden Regentagen kriegen wir jetzt die chinesische Hitze zu spüren. Die kann ganz schön drückend sein. Auf jeden Fall waren die beiden Trainingseinheiten heute ziemlich schweißtreibend.

Dafür haben wir aber morgen Vormittag frei. Lira und ich haben schon Pläne geschmiedet. Wir wollen in die Stadt gehen und haben deswegen mit Jennifer gesprochen, die eine unserer Team Liaison Officers ist, das sind Personen aus dem Gastgeberland, die jeder Mannschaft zur Seite gestellt werden und als Bindeglied zwischen Mannschaft und Organisationskomitee fungieren sollen. Ich bin mal gespannt wie das wird.

Ganz genau weiß ich schon, welche Musik wir vor dem Brasilien-Spiel in der Kabine hören werden. Ich habe nämlich die CD gebrannt. Eigentlich wollte das Ari machen, aber dann hat ihr Brenner gestreikt. Jeder durfte Lieder bei ihr abgeben. Da sind coole Sachen dabei, wie zum Beispiel American Boy von Estelle. Die werden uns helfen, in die richtige Stimmung für das Spiel zu kommen.

Bis bald!

Eure Célia

 

Globo-Interviews und rosa Röckchen
2. August 2008

Hallo Leute,

der Tag gestern ging irgendwie rasend schnell vorbei. Mir kam es jedenfalls so vor, als hätte zwischen dem Aufstehen und Schlafengehen nicht viel Zeit gelegen. Aber wahrscheinlich lag das daran, dass lauter kurzweilige Sachen anstanden.

Zum Beispiel hatten wir unsere ersten richtigen Trainingseinheiten hier in China. Die Einheit vorgestern, an unserem Ankunftstag, war ja eher eine Bewegungstherapie, um nach dem langen Flug ein bisschen was gegen die schweren Beine zu machen. Heute die waren kurz und knackig. Wir haben viel mit dem Ball gearbeitet. Das hat mir Spaß gemacht.

Nach dem Vormittagstraining hatte ich jedoch eine für mich eher ungewöhnliche Aufgabe zu erfüllen. Ich durfte dem brasilianischen Fernseh-Sender TV Globo ein Interview geben. Auf Englisch. Dabei habe ich so lange kein Englisch gesprochen. Hat dann aber doch geklappt. Ich hoffe, die Journalisten konnten etwas mit meinen Aussagen anfangen.

Eigentlich ist es sonst nicht erwähnenswert, aber nach dem Lunch hatten wir eine ziemlich lange Mittagspause, weil das zweite Training erst für 18.00 Uhr angesetzt war. Die Zeit verging aber wie im Flug. Ich bin nämlich total in meine Lektüre versunken. Ich lese derzeit von Paolo Coelho „Elf Minuten“ – ein Buch, das ich nur empfehlen kann.

Nicht ratsam war es jedoch, beim zweiten Training eine Wette einzugehen. Es ging darum, wer das Ausschießen gewinnt. Die defensiven Spielerinnen sind gegen die offensiven Spielerinnen angetreten. Ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass wir die Verteidigerinnen schlagen würden. Deswegen hielt es Lira auch für verlockend, das Tragen eines rosa Rocks beim Abendessen als Einsatz zu machen. Das Maulen der anderen hat uns gezeigt, dass das eine gute Wahl war. Dennoch ging die Rechnung nicht auf. Wir haben verloren und mussten den Rock tragen. Vor allen Dingen zusammen mit den Turnschuhen sah das etwas komisch aus. Ich zähle darauf, dass wir die Gelegenheit zur Revanche erhalten.

Davon werde ich Euch natürlich berichten. Bis bald!

Eure Célia

 

Reise-Strapazen und Akkreditierungs-Arien
1. August 2008

Hallo Leute,

herzlich Willkommen in meinem Blog. Auf dieser Seite werde ich versuchen, Euch so häufig und umfangreich wie möglich über die Olympischen Spiele zu informieren. Bitte erwartet keine Spielberichte von mir, vielmehr will ich hier meine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse schildern. Ich hoffe, Ihr habt Spaß beim Lesen.

Mittlerweile sind wir bei Olympia angekommen. Nicht in Peking, sondern in Shenyang. Das ist eine Besonderheit des olympischen Fußball-Turniers. Die Spiele finden nämlich nicht in Peking statt, sondern in fünf anderen chinesischen Großstädten. Erst ab dem Halbfinale wird dann auch in der chinesischen Hauptstadt gespielt. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

Das war auch die Anreise. Von Haustür zu Haustür war ich über 20 Stunden unterwegs. Um etwa 13.30 Uhr habe ich bei mir Zuhause am Mittwoch in Koblenz die Tür zugezogen. Gegen 16.00 Uhr Ortszeit (sechs Stunden Zeitunterschied zu Deutschland) sind wir dann im Marvelot Hotel in Shenyang angekommen. Ich war ganz schön kaputt.

Dabei hat mir weniger der lange Flug von Frankfurt nach Peking ausgemacht. Kompliment an die Lufthansa – der war sehr angenehm. Ich habe im Flieger neben Lira gesessen, womit schon mal grundsätzlich eine Voraussetzung für gute Unterhaltung erfüllt ist. Und dann konnte ich mir natürlich mit dem personal video system die Zeit vertreiben. Da waren gute Filme und Spiele drauf. Ansonsten habe ich aber gut geschlafen, das ist bei mir kein Problem in den Flugzeugen.

Schwierig war dann jedoch die Phase auf dem Flughafen in Peking. Wir sind dort um 3.00 Uhr morgens deutscher Zeit angekommen. Da hätte ich natürlich noch gerne geschlafen. Das ging aber nicht, weil wir doch einiges zu tun hatten. Zuerst mussten wir durch den Zoll. Und da waren die Chinesen sehr gründlich, die haben sich unser Pässe und Akkreditierungen, die als Visum gelten, ganz genau angeschaut. Danach mussten wir unsere Akkreditierungen frei schalten lassen. Ohne diese Validierung würde man nicht in den Mannschaftsbus, ins Hotel, auf den Trainingsplatz, ins Stadion oder sonst wohin kommen. Anschließend sind wir mit einer Bahn bis ans andere Ende des Flughafens gefahren, um dort unser Gepäck aufzunehmen. Nur um es 100 Meter weiter für den Inlandsflug nach Shenyang wieder einzuchecken. Als wir das dann hinter uns gebracht hatten, durften wir noch einmal durch eine Passkontrolle bei der unser Handgepäck sehr sorgfältig durchleuchtet wurde. Naja, so ging wenigstens schon ein Großteil unserer fünf Stunden Wartezeit drauf. Den Rest haben wir dann bei einem Nickerchen am Gate verbracht.

Eineinhalb Stunden hat schließlich der Flug nach Shenyang gedauert. Dort hat uns nicht nur Regen, sondern auch eine ordentliche Gruppe Fotografen und Kameraleute begrüßt. Zum Glück hat der Transport vom Flughafen zum Hotel nicht mehr so lange gedauert. Das Hotel sieht ganz schön aus. Es ist gepflegt. Verfügt über 25. Stockwerke. Macht einen guten Eindruck, obwohl ich bisher kaum mehr als mein Zimmer, den Essensraum und die Lobby gesehen habe. Das lag daran, dass wir noch Programm hatten. Nach einem Snack hatten wir noch ein leichtes Training. Um die müden Beine ein wenig zu bewegen. Nach dem Abendessen ging es dann sofort ins Bett. Ich habe mich schon um 21.00 Uhr hingelegt – und hatte kein Problem einzuschlafen.

Morgen gibt es dann weitere Neuigkeiten.

Bis dann

Eure Célia