Kunst und Kultur

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Dr. Theo Zwanziger will den Weg konsequent weiter gehen

„Deutschland Türkei! Türkiye Almanya! – Ein Fest der Kulturen“ am 18. Oktober 2008 auf der Frankfurter Buchmesse

Die Frankfurter Buchmesse hat sie alle gesehen: Autoren, Verleger, Künstler, Kulturschaffende. Bundespräsidenten und Literaturnobelpreisträger. Sie gilt als die größte Bücherschau der Welt. Aber am 18. Oktober 2008, dem Tag ihrer 60-Jahr-Feier, gab es dann doch noch eine Art Debüt: Zum ersten Mal gab sich ein Fußball-Bundestrainer offiziell die Ehre. Nachmittags noch Gast der Begegnung gegen Leverkusen in der Commerzbank-Arena, war Jogi Löw anschließend in die Messe Frankfurt gekommen. Das war dann sogar der ARD-Tagesschau eine Meldung wert.

Anlass für den prominenten Besuch war eine ganz besondere Veranstaltung: „Deutschland Türkei – Türkiye Almanya! Fußballbegeisterte Länder“. Unter diesem Motto präsentierte die DFB-Kulturstiftung ein umfangreiches Bühnenprogramm im Zeichen der Integration und der Fußballkultur mit Schriftstellern, Künstlern, Musikern, Spieler und Trainern aus beiden Ländern. Und das mit einigem Erfolg. Über knapp sechs Stunden war der Messesaal „Europa“ bis zum Rand gefüllt. Besonders erfreulich: Die weit mehr als tausend Messebesuchern boten genau den bunten Querschnitt der Menschen einer moderne Metropole wir Frankfurt: Deutsche, türkischstämmige und türkische, Jugendliche, Kinder und Frauen lauschten, lachten und klatschten der von Kulturstaatsminister Bernd Neumann eröffneten und ZEIT-Chefredakreur Moritz Müller-Wirth moderierten Veranstaltung zu. Auch die Initiatorin war angetan. Claudia Roth, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/DIE GRÜNEN und gleichzeitig Mitglied im Kuratorium der Stiftung, hatte vor einem knappen Jahr die Idee, anlässlich des Messen-Ehrengastes Türkei zu einem fußballkulturellen Fest einzuladen. Vom Erfolg war sie am Ende vielleicht sogar selbst ein bisschen überrascht. Das Programm begeisterte nicht nur die Zuschauer, sondern am Ende sogar die Kritiker von Bild bis FAZ. Sicher nicht alltäglich.

Schon alltäglich der Trubel um Bundestrainer Löw, der Mühe hatte, sich durch Menschtrauben seinen Weg zur Podiumsdiskussion zu bahnen, in der er gemeinsam mit Ümit Özat (Kapitän des 1. FC Köln), Ömer Toprak (U 19-Europameister vom SC Freiburg) und Erdal Keser (früher Borussia Dortmund) über „Grenzgänger – Spieler und Trainer zwischen beiden Ländern“ diskutierte. Er selbst war zwischen 1998 – 2001 als Trainer in der Türkei tätig. Umjubelt von Landsleuten waren auch das deutsch-türkische Sänderidol Muhabbet und der Schriftsteller und Komponist Zülfü Livaneli, der mehr Autogramme zu schreiben hatte, als so mancher Nationalspieler. In Stille gebannt waren alle im Saal bei Prosa und Gedichten von Feridun Zaimoglu und Albert Ostermaier.

Und lieferten damit ein anschauliches Beispiel für die Auffassung von Dr. Theo Zwanziger, für den „Fußball, Musik und Kultur optimale Möglichkeiten für das Gelingen von Integration“ erkannte, „wenngleich es dafür noch harter Kärrnerarbeit bedarf. Aber es gibt keine ehrliche Alternative zu diesem Weg.“ Eine Auffassung, die auch Claudia Roth in einem Podiumsgespräch bekräftigte: „Das, was wir hier in diesem Saal erleben, ist ein gutes Bild für das Deutschland von heute. Wenn ich sehe, was der Fußball zu einem friedlichen Miteinander beiträgt, da muss sich die Politik sehr anstrengen.“

Freundschaftsspiel und Lesung der Autoren-Nationalmannschaften aus Deutschland und Israel



Autoren-Nationalteams treffen aufeinander DFB

Das im Mai und Dezember 2008 mit zwei Freundschaftsspielen der deutschen und israelischen Autoren-Nationalmannschaften gestartete Projekt „Writers´League for Freedom“ geht zurück auf eine Idee der beiden Berliner Autoren Ralf Bönt und Moritz Rinke gemeinsam mit dem israelischen Schriftsteller Assaf Gavron. Träger des Projekts sind die DFB-Kulturstiftung und das Auswärtige Amt. Die Schirmherrschaft haben Dr. Theo Zwanziger und Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier.

Die „Writers’ League“ ist eine Vereinigung von Schriftstellernationalmannschaften aus aller Welt, die sich zu Freundschaftsspielen und Turnieren treffen. Die Spielserie versammelt renommierte Schriftsteller aus verschiedenen Ländern miteinander, die gemeinsam Fußball spielen und mit Kulturveranstaltungen ein fußballbegeistertes und interkulturell interessiertes Publikum finden.

Die deutsche Autorennationalmannschaft besteht u.a. aus Autorenspielern wie Thomas Brussig, Albert Ostermaier, Moritz Rinke und Sönke Wortmann. Die Mannschaft spielt seit 2005 zusammen und nahm bereits an drei großen Turnieren teil. 2005 wurde die Mannschaft Vizemeister in Italien, 2007 belegte sie in Schweden den dritten Platz.

Mit ihren Spielen will die „Writers’ League“ einen Beitrag zum Dialog der Nationen leisten. Dafür nutzt sie den Fußball - denn Fußball wird überall verstanden, auch über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg. Wie die Literatur kann auch er zwischen Kulturen Brücken bauen und Menschen miteinander verbinden.

Die im Juni 2007 gegründete Kulturstiftung des Deutschen Fußball-Bundes setzte mit der „Writers´League“ in Berlin einen ersten internationalen Akzent im Bereich der Fußballkultur.

Hinspiel am 6. Mai 2008 in Berlin

Auf Einladung der DFB Kulturstiftung und des Auswärtigen Amts waren 16 junge israelische Autoren, viele von ihnen zum ersten Mal, für vier Tage zu Gast in Berlin. Am 6. Mai traf die deutsche Autoren-Nationalmannschaft im "Stadion am Wurfplatz" (Amateurstadion von Hertha BSC Berlin) auf dem Olympiagelände erstmals auf dem Fußballplatz auf ihre Schriftsteller-Kollegen aus Israel. Für die israelische Mannschaft war es ihr Debütspiel. So überraschte es nicht, dass die deutschen Autoren bereits in der ersten Halbzeit mit 3:0 in Führung gingen. Am Ende siegte die deutsche Auswahl mit 4:2.

Am gleichen Abend kamen beide Mannschaften in den Kammerspielen des Deutschen Theaters zu einer literarische Soiree unter dem Titel "Deutschland-Israel - Autorenfußballer lesen" unter Mitwirkung der Schirmherren zusammen. Die Lesung fand im Rahmen der Lesereihe "60 Jahre Israel - Deutsch-Israelische Literatur im Auswärtigen Amt" statt, zu der Bundesaußenminister Steinmeier regelmäßig einlädt.

Begleitendes Schulprojekt

Auf Initiative der DFB- Kulturstiftung wurden Autorenspiel und Lesung am 05. und 06. Mai in Berlin auch mit einem Schulprojekt verbunden. Fünf Berliner Oberschulen wurde dabei die Möglichkeit gegeben, ein umfassendes Programm rund um die sportkulturelle Veranstaltung mitzuerleben. Teilnehmer des Projektes waren die Mildred-Harnack Schule, die Barnim-Oberschule, die Hannah-Arendt- Schule die Kurt-Tucholsky-Oberschule, sowie die Sophie- Charlotte- Oberschule.

Rückspiel am 15. Dezember 2008 in Tel Aviv

Aus Anlass der Feierlichkeiten zum 60. Unabhängigkeitstag des Staates Israel und anknüpfend an das Hinspiel in Berlin reiste eine Delegation des Deutschen Fußball-Bundes unter Leitung von Dr. Theo Zwanziger am 13. Dezember nach Tel Aviv. Zu einer kulturellen Begegnung der besonderen Art kam es am 15. Dezember in Tel Aviv mit dem Rückspiel der Autoren-Nationalmannschaften. Auf Initiative der israelischen Autoren wurde auch das Team der englischen Autoren-Nationalmannschaft eingeladen, das im Rahmen eines Mini-Turniers einen Sieger ausspielte.

Dabei gelang es den israelischen Autoren, einen 0:2-Pausenrückstand in den letzten 20 Minuten unter dem Jubel der einheimischen Zuschauer noch in einen 4:2-Sieg zu verwandeln. Damit war das Hinspielergebnis aus Berlin egalisiert.

Am Abend des 16. Dezember kamen die Schriftsteller aus drei Ländern zu einer gemeinsamen Lesung im Tmuna-Theater Tel Aviv zusammen, die in enger Kooperation mit dem Goethe-Institut Tel Aviv ausgerichtet wurde. Zehn junge Autoren trugen aus ihren Erzählungen, Gedichten, literarischen Reisereportagen und Romanen vor. Da es sich bei den sportlich Aktiven um die jüngere Generation erfolgreicher Autoren handelt, ergab sich auch hier ein spannendes Panorama israelischer, deutscher, englischer und vor allem deutsch-israelischer Belange.

Fußball und Literatur – eine Kombination, die noch vor zehn Jahren kaum vorstellbar schien – sie funktioniert und bietet über sprachliche und kulturelle Grenzen hinaus die Chance der Verständigung und des Kennenlernens einer Generation junger Autoren und Intellektueller, die so vielleicht nur der Fußball bewirken kann. Beispielhaft für die Erfahrungen der Autoren können wohl die Worte von Norbert Kron stehen: „Dreißig Schriftsteller haben etwas unauslöschliches erfahren, was sie in ihren Geschichten weitergeben werden. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man sich auf einer Buchmesse oder Podiumsdiskussion trifft oder ob man einmal auf dem Fußballplatz zusammen gestanden hat, miteinander geschwitzt, herumgeschrien und um den Ball gestritten hat.“ (DIE WELT, 17. Mai 2008)

Ausführliche Informationen zur deutschen Autoren-Nationalmannschaft finden Sie hier und im Tätigkeitsbericht der DFB-Kulturstiftung.


"Kopf- und Fußbälle – Literatur und Tagung"
am 27. bis 29. Juni im Deutschen Literaturarchiv Marbach

Unter dem Titel „Kopf- und Fußbälle“ präsentierte die DFB-Kulturstiftung ein dreitägiges Event rund um Fußball und Literatur vom 27. – 29. Juni 2008 in Marbach. Während sich nach Abschluss des Halbfinales die Blicke der Fußballanhänger nach Wien zum bevorstehenden Finale richteten, fand in Kooperation mit dem gastgebenden Deutschen Literaturarchiv Marbach eine fußballkulturelle Veranstaltung der besonderen Art statt.

Schriftsteller und Künstler, Literaturwissenschaftler und Studenten trafen sich zu einer Kombination aus Tagung, Lesung und Turnier. Anstoß war am Freitag, dem 27. Juni im Literaturarchiv Marbach. Unter dem Titel „Im Abseits! Hat der Fußball eine Literaturgeschichte?“ diskutierten mehr als ein halbes Dutzend prominente Referenten verschiedener Universitäten und Disziplinen ein spannendes Thema. Den Abschluss bildete der Abendvortrag von Prof Dr. Klaus Theweleit zum Thema „Das digitalisierte Spiel. Fußball und Hirnprozesse“.

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