Christian Pander

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Fußball-verrückt dank der 90er Weltmeister



Christian Pander trifft zum 2:1 gegen England

Das erste Mal? Christian Pander muss lachen, wenn er sich an dieses Erlebnis im Frühjahr 1989 erinnert. Er war damals fünfeinhalb Jahre alt, und seine Mutter hatte ihn zum Fußballtraining gebracht – „fast hat sie mich dahin geprügelt“, erzählt der in Münster geborene Abwehrspieler im Spaß. Auf alle Fälle konnte er dem runden Leder damals noch so gar nichts Schönes abgewinnen. Und so verhielt er sich eben genauso wie andere Kinder, wenn sie keine Lust auf das haben, was die Eltern sagen: Er war bockig. Bei Christian Pander äußerte sich das wie folgt: Der junge Mann stand auf dem Sportplatz des SC Nienberge im Münsterland, hatte die Hände ganz tief in den Hosentaschen vergraben, und ließ das Geschehen um sich herum einfach laufen. „Ohne einen einzigen Ballkontakt bin ich nachher wieder vom Platz gegangen“, erzählt der heute 24-Jährige - und muss erneut lachen.



Christian Pander im Nationaltrikot

Glücklicherweise blieb es jedoch nicht bei diesem ersten Mal. Zum einen war die Mutter hartnäckig, zum anderen stand etwas mehr als ein Jahr später die Weltmeisterschaft 1990 in Italien an, bei der die deutsche Mannschaft den Titel holte. „Das war für mich das einschneidende Erlebnis“, erinnert sich Pander, der damals knapp sieben Jahre alt war, „von da an war ich fußballverrückt.“ Stolz trug er das Trikot von Lothar Matthäus, auch die Anzahl der Ballkontakte steigerte sich merklich, und Schritt für Schritt ging es aufwärts: Nach einigen Jahren bei Preußen Münster, wo seinerzeit auch der drei Jahre ältere Christoph Metzelder spielte, folgte 2001 der Wechsel in die A-Jugend von Schalke 04. Dort gewann er 2002 gleich den deutschen Jugend-Pokal in Berlin; einer der damaligen Mitspieler war der heutige Nationalmannschaft-Kollege Mike Hanke.



Jubel in Königsblau: Christian Pander

Im Sommer 2004 holte ihn Schalkes damaliger Trainer Jupp Heynckes in die Bundesliga; auch unter dessen Nachfolger Ralf Rangnick behielt er seinen Stammplatz. Pander machte als Abwehrspieler mit 21 Jahren fast keine Fehler, und in der Offensive wurden seine gefährlichen Flanken schnell zu seinem Markenzeichen (Rangnick: „Die fliegen wie Brandfackeln in den Strafraum“). Der Lohn für den steilen Aufstieg: Im Dezember 2004 lud ihn Jürgen Klinsmann erstmals zur Nationalmannschaft ein. Doch kurz vor dem Abflug zur Asien-Reise platzte der Traum vom Debüt nach nur einem halben Jahr Bundesliga: Pander musste seine Teilnahme wegen einer Muskelverletzung absagen.

Der Weg in die Nationalmannschaft schien jedoch nur um einige Wochen aufgeschoben: Am 25. Januar 2005 trug er in einem Benefizspiel gegen eine Auswahl ausländischer Bundesliga-Profis zum ersten Mal das Trikot der DFB-Elf - als offizielles Länderspiel zählte dies jedoch nicht. Jürgen Klinsmann hatte ihn fest für den Confederations-Cup 2005 vorgesehen, doch dann kam der 9. April: Beim Schalker Bundesliga-Spiel in Stuttgart verletzte er sich in einem Zweikampf mit Andreas Hinkel schwer am linken Knie. Die Diagnose war niederschmetternd: So war unter anderem das Kreuzband gerissen.



Christian Pander (l.) und Kevin Kuranyi

Zunächst war von einem knappen halben Jahr Pause die Rede - weil sich immer wieder neue Komplikationen einstellten, wurden daraus jedoch 19 Monate mit vier Operationen. Zwischendurch hatte Pander beinahe die Hoffnung verloren, jemals wieder professionell Fußball spielen zu können. Doch die letzte Operation im Sommer 2006 brachte endlich den Erfolg - und ermöglichte das Comeback am 5. November 2006 im Heimspiel gegen Bayern München.

Seitdem knüpft Pander da an, wo er vor seiner Verletzung aufgehört hat: Fast drei Jahre nach seiner ersten Einladung zur Nationalmannschaft feierte er am 22. August in Wembley nun auch sein offizielles Debüt im DFB-Team - dass ihm dabei gleich das Siegtor zum 2:1 gelang, ist eine dieser schönen Geschichten des Fußballs. Wenige Tage zuvor hatte er erst seinen Vertrag in Schalke bis zum 30. Juni 2011 verlängert. Dann wird er zehn Jahre lang für Schalke gespielt haben. Und dabei wollte er anfangs gar kein Fußball spielen . . .

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