Bundessieger 2000/2001

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"Fair ist mehr": Bundessieger 2000/2001


Auch 2001 hat der DFB Fußballspieler und Mannschaften ausgezeichnet, die durch außergewöhnlich faires Verhalten aufgefallen sind. Im Rahmen der DFB-Aktion "Fair ist mehr", die in Zusammenarbeit mit den Regional- und Landesverbänden durchgeführt wird, wurden aus den zahlreich eingegangenen Einsendungen die sechs Sieger ausgewählt. Zur Ehrung der Bundessieger waren auch zwei besondere Ehrengäste anwesend: die 90-er Weltmeister Jürgen Kohler und Olaf Thon hatten es sich nicht nehmen lassen, den kleinen und großen Vorbildern persönlich für ihre außergewöhnlichen Aktionen im Fair-Play-Bereich zu gratulieren.

Hier folgt die Schilderung der Aktionen der Preisträger im Einzelnen:

Elfmeter und Rote Karte zurückgenommen

Bundessieger: Daniel Klein (Borussia Neunkirchen II)
Spielklasse: Bezirksliga

Im Spiel des Tabellenführers der Bezirksliga Ost des Saarländischen Fußball-Verbandes zwischen Borussia Neunkirchen II und der Spielvereinigung Einöd-Ingweiler am 5. November 2000 stand es Mitte der zweiten Halbzeit noch immer 0:0. Für Neunkirchen ging es an diesem letzten Spieltag der Vorrunde um den Gewinn der Herbstmeisterschaft. Als nach einem Zweikampf mit einem gegnerischen Abwehrspieler der Neunkirchener Daniel Klein im Strafraum zu Fall kam, schien sich die große Chance zur Führung zu bieten. Der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter und Platzverweis für den Abwehrspieler. Doch das Staunen bei den Spielern beider Mannschaften war groß, als Daniel Klein auf den Schiedsrichter zuging, und erklärte, dass er diese Entscheidungen für überzogen hielt. Sein Gegenspieler habe ihn nur leicht berührt. Auch der Unparteiische war beeindruckt von der großen Fairness des Neunkircheners, nahm die Entscheidung zurück und setzte die Partie mit Schiedsrichterball fort. Dass Neunkirchen das Spiel am Ende doch klar gewann, zeigt, dass sportlicher Erfolg und Fair Play keine Gegensätze sein müssen.

 

Ein ehrlicher Torhüter

Bundessieger: Bernd Kurz (SG Schwabsberg-Buch/Dalkingen)
Spielklasse: A-Jugend-Pokal

Das A-Jugend-Pokalspiel zwischen dem SV Neresheim und der Spielgemeinschaft Schwabsberg-Buch/ Dalkingen (Württembergischer Fußball-Verband) hätte spannender kaum sein können. In der 90. Minute des Spiels führte die Gastmannschaft mit 6:5, als Neresheim mit einem letzten Eckball noch einmal die Chance zum Ausgleich sah. Tatsächlich kam ein Neresheimer Spieler zum Kopfball und traf den Pfosten. Von dort sprang der Ball dem Torhüter der SG Schwabsberg-Buch/Dalkingen, Bernd Kurz, an die Brust. Da dem Schiedsrichter die Sicht im Strafraumgetümmel versperrt war, entschied er, das Spiel weiter laufen zu lassen. Doch sofort spielte Torhüter Kurz den Ball in Richtung Anstoßkreis, lief auf den Schiedsrichter zu und wies ihn darauf hin, dass der Ball die Linie bereits überschritten hatte. Besonders bemerkenswert seine Aussage dem Unparteiischen gegenüber: "Herr Schiedsrichter, wir möchten zwar gewinnen, aber nicht mit unfairen Mitteln." Sekunden später war die Partie beendet und ging mit 6:6 ins Elfmeterschießen, das der SV Neresheim letztlich gewann.

 

Auf das Ausgleichstor verzichtet

Bundessieger: Jens Gleichmann (VfB Grün-Weiß Erfurt)
Spielklasse: Landesklasse

Als ein vorbildlich fairer Spieler hatte sich der Erfurter Jens Gleichmann schon während der ganzen Partie im Thüringer Fußball-Verband zwischen dem VfB Grün-Weiß Erfurt und der SG Merketal am 11. März 2001 gezeigt. Besonders beeindruckend allerdings spiegelte sich diese Haltung in der 80. Minute des Spiels wider. Der VfB lag zu diesem Zeitpunkt mit 3:4 im Rückstand, als sich bei einem Erfurter Angriff ein Spieler der Gäste ohne gegnerische Einwirkung verletzte. Dies bemerkte Jens Gleichmann, der in guter Schussposition zum Ausgleich den Ball erhalten hatte. Ohne zu zögern, verzichtete er auf die Torgelegenheit und spielte den Ball ins Seitenaus, um eine Behandlung des Gästespielers zu ermöglichen. Der Ausgleich gelang nicht mehr. Am Ende hatten die Erfurter - allen voran Jens Gleichmann - zwar das Spiel verloren, doch viele Sympathien gewonnen und gezeigt, dass Fair Play auch in spielentscheidenden Situationen möglich ist.

 

Integration vorgelebt

Bundessieger: E-Junioren (TSC Pfalzel)
Spielklasse: Verbandsliga

Für ein Novum sorgte der TSC Pfalzel (Fußball-Verband Rheinland). Erstmals in der Geschichte der DFB-Aktion "Fair ist mehr" wurde ein Verein bereits zum zweiten Mal ausgezeichnet. Nachdem im vergangenen Jahr E-Junioren-Torhüter Stefan Zunker und Trainer Rudi Steines unter den Siegern waren, wurde diesmal gleich die ganze E-Junioren-Mannschaft des TSC Pfalzel geehrt. Es liegt bereits vier Jahre zurück, als Daniel Frein auf der Suche nach einem Fußball-Verein war. Daniel ist heute 17 Jahre alt und leidet unter dem "Downsyndrom". Er ist zu 90 Prozent schwerbehindert, doch seine ganze Leidenschaft gilt dem Fußball, und so ging er mit seinem Vater an einem Trainingstag zu den E-Junioren des TSC Pfalzel und fragte, ob er mittrainieren könne. Zu ihrem Erstaunen willigten die Verantwortlichen sofort ein, und so trainierte der wesentlich ältere Daniel regelmäßig bei der Mannschaft aus dem Trierer Vorort. Aber mehr noch: Er ist bei allen Aktivitäten der Mannschaft dabei, ob bei der Abschlussfeier oder im Zeltlager. Im Frühjahr 2001 kam nun die Frage auf, ob er nicht einmal an einem richtigen Spiel teilnehmen könne. Der Trainer fragte seine Spieler, die sofort zustimmten, obwohl ihnen klar war, dass wegen der fehlenden Spielberechtigung die Punkte des Spiels auf jeden Fall verloren wären. Auch das notwendige Einverständnis der gegnerischen Mannschaft wurde gefunden, und so lief Daniel am 10. März 2001 im Spiel gegen die SG Langsur als Kapitän auf und spielte die komplette Partie. Dass die Punkte des mit 6:1 gewonnenen Spiels verloren waren, störte keinen. Für Daniel war es ein Erlebnis, das er nie vergessen wird.

 

Den Schiedrichter geschützt

Bundessieger: Bodo Köhn (TuS Bodenteich)
Spielklasse: Verbandsliga

Für das Fair-Play-Verhalten der Mannschaft, aber auch des gesamten Umfelds im Spiel ist vor allem der Trainer von entscheidendem Einfluss. Als ein wirkliches Vorbild für eine sportliche Einstellung fiel in der vergangenen Saison Bodo Köhn, Trainer des TuS Bodenteich (Niedersächsischer Fußball-Verband), auf. In der Partie beim TSV Sievern am 22. April 2001 stand für beide Vereine einiges auf dem Spiel. Beide Teams brauchten jeden Punkt, um nicht einen der fünf Abstiegsplätze dieser Klasse zu belegen. Bei jeder kritischen Schiedsrichter-Entscheidung rief Bodo Köhn seine Mannschaft zu fairem Verhalten dem Schiedsrichter gegenüber auf. "Spielt fair, spielt Fußball und sonst nichts," gab er dann seinen Spielern auf den Weg und kritisierte sie bei Foulspielen. Als nach dem Schlusspfiff der Partie einige aufgebrachte Zuschauer dem Schiedsrichtergespann den Weg in die entfernte Kabine versperren wollten, verhinderte der Trainer eine Eskalation, stellte sich schützend vor die Unparteiischen und beruhigte die Situation durch eindringliche Worte: "Lasst den Schiedsrichter in Ruhe, der war noch der beste Mann auf dem Platz. Schimpft lieber über die beiden Mannschaften, denn die haben heute schwach gespielt!" Nach kurzer Diskussion entspannte sich die Lage und die Unparteiischen konnten in ihre Kabine gehen. Das besonnene Verhalten des Bodenteicher Trainers zeigt, dass die Courage eines Einzelnen eine große Wirkung haben kann.

 

Auf Sieg verzichtet

Bundessieger: C-Junioren (SF Landringshausen)
Spielklasse: Kreisliga

Auch im C-Junioren-Bereich ist der Ehrgeiz von Trainern, Betreuern und Spielern oftmals schon groß, und nicht selten wird jede Gelegenheit genutzt, um die Punkte zu gewinnen, die den sportlichen Erfolg sichern. Ein schönes Beispiel dafür, dass es auch anders geht, boten in der abgelaufenen Saison die C-Junioren der Sportfreunde Landringhausen aus dem Niedersächsischen Fußball-Verband. Im Achtelfinale des Pokals stand das Auswärtsspiel beim FC Springe an. Da der Gastgeber das Spiel wegen schlechten Wetters mehrmals absagte und vergaß, die notwendigen Formulare einzureichen, war Landringhausen am "grünen Tisch" kampflos eine Runde weiter gekommen. Die unglücklichen Springer hofften dennoch auf die Fairness ihrer Gegner und fragten die Verantwortlichen aus Landringhausen, ob sie mit Einverständnis des Staffelleiters trotz des Versäumnisses bereit wären, einer sportlichen Entscheidung um den Einzug ins Viertelfinale zuzustimmen. Ohne zu zögern willigten die Landringhausener ein und fuhren am 23. März 2001 mit ihren C-Junioren zum Auswärtsspiel. Dort erwartete sie der FC Springe mit einem Spielball als Gastgeschenk für so viel unerhoffte Fairness. Zwar verlor Landringhausen das Spiel, doch den Respekt ihres Gegners haben die fairen C-Junioren, ihre Trainer und Betreuer allemal verdient.

 

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