Bundessieger 2001/2002

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"Fair ist mehr": Bundessieger 2001/2002

Auch 2002 hat der DFB Fußballspieler und Mannschaften ausgezeichnet, die durch außergewöhnlich faires Verhalten aufgefallen sind. Im Rahmen der DFB-Aktion "Fair ist mehr", die in Zusammenarbeit mit den Regional- und Landesverbänden durchgeführt wird, wurden aus den zahlreich eingegangenen Einsendungen die fünf Sieger ausgewählt. Die Bundessieger wurden in Hannover im Rahmen des EM-Qualifikationsspiels der deutschen Nationalmannschaft am 16. Oktober gegen die Färöer-Inseln ausgezeichnet. Zwei Trainer und drei Spieler waren deswegen bei der Partie Ehrengäste des DFB im Niedersachsenstadion.

Hier folgt die Schilderung der Aktionen der Preisträger im Einzelnen:

Kein Strafstoß dank Ehrlichkeit

Bundessieger: Hendrik Mahns (TuS Rotenhof)
Spielklasse: C-Jugendspiel

Hendrik Mahns hatte sich die Ehrung durch eine ungewöhnlich faire Aktion im Spiel seines Vereins gegen die SG Gettdorf/Osdorf am 14. Oktober 2001 verdient. Dort stand es 2:2, als er bei einem Zweikampf im gegnerischen Strafraum zu Fall kam. Für den Schiedsrichter eine klare Sache: Foulspiel und damit Elfmeter. Doch bevor der Gast aus Rotenhof den Strafstoß ausführen und damit die Chance zur Führung nutzen konnte, geschah etwas Außergewöhnliches. Der vermeintlich gefoulte Hendrik Mahns ging schnurstracks auf den Schiedsrichter zu und erklärte, dass er selbst seinen Gegenspieler beim Schussversuch unglücklich getroffen hatte und dann gestürzt sei, dass also kein Foulspiel vorlag. Der Unparteiische war beeindruckt von der Ehrlichkeit und nahm den Strafstoß zurück. Am Ende verlor Rotenhof die Partie mit 2:3, doch Schiedsrichter Jürgen Schreiber (TSV Waals) ging der faire Hendrik Mahns nicht aus dem Kopf - und so meldete er die Aktion für den Wettbewerb "Fair ist mehr".

 

Rücksicht auf den verletzten Gegenspieler

Bundessieger: Daniel Martin (JSG Wassernach)
Spielklasse: A-Jugend-Ligaspiel

Im Spiel der A-Junioren im Fußball-Verband Rheinland zwischen dem TuS Oberwinter und der JSG Wassernach stand es in der 75. Minute 3:1 für die Gastgeber. Nach einem Sprungduell mit zwei weiteren Spielern ging der Torwart des TuS Oberwinter im Fünf-Meter-Raum zu Boden. Da kein Foulspiel vorlag, wurde das Spiel fortgesetzt und der Ball nach einem missglückten Befreiungsschlag wieder in den Strafraum der Heimmannschaft geflankt. Dort erreichte er den völlig freistehenden Wassernacher Daniel Martin in Höhe des Elfmeter-Punktes. In diesem Moment realisierte Martin, dass der Torhüter sich beim Sturz verletzt hatte und noch immer neben dem nun leeren Tor am Boden lag. Doch anstatt mühelos den Anschlusstreffer zu markieren, schlug Martin den Ball demonstrativ ins Seitenaus u nd ermöglichte so den Betreuern des TuS Oberwinter, sich um den verletzten Torwart zu kümmern. Es blieb beim 3:1 für Oberwinter und es blieb der Respekt vor einem fairen Sportler.

 

Erste Hilfe statt möglichem Torjubel

Bundessieger: Majid Afshar (Duvenstedter SV)
Spielklasse: Senioren-Staffel

Im Rahmen der Senioren-Staffel des Hamburger Fußball-Verbandes trafen die Mannschaften vom Duvenstedter SV und UH Adler SG aufeinander. Beim Stand von 1:0 für seine Mannschaft ergab sich für den Duvenstedter Majid Afshar eine sehr gute Konterchance. Der Iraner lief allein auf den gegnerischen Torwart zu, umspielte ihn und stand vor dem leeren Tor. Der Torwart der UH Adler SG hatte sich bei seinem Rettungsversuch allerdings im Leistenbereich verletzt. In diesem Moment zeigte Afshar bemerkenswerte Fairness: Er ließ die Torchance verstreichen und kümmerte sich stattdessen sofort um den verletzten Spieler.

 

Trainer schützte Schiedsrichter

Bundessieger: Gerd Schröder (TSV Kropp)
Spielklasse: Landespokal

Im Halbfinale des Landespokals des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes trafen am 30. März 2002 die Teams des TSV Kropp und des Heider SV aufeinander. In diesem Halbfinale ging es um die Chance zum Einzug in die erste DFB-Pokal-Hauptrunde. Dementsprechend hektisch war das Spiel. In der 48. Minute ging der Gast mit 1:0 in Führung. Im Gegenzug wurde der Ball in den Strafraum des Heider SV geflankt. Özer Altin, Stürmer des TSV Kropp, wollte den Ball aus der Luft nehmen, traf dabei aber so unglücklich die Beine eines Heider Abwehrspielers, dass er sich selbst einen Beinbruch zuzog. Die Situation heizte sich auf, da einige Spieler und die Zuschauer dem Heider Abwehrspieler Absicht unterstellten. Doch Gerd Schröder, der Trainer des TSV Kropp, zeigte Größe. Er kümmerte sich erst um seinen verletzten Spieler, ging dann sofort auf den Abwehrspieler des Heider SV zu, gab ihm die Hand und zeigte so, dass dieser nichts für die Verletzung seines Spielers könne. Es sei ein unglücklicher Unfall gewesen. Anschließend forderte er seine eigenen Spieler zu fairem Verhalten auf. Auch nach dem Schlusspfiff beruhigte Schröder seine Spieler und das Publikum, die nach wie vor Schiedsrichter Volker Suhr für die Niederlage verantwortlich machten.

 

Abstoß statt Strafstoß

Bundessieger: Peter Dunkel (JSG Engers/Heimbach-Weis)
Spielklasse: A-Junioren-Landesliga

In der A-Junioren-Landesliga des Fußball-Verbandes Rheinland trafen am 2. März 2002 die Mannschaften der JSG Engers/Heimbach-Weis und der JSG Altenkirchen in einem wichtigen Spiel um den Klassenverbleib aufeinander. Mitte der zweiten Halbzeit führten die Gäste aus Altenkirchen 2:1, als ein Angreifer der Gastgeber aus halblinker Position aufs Tor schoss. Der Ball ging am Tor vorbei, traf auf die Tornetz-Verankerung und sprang zurück ins Spielfeld. Dort nahm ein Spieler aus Altenkirchen den Ball mit der Hand auf und legte ihn zum Abstoß bereit. Der Schiedsrichter, dem die genaue Sicht zu dieser Situation versperrt war, wertete die Handlung als Handspiel des Altenkirchener Abwehrspielers nach einem Pfostenschuss und entschied auf Strafstoß. Doch Trainer Peter Dunkel von der JSG Engers/Heimbach-Weis hatte es besser gesehen. Sofort signalisierte er dem Schiedsrichter, dass der Ball bereits im Toraus gewesen war, bevor der Altenkirchener Spieler ihn mit der Hand aufnahm. Damit verzichtete er auf die Elfmeterchance zum 2:2-Ausgleich und das Spiel wurde mit Abstoß fortgesetzt. Am Ende hatte seine Mannschaft zwar mit 2:4 verloren, Peter Dunkel aber hatte nicht nur für seine Spieler ein Beispiel für Fairness gegeben, das vielleicht mehr wert war als drei Punkte.

 

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