Torsten Frings

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"Du darfst dich niemals ablenken lassen"



Torsten Frings ist ein Nationalspieler mit Profil

Wer möchte nicht Bundesliga-Profi werden? Und dann auch in die Nationalmannschaft? Davon träumt doch jeder junge Fußballspieler einmal. Aber wer schafft dann diesen beschwerlichen, äußerst harten Weg bis ins Ziel? Torsten Frings hat es geschafft. Weil der Werder-Spieler schon als kleiner Junge jenen unbändigen Ehrgeiz entwickelte, ganz nach oben zu kommen. „Für mich stand immer, zu jedem Zeitpunkt meines Lebens fest, dass ich Fußballspieler werden wollte. Nichts anderes. Davon habe ich mich auch niemals abbringen lassen“, sagt der Bremer rückblickend im Gespräch mit Dieter Matz. Er kann voller Stolz auf eine bislang großartige Karriere zurückblicken: Vize-Weltmeister 2002, Dritter der WM 2006, mehr als 60 Länderspiele, Deutscher Meister 2005 (FC Bayern), Deutscher Pokalsieger 1999 (Werder) und 2005 (FC Bayern).

Torsten Frings kann sich an seine ersten Versuche mit dem Fußball sehr genau erinnern: „Im Alter von vier Jahren gab es nur eines für mich: den Ball.“ Aber erst mit sechs wurde sein Glück komplett. Vater Dieter brachte ihm Fußballstiefel mit nach Hause. Das erste Paar „Buffer“. Von nun an ging es noch mehr zur Sache. „Ich wollte schon viel früher Fußballstiefel haben, aber es gab für meine kleinen Füße keine, das war mein ganzer Kummer“, erinnert sich Torsten Frings. Obwohl es bei ihm Fußball an erster Stelle stand – er hat die Schule niemals vernachlässigt. Das hatte Mutter Adelheid bestens im Griff. „Die Schule hat nie gelitten, obwohl ich jede freie Minute zum Bolzen genutzt habe – aber erst nach dem die Hausaufgaben erledigt waren“, sagt Frings, dessen Lieblingsfach Mathematik war.



Feste Größe: Torsten Frings gehört zum festen Stamm der Nationalmannschaft. Der Mittelfeldspieler ist einer der wichtigen Eckpfeiler des Teams von Bundestrainer Joachim Löw

Seine beiden Brüder jagten wie er hinter dem Ball her, nur Torsten, der „Mittlere“, hat es bis ganz nach oben gebracht: „Rückblickend kann ich sagen, dass das ein hartes Stück Arbeit war. Von meinem Weg abbringen ließ ich mich dennoch nicht, ich kannte nur ein Ziel. Und das habe ich letztlich durch drei Dinge erreicht: viel Glück, viel Training, ein bisschen Talent.“

Da untertreibt er. Gewaltig sogar. Der heute 30-Jährige hat in den Jahren seines steilen Aufstiegs viele Entbehrungen auf sich genommen. Seine Empfehlung an die heutige Jugend, an die Talente, die es ihm gleich tun wollen: „Du darfst dich niemals ablenken lassen, nie ans Aufgeben denken. Ich weiß, dass das heute schwerer ist als zu meiner Zeit, aber der Einsatz lohnt sich. Wenn man es geschafft hat, dann bekommt man alles doppelt und dreifach zurück.“ Torsten Frings betrat damals nie eine Diskothek, Mädchen waren für den jugendlichen Frings noch kein Thema, er trank keinen Alkohohl und hat nie geraucht. Er ordnete alles seinem Ziel unter. Sein Glück, das weiß er heute: „Meine Clique, in der ich mich seinerzeit bewegte, hat das völlig akzeptiert. Obwohl ich auf viele gemeinsame Dinge verzichtete, haben sie mich nie fallen gelassen.“



Breite Brust: Mit Werder Bremen spielt Torsten Frings an der Bundesliga-Spitze mit

So ging der junge Frings eisern und unbeirrt seinen Weg. Von Rot-Weiß Alsdorf zu Rhenania Alsdorf, von dort zu Alemannia Aachen und dann in die Bundesliga: 1997 zu Werder Bremen. Dort, erst dort wurde der DFB auf das Talent aufmerksam – nach fast 100 Bundesliga-Spielen. Vorher hatte Torsten Frings nie in einer DFB-Jugendauswahl gespielt, war keinem Talentsichter des Verbandes aufgefallen. Sein trockener Kommentar, der allen Jugendfußballern, die bislang ebenfalls unentdeckt geblieben sind: „Da hat der DFB wohl ein bisschen geschlafen. . .“

Hat er wohl. Zum Glück aber nicht die Bremer. Die entdeckten den Alemannia-Stürmer und holten ihn sich an die Weser. Weil sie sich von diesem 20-Jährigen Schwung im Angriff und viele Tore versprachen. Es kam allerdings ganz anders. Der damalige Werder-Trainer Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner schulte Torsten Frings auf Mittelfeldspieler um. Der letzte Schritt zum Ziel: Nationalmannschaft. Frings: „Ich war überglücklich, als ich die Einladung von Rudi Völler erhielt. Endlich, endlich, endlich habe ich gedacht. Damals war es für mich wesentlich schwieriger, zum A-Team zu stoßen, heute reichen schon ein paar gute Spiele dafür aus.“ Bei seinem Debüt, einem Länderspiel 27. Februar 2001 in Paris gegen Frankreich, kam Frings nur neun Minuten zum Einsatz, er wurde vor 80 000 Zuschauern für Marko Rehmer eingewechselt. Trotz der 0:1-Niederlage strahlte der junge Bremer nach dem Spiel. „Ich war glücklich, zufrieden, stolz. Mein Traum hatte sich erfüllt“, sagt er heute zu seinem damaligen Debüt.



Premiere: Im Februar 2001 durfte Torsten Frings erstmals in der Nationalmannschaft spielen. Teamchef Rudi Völler (Mitte) berief den Bremer mit seinem damaligen Mannschaftskollegen Frank Rost (links) ins Team

Die beiden Brüder hatten zwar auch fußballerisches Talent, aber sie haben den Sprung nach oben nie geschafft. Weil sie dieses Ziel auch nie so beharrlich verfolgt hatten. Sie spielten für den SSG Zopp in den unteren Klassen – und hatten dort auch eine Zeit lang mit ihrem Bruder zu tun: Torsten Frings war kurz der ehrenamtliche Präsident der SSG. Typisch für ihn. Torsten Frings ist ein absoluter Teamplayer. Sein Motto dürfte ruhig von allen Fußballern übernommen werden: „Teamgeist ist ein ganz wichtiger Faktor für den Erfolg. Erfolg ist wichtig, aber noch wichtiger ist, dass man zusammenhält, egal was passiert.“ Dass er des Öfteren in seiner Karriere auf einem von ihm ungeliebten Posten spielen musste, fällt ebenfalls in diese Kategorie. Frings, der manchmal recht frustriert war, erklärt heute seine (profihafte und vorbildliche) Einstellung und hat inzwischen mit jedem seiner Trainer den inneren Frieden geschlossen: „Für die Mannschaft muss ein jeder ein bisschen verzichten. Mitunter sogar darauf, seine eigenen Stärken auszuspielen. Alles im Dienste des Teams.“ Genau das ist seine Stärke. Deshalb hat Torsten Frings diese großartige Karriere gemacht.

Video-Portrait von Torsten Frings


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