Thomas „Icke“ Häßler war einer, Mehmet Scholl auch. Wenn in der jüngeren Vergangenheit von echten Straßenfußballern die Rede war, spielte stets auch eine Spur Wehmut mit. Es gebe heutzutage leider noch kaum jemanden, der beim Kicken auf Straßen, Parkplätzen, Schul- und Hinterhöfen das Fußball-ABC erlerne, hieß es häufig, wenn es um die Nachwuchsausbildung ging. Dabei sei das die beste Schule, um das Handwerkszeug mit dem Fuß zu erlernen.
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Streetsoccer ist die moderne Variante des altbekannten Straßenfußballs. Gespielt werden kann nahezu an jedem Ort - so wie hier mit Jürgen Klinsmann in Berlin-Kreuzberg. |
Wer die „Gattung Straßenfußballer“ vom Aussterben bedroht sah, darf aufatmen: Seit einiger Zeit gibt es hierzulande zahlreiche Veranstaltungen, Turniere und Ligen, bei denen sich Ball-Talente austoben können, ohne dass sie in verkehrsberuhigten Straßen auf die Suche nach den letzten Nischen gehen müssten. Viele Landesverbände des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vermieten Anlagen, in einigen haben sich sogar regelrechte Serien etabliert. Ob Marktplätze, Einkaufsstraßen oder Höfe – die Arena auf Asphalt lebt, die Athleten im Teenager-Alter sind begeistert vom Streetsoccer-Angebot.
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Neuer Trend: Straßenfußballer gesucht - in den vergangenen Monaten hat die Zahl der Streetfußball-Events zugenommen. |
Beispielsweise in Hamburg: In der Hansestadt gibt es schon seit 2002 eine Streetsoccer-Liga, die sich als dauerhaftes außerschulisches Sportangebot an nicht vereinsgebundene Kinder und Jugendliche richtet. Hier wird der Integrationsgedanke gelebt, entfaltet sich multikulturelles Miteinander im besten Sinn, haben Gewalt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit keinen Platz – der Trendsport wird somit zum Trendsetter für die Gesellschaft, der Fair-Play-Gedanke hat Vorbildcharakter. „Als Nationalspieler bin ich keinem Zweikampf ausgewichen, fair geht da aber immer vor“, sagt der heutige DFB-Trainer Horst Hrubesch, einer der Schirmherren der Hamburger Streetsoccer-Liga. „Gewalt hat auf dem Platz nichts zu suchen. Welche Hautfarbe ein Spieler hat, spielt keine Rolle.“
Damit haben die Hamburger auch während der Weltmeisterschaft im klassischen Fußball im Sommer gute Erfahrungen gemacht: Nahezu 1000 Spieler aus rund 120 Nationen hatten sich für das Streetsoccer-Event angemeldet, und auch in anderen deutschen Städten und Regionen wie dem vorderen Remstal oder in Berlin hatte der „Kick im Käfig“ in den zwischen zehn und 15 Metern breiten sowie 15 und 30 Meter langen Courts parallel zur WM der Profis während der tollen Tage im Sommer absolute Hochkonjunktur.
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Vorbilder: Bundestrainer Joachim Löw und sein Vorgänger Jürgen Klinsmann engagieren sich auch bei Streetsoccer-Projekten. |
Dass dies auch so bleibt, ist zu erwarten und liegt an mehreren Faktoren. Das Regelwerk ist einfach, aber auch variabel: Ein Spiel kann zwischen zehn und 15 Minuten dauern, ein Team aus vier bis acht Spielern bestehen; es wird mit Bande, aber ohne Abseits gespielt. Wichtig ist auch die mobile Einsatzmöglichkeit der Streetsoccer-Anlagen. Die leichten, zugleich jedoch äußerst stabilen Konstruktionen bestehen aus Aluminiumgestänge und Bandenelementen mit integrierten Toren und können sowohl draußen wie Indoor einfach aufgebaut werden.
In der Regel haben die Streetsoccer-Mannschaften fantasievollen Namen, heiße Musik und fetzige Rhythmen beflügeln die Kicker und animieren das Publikum. Ballzauber zwischen den Banden – der ideale Spielplatz für die Häßlers und Scholls von morgen.