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11.02.2010 09:37 Bundesliga

Ömer Toprak: Einmal Hölle und zurück

Zurück im Spiel: Ömer Toprak (l.) gegen den Schalker Kevin Kuranyi  © Bongarts/GettyImages
Zurück im Spiel: Ömer Toprak (l.) gegen den Schalker Kevin Kuranyi

Die Narben an Rücken und Beinen erinnern Ömer Toprak, 20, Profi, SC Freiburg, vier Bundesligaspiele, jeden Tag daran, dass er für einige Zeit ganz weit weg vom Fußball gewesen ist. Das Davor und das Danach – vieles im Leben eines Menschen kapriziert sich auf prägende Ereignisse. Auf Erlebnisse, die ein Weiter-wie-bisher nicht zulassen, weil sich so viel verändert hat. Sie können nur kurz sein, doch mit einschneidenden Folgen. Wie bei Toprak. „Ich weiß es jetzt viel mehr zu schätzen, dass ich gesund bin und Fußball-Profi sein darf“, sagt er im Gespräch mit DFB.de.

Bis vor acht Monaten ist seine Karriere ein einziger Siegeszug gewesen: Deutscher A-Jugend-Meister, Europameister mit der deutschen U19-Nationalmannschaft, mit 19 Debüt bei den Profis des SC Freiburg, Stammkraft und dann, als Krönung, im Mai 2009 der Aufstieg in die Bundesliga.

„Er ist das Beste, was ich in den letzten Jahren im Juniorenbereich gesehen habe“, adelt Weltmeister Jürgen Kohler den jungen Innenverteidiger. Die Bundesliga soll Topraks große Bühne werden. Doch der Freiburger, Sohn türkischer Eltern aus Ravensburg, betritt sie erst ein halbes Jahr später als gedacht. Denn da ist dieses Ereignis, dieser 9. Juni 2009, und alles ist anders. Von einem Moment auf den nächsten.

"Es hat unheimlich weh getan. Es war die Hölle"

An diesem Tag ist der Abwehrspieler des SC Freiburg mit Freunden in Umkirch, einer kleinen Gemeinde im Schwarzwald, zum Go-Kart-Fahren verabredet. In einer Linkskurve prallt Toprak mit seinem Fahrzeug auf das Kart vor ihm. Der Tank reißt auf, Benzin tritt aus und entzündet sich. In Sekundenschnelle greifen die Flammen auf Toprak über.

Er wird schwer verletzt und mit Verbrennungen an Rücken und Beinen in die Freiburger Uniklinik gebracht. „Ich kann mich noch an alles erinnern“, sagt er. „Es hat unheimlich weh getan. Es war die Hölle.“ Er wird nach Tübingen verlegt, siebenmal operiert: Hauttransplantationen, Wundsäuberungen. Zwei Monate lang muss er das Bett hüten. „Es gab Nächte“, sagt er, „da konnte ich einfach nicht schlafen. Ich hatte den ganzen Tag im Bett gelegen. Wie sollte ich da müde sein?“ Von 100 auf 0, für den Leistungssportler Toprak eine brutale Umstellung.

Fortbewegen kann er sich zunächst nur im Rollstuhl, anschließend auf Krücken, immerhin. Dann beginnt die Reha, langsam und behutsam zunächst. „Ich habe nie gedacht: Das packst du nicht“, sagt er. Von allen Seiten bekommt er Unterstützung: von den Ärzten, seiner Familie, Freunden, Kollegen. Ein Fan richtet eine Homepage ein, auf der Grußbotschaften an Toprak hinterlassen werden können, fast 3000 werden es.

So jubeln Europameister: Ömer Toprak (l.) und Dennis Diekmeier  © Bongarts/GettyImages
So jubeln Europameister: Ömer Toprak (l.) und Dennis Diekmeier

Wunden und Narben heilen schnell

„Ich wollte zurück in den Fußball“, sagt er. „Das war mein Antrieb.“ Ende September beginnt er mit leichtem Lauftraining. Wunden und Narben heilen ungewöhnlich schnell, selbst die Ärzte, sagt Toprak, seien davon überrascht gewesen. Zur Vorbereitung auf die Rückserie stößt der Freiburger Hoffnungsträger wieder zur Mannschaft, absolviert gegen den spanischen Klub FC Elche sein erstes Testspiel. Und er ist dabei, als Freiburg am 18. Spieltag in Hamburg gastiert. Nach 65 Minuten wird Toprak eingewechselt. "Ich habe innerlich gejubelt", sagt er. "Es war ein klasse Gefühl, endlich mein erstes Bundesligaspiel machen zu können." Mit Verspätung, aber dafür umso intensiver.

Seither ist er wieder Stammspieler, als wäre nichts gewesen. "In Sachen Kraft und Fitness bin ich schon fast wieder so weit wie vor dem Unfall", sagt der 20-Jährige. "Aber auf dem Platz fehlt halt noch etwas, die Abläufe sind noch nicht wieder komplett automatisiert, aber das kommt schon noch." Freiburgs Trainer Robin Dutt lobt seinen Schützling: "In Ömer Toprak haben wir in der Winterpause einen weiteren Neuzugang bekommen. Mit ihm ist unser Spiel organisierter."

Toprak will weiter an sich arbeiten, wie er das schon die letzten Monate getan hat. Er will mit Freiburg die Klasse halten, am Sonntag geht es nach Frankfurt: "Wir haben eine starke Mannschaft, und wir werden drinbleiben. Da bin ich mir sicher." Er will sich wieder festspielen: "Aber an die DFB-Mannschaften denke ich im Moment nicht. So weit bin ich noch nicht." Nur eines will er nicht mehr machen: in ein Kart steigen. "Muss nicht sein", sagt er.

Das meinen DFB.de-User:

So stark und noch so Jung!!! Respekt!!!! (Markus Fellner, Stuttgart)


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