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04.11.2009 13:44 Soziales Engagement

Dr. Theo Zwanziger mit Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet

Ausgezeichnet: Dr. Theo Zwanziger (2.v.r.) erhielt den Leo-Baeck-Award  © Bongarts/GettyImages
Ausgezeichnet: Dr. Theo Zwanziger (2.v.r.) erhielt den Leo-Baeck-Award

Einen Ort mit einer größeren Symbolik hätte es für diesen Anlass kaum geben können. Der Zentralrat der Juden hatte zur Verleihung des Leo-Baeck-Preises das Adlon-Palais in Berlins Mitte ausgewählt, nur ein paar hundert Meter vom Brandenburger Tor entfernt.

Als drinnen der Pianist Vladimir Stoupel eine nachdenkliche Klaviermusik von Mendelssohn Bartholdy anstimmte, war die Vergangenheit beim Blick aus dem Fenster plötzlich ganz nah, greifbar nah. Auf der anderen Straßenseite des Hotels bedeckte der erste Schnee des Hauptstadt-Winters an diesem grauen Novembertag die dunklen Betonstelen des Holocaust-Mahnmals.

Sich erinnern - und doch nicht in der Vergangenheit verharren

Sich erinnern und trotzdem nicht in der Vergangenheit leben, genau deshalb hatte der Zentralrat hierher eingeladen. Unter den Kronleuchtern des Festsaals sollte an diesem symbolischen Ort an diesem 4. November ein Mann geehrt werden, der kein Mahnmal braucht, um sich verantwortlich zu fühlen. Jemand, für den die Betonstelen im Berliner Schneeregen nicht nur Erinnerung, sondern täglicher Ansporn sind.

"Herr Zwanziger wird für sein außerordentliches Engagement für eine tolerantere Gesellschaft, im Sport und weit darüber hinaus, geehrt", sagte Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrates der Juden, als sie den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) begrüßte. Nach all den sportlichen Erfolgen des Jahres 2009 eine ganz besondere Auszeichnung für den deutschen Fußball.

In einer Reihe mit Politikern, Schriftstellern und Verlegern

Es gab Applaus, viel Applaus für einen Preisträger, der sich damit in die Reihe großer, bedeutender Würdenträger einreiht. Egal ob die früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Roman Herzog oder Bundeskanzlerin Angela Merkel: Sie alle wurden ausgezeichnet, weil sie sich für die jüdische Gemeinde, für Versöhnung, für ein friedliches Miteinander und damit gegen jede Form von Antisemitismus, Fremdenhass und Ausgrenzung eingesetzt hatten. Sie allen bekamen diesen Preis, weil sie einen Beitrag für mehr Toleranz, Akzeptanz, mehr Verständnis und Verständigung geleistet hatten.

Dass nach all den Politikern, Schriftstellern und Verlegern ein Vertreter des Sports ausgezeichnet wurde, ist etwas Neues, für den früheren Innen- und aktuellen Finanzminister Wolfgang Schäuble aber nur die logische Konsequenz eines kontinuierlichen, beispielhaften Engagements. "Wie kaum ein anderer hat Theo Zwanziger begriffen, welch große sportliche und gesellschaftliche Bedeutung der Sport im Allgemeinen und der Fußball im Besonderen haben", sagte er in seiner Laudatio.

Schäuble lobte den Einsatz gegen Rassismus und Homophobie, die Präventionsarbeit des DFB, die kritische Aufarbeitung seiner Geschichte. Und er ermutigte den Preisträger, seine "kompromisslose Haltung gegenüber bedenklichen und gefährlichen Tendenzen" auch in Zukunft zu bewahren.

Mehr als 200 Gäste im Adlon-Palais  © Bongarts/GettyImages
Mehr als 200 Gäste im Adlon-Palais

"Dieser Preis ist eine Mahnung"

Dass der DFB-Präsident genau das beabsichtigt, sprach er deutlich aus. Zwanziger machte keinen Hehl daraus, wie sehr ihn diese hohe Auszeichnung bewegt. Und er machte umso unmissverständlicher klar, wie wichtig und wie richtig es ist, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

"Dieser Preis ist eine Mahnung, nicht tatenlos zuzuschauen, wenn auf irgendeinem Bolzplatz, in irgendeinem Stadion oder irgendeinem Vereinsheim die Toleranz mit Füßen getreten wird", sagte Zwanziger, der die Ehrung stellvertretend für all diejenigen entgegennehmen wollte, die im Abseits wirken. Tagtäglich, engagiert, couragiert. Wir alle "müssen wachsam bleiben und dürfen kein Vergessen zulassen", sagte er. Antisemitismus, Rassismus dürften keinen Platz im Fußball haben, niemals.

Auch dafür gab es viel Beifall von mehr als 200 Gästen, denen der DFB-Präsident am Schluss seiner Rede mit auf den Weg gab: "Nur wer sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt, kann die Gegenwart verändern. Und nur wer sich in der Gegenwart engagiert, kann in die Zukunft wirken." Als die Zuhörer danach den Festsaal verließen, schauten viele aus dem Fenster. Auf die andere Straßenseite. Dorthin, wo der erste Schnee des Hauptstadt-Winters die Stelen des Holocaust-Mahnmals bedeckte.


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