05.01.2010 08:28 Regionalliga
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Mit Babelsberg erfolgreich: Dietmar Demuth |
Den Fans des SV Babelsberg 03 muss die Hinrunde in der Regionalliga Nord wohl wie ein Oscar-Streifen aus den gerade einmal drei Kilometer entfernten Filmstudios vorgekommen sein. Dabei sah es nach dem holprigen Saisonstart mit nur einem Sieg aus den ersten fünf Spielen gar nicht nach einer Erfolgsstory für die Brandenburger aus. Dann kam die dramatische Wendung, wie sie sonst nur Drehbuchautoren möglich machen. Babelsberg ist inzwischen Top-Favorit auf die Meisterschaft, hat nach einer grandiosen Serie mit zwölf Siegen aus den vergangenen 13 Partien den inoffiziellen Herbsttitel errungen und überwintert mit stattlichen 42 Punkten auf Platz eins. Happy-Ending vorstellbar.
Trainer Dietmar Demuth gilt als maßgebliche Kreativkraft für die Babelsberger Erfolgsgeschichte. Von allen 18 Trainern der Regionalliga Nord gab vor dem Saisonauftakt nur Ex-Profi Demuth, dem einst als Spieler und Trainer mit dem FC St. Pauli sogar den Sprung in die Bundesliga gelungen war, den Aufstieg in die 3. Liga als Ziel aus. Seine Mannschaft wurde den hohen Ansprüchen eindrucksvoll gerecht.
"Geheimtipp" Wolfsburg
Hinter den Potsdamern blieben in der Tabelle große Überraschungen aus. Mit 38 Punkten belegt die Reserve des VfL Wolfsburg, die von mehreren Trainern als "Geheimtipp" eingestuft wurde, den zweiten Tabellenplatz vor dem aktuellen Vize-Meister Hallescher FC (36), der in der vergangenen Saison den Aufstieg hinter Holstein Kiel nur knapp verpasst hatte. Erst auf dem fünften Platz hinter dem Chemnitzer FC (34) ist der 1. FC Magdeburg (32) zu finden. Der als Top-Favorit auf den Aufstieg in die Spielzeit gestartete Ex-Europapokalsieger weist - nicht zuletzt wegen eines Fehlstarts mit nur drei Punkten aus den ersten vier Partien - schon zehn Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Babelsberg auf.
Im Gegensatz zu Babelsberg und Magdeburg mussten sich die Verantwortlichen und Fans in Wolfsburg nicht so lange gedulden, bis die Reserve der "Wölfe" durchstartete. Denn die Mannschaft von Trainer Lorenz-Günther Köstner verlor nur eine ihrer ersten 13 Saisonspiele und rangierte bis zum zwölften Spieltag an der Tabellenspitze. Schuld für das Abrutschen war dann ein 0:0 gegen den Aufsteiger ZFC Meuselwitz, so dass die Wolfsburger die Spitzenposition dann an den SV Babelsberg 03 abgeben mussten - gleichzeitig der erste und bisher einzige Wechsel an der Tabellenspitze.
Köstner: "Wollen die beste Zweitvertretung der Liga werden"
Obwohl die Wolfsburger nach ihrem sehr guten Start einige Rückschläge hinnehmen mussten, sind sie auf einem guten Weg, die formulierte Zielsetzung von Trainer Köstner ("Wir wollen die beste Zweitvertretung der Liga werden.") zu verwirklichen. Die Grün-Weißen sind die einzige Reserve-Mannschaft in der Spitzengruppe. Mit reichlich Abstand folgt der Hamburger SV II, der aktuell mit 27 Punkten auf Rang sechs überwintert.
Zwar befindet sich der 1. FC Magdeburg in der Tabelle nur auf Rang fünf, aber beim Zuschauer-Zuspruch wird der Traditionsverein aus Sachsen-Anhalt seinen hohen Ansprüchen gerecht. Insgesamt besuchten 55.982 Fans die Heimspiele der Blau-Weißen, die damit unangefochten auf Platz eins der Zuschauer-Tabelle rangieren. Im Schnitt kamen 6.220 Zuschauer pro Heimspiel ins Stadion Magdeburg. Mit großem Abstand folgen der Chemnitzer FC (3.458 Besucher im Schnitt), der Hallesche FC (3.294) und der VfB Lübeck (2.661). Spitzenreiter SV Babelsberg 03 muss sich bisher mit durchschnittlich 1.635 Zuschauern im Potsdamer Karl Liebknecht-Stadion begnügen.
Keine Zuschauer-Magneten waren erwartungsgemäß die Zweitvertretungen von Hannover 96 (245), VfL Wolfsburg (192) und Hertha BSC Berlin (191). Als bestes Reserveteam sticht der FC. St. Pauli II (925) heraus. Der Aufsteiger, der seine Heimspiele ebenso wie die eigene Zweitliga-Mannschaft im großen Millerntor-Stadion austrägt, belegt damit sogar einen Mittelfeldplatz in der Zuschauer-Tabelle.
10.254 Zuschauer beim Halleschen FC
Die meisten Zuschauer (10.254) sahen das Derby zwischen dem Halleschen FC und dem 1. FC Magdeburg (1:1). Insgesamt ist die Zuschauerzahl im Vergleich zur vergangenen Saison gesunken. Waren es nach 19 Spieltagen in der Saison 2008/2009 noch 1.752 Besucher im Schnitt, so passierten in dieser Saison bisher durchschnittlich nur 1.380 Zuschauer die Stadiontore.
Bei den treffsichersten Akteuren der Regionalliga Nord spielt ebenfalls ein Spieler von Spitzenreiter SV Babelsberg 03 die Hauptrolle. Mit 15 Toren in 18 Spielen weist Angreifer Daniel Frahn eine beeindruckende Bilanz auf. Beim Auswärtsspiel in Hamburg (6:1) drehte Frahn einen frühen 0:1-Rückstand im Alleingang. Er traf insgesamt viermal, erzielte in der zweiten Halbzeit innerhalb von nur 27 Minuten einen lupenreinen Hattrick. Die Partie war auch eines der torreichsten Spiele bis zur Winterpause. Noch drei Treffer mehr fielen allerdings bei der Partie von Hertha BSC Berlin II gegen den ZFC Meuselwitz (7:3). Hinter Frahn liegen Wolfsburgs Mike Könnecke und Magdeburgs Radovan Vujanovic mit jeweils zwölf Treffern in der Torschützenliste auf Platz zwei. Vierter ist Vujanovics Sturmpartner Lars Fuchs mit elf Saisontreffern.
Die sattelfesteste Abwehr stellt der VfL Wolfsburg II, der bisher erst sieben Gegentore kassierte. Kurios: Alle Gegentore der Mannschaft von Trainer Lorenz-Günther Köstner fielen auswärts. Im heimischen VfL-Stadion am Elsterweg hat VfL-Torhüter Marwin Hitz dagegen in zehn Partien noch keinen einzigen Gegentreffer kassiert. Dieses Kunststück ist bisher noch keiner Mannschaft in der Geschichte der Regionalliga Nord gelungen. Hinter den "Wölfen" folgen der Hallesche FC (elf Gegentreffer) und der SV Babelsberg 03, der zwölf Tore kassierte.
Die schwächsten Abwehrleistungen gehen auf das Konto von drei Mannschaften, die auf Abstiegsplätzen stehen. Mit 42 Gegentreffern stellt der Tabellenvorletzte FC Hansa Rostock II die „Schießbude“ der Liga. Dahinter folgen die Zweitvertretung von Hertha BSC Berlin (38) und der SV Wilhelmshaven (36). Das schon etwas abgeschlagene Schlusslicht Goslarer SC hat bisher 34 Gegentore auf dem Konto, stellt dafür aber mit nur 17 Treffern die harmloseste Offensive. Effizienz bewies Aufsteiger Tennis Borussia Berlin, der mit gerade einmal 18 Toren immerhin 24 Punkte einfuhr und als Tabellenachter ins neue Jahr geht.
Vor allem die stabile Hintermannschaft sorgt dafür, dass die Wolfsburger Reserve auch die Heim-Tabelle der Regionalliga Nord anführt. Von den zehn Heimspielen wurden acht gewonnen, hinzu kamen zwei torlose Remis. 26 ihrer 38 Punkte holten die Niedersachsen im eigenen Stadion. Die schwächste Heimmannschaft ist der FC Hansa Rostock II, der vor eigenem Publikum lediglich einmal gewann und nur vier Punkte holte. Auswärts dagegen ist der SV Babelsberg 03 das Maß aller Dinge. Die „Filmstädter“ sammelten 27 Punkte in der Fremde und gingen neunmal als Sieger vom Platz. Nur eine Partie ging verloren (1:2 in Chemnitz). Der Goslarer SC konnte auswärts dagegen noch keinen "Dreier" einfahren und nur zwei Punkte aus den anderen Stadien entführen.
Den größten Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsleistungen gibt es beim ZFC Meuselwitz. Während der Aufsteiger in der heimischen bluechip-Arena gerade einmal acht Punkte sammelte, holten die Thüringer 16 Auswärts-Punkte und müssen mit dieser Ausbeute nur Babelsberg (27 Zähler) und der Reserve des Hamburger SV (19) den Vortritt lassen.
19 Spieler als echte "Dauerbrenner"
Nicht weniger als 19 Spieler erwiesen sich bis zur Winterpause als "Dauerbrenner", verpassten keine einzige Minute. Dabei stellen der Hallesche FC mit Torhüter Darko Horvat, Steve Finke und Adli Lachheb sowie der VfL Wolfsburg II mit Marwin Hitz, Julian Klamt und Daniel Reiche jeweils drei Spieler. Auch Martin Neubert, Ertan Turan (beide Tennis Borussia Berlin), Tim Hofman (Hannover 96 II), Marin Mandic, Viktor Pekrul (beide FC Oberneuland), Christian Person (VFC Plauen), Dennis Danso-Weidlich, Marian Unger (beide SV Babelsberg 03), Nourreddine Semghoun (VfB Lübeck), Matthias Tischer, Radovan Vujanovic (beide 1. FC Magdeburg), André Weis (SV Wilhelmshaven) und Henning Lichte (Türkiyemspor Berlin) waren in allen bisher absolvierten Partien über 90 Minuten auf dem Platz.
Als "böse Buben" aufgefallen sind die Spieler der FC Oberneuland. Die Bremer kassierten bereits 43 Gelbe Karten sowie fünf Platzverweise und sind damit das "foulste" Team der Liga. Ihr Abwehrspieler Björn Dreyer handelte sich ebenso wie Marco Fiore (SV Wilhelmshaven) und Marius Browarczyk (FC St. Pauli) je eine Rote und eine Gelb-Rote Karte ein. Zwei "Ampelkarten" kassierte Enes Cabuk von Türkiyemspor Berlin. Am fairsten waren die Kicker des VfL Wolfsburg II, die lediglich 20-mal Gelb sahen und ohne Platzverweis auskamen. Insgesamt wurden in dieser Saison bisher 47 Spieler (25 Gelb-Rot/22 Rot) vorzeitig zum Duschen geschickt. Im Vergleich zur vergangenen Saison ist die Zahl der Platzverweise deutlich gestiegen. Bis zum Winter 2008/2009 waren lediglich 32 Akteure vorzeitig in die Kabine geschickt worden.
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Treffsicher: Daniel Frahn (M.) vom SV Babelsberg 03 |
Bei drei Nord-Regionalligisten gab es bis zur Winterpause Trainerwechsel. Nach nur einem Sieg aus den ersten fünf Partien musste beim FC Oberneuland Trainer Mohamed Amiq seinen Hut nehmen. Für ihn sprang zunächst Remzo Memic ein, rückte aber später wieder ins zweite Glied, als Mike Barten (zuvor Co-Trainer beim FC Hansa Rostock) zurückkehrte. Mit drei Siegen, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen führte der 36-Jährige den FCO bis zur Winterpause auf einen Nicht-Abstiegsplatz.
Weil Andreas Bergmann bei den Profis von Hannover 96 als Interimstrainer überzeugte, wurde er zum neuen Chef-Trainer befördert. Für ihn übernahm Thomas Flath das Amt des U 23-Trainers. Beim VFC Plauen musste Hermann Andreev nach einer Niederlagen-Serie im Oktober seinen Hut nehmen. Für ihn rückte Ronald Färber auf, der zuvor die U 19 trainiert hatte. Seine Bilanz: Drei Siege und zwei Niederlagen. Auch die Vogtländer überwintern dadurch auf einem rettenden Rang.
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