30.11.2009 10:00 FIFA WM 2010 DFB.DE GESPRÄCH DER WOCHE
![]() |
Horst R. Schmidt: "Die Auslosung ist ein Schlüsselereignis" |
Weit über 150 Millionen Fußballfans werden ihre Fernseher einschalten, wenn kommenden Freitag (ab 18.30 Uhr, live im ZDF) in Kapstadt die Endrunde der Weltmeisterschaft 2010 ausgelost wird. Einflussreicher Beobachter ist dann auch Horst R. Schmidt. Seit der WM 1974 in Deutschland war der DFB-Schatzmeister bei jeder WM maßgeblich an der Organisation beteiligt, 2006 bei dem letzten Championat erneut im eigenen Land als 1. Geschäftsführender Vizepräsident des Nationalen Organisationskomitees (OK) fürs operative Geschäft verantwortlich.
Dem OK von Südafrika, im nächsten Jahr Gastgeber der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden, steht er als Chairman des „Ticketing Subcommittee“ und Berater zur Seite. Im aktuellen DFB.de-Gespräch der Woche mit den Internetredakteuren Thomas Hackbarth und Christian Müller blickt der 68-jährige Schmidt auf das mediale Großereignis WM-Auslosung, äußert sich zum Ticketing und schätzt die viel diskutierte Sicherheitslage im Land ein.
DFB.de: Sie pendeln seit Monaten zwischen Deutschland und Südafrika, wo Sie sich auch jetzt aufhalten. Wie ist die Stimmungslage im Land, vier Tage vor der Auslosung zur WM 2010?
Horst R. Schmidt: Rund um den "Final Draw" gibt es vielfältige Aktivitäten der FIFA sowie von den Gastgebern, Sponsoren und Partnern. Dadurch soll und wird die Veranstaltung noch einmal richtig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Weltweit, aber auch im Land selbst. Ich bin sicher: Die Auslosung ist ein Schlüsselereignis, das die Vorfreude der Menschen wecken wird. Danach gibt es in Südafrika keinen mehr, der nicht weiß, dass am 11. Juni 2010 der WM-Anpfiff mit der Bafana Bafana ist. Und weltweit wird klar werden, wie sehr sich Afrika auf diese WM freut.
DFB.de: Die Auslosung in Kapstadt wird weltweit in 200 Länder übertragen. Erwarten Sie dadurch noch einmal einen Schub für den Ticketverkauf, der am Freitag gleich nach der Ziehung der acht WM-Gruppen in die dritte Phase geht?
Schmidt: Natürlich. In dieser dritten Verkaufsperiode rechnen wir mit einer Überbuchung der verfügbaren Kontingente, so dass ein Losverfahren für die Zuteilung nötig werden dürfte.
DFB.de: Wie zufrieden sind FIFA und Nationales WM-OK bislang mit der Nachfrage?
Schmidt: Wir haben im allgemeinen Verkauf in den beiden ersten Phasen 800.000 Karten angeboten, über 80 Prozent sind verkauft. Das lässt sich noch steigern. Erfreulich sind neben der Situation in Südafrika die Ticketverkäufe in großen Ländern wie den USA, England oder Deutschland.
DFB.de: Was planen Sie als Chef des WM-Ticketing, um den Absatz in den kommenden Verkaufsphasen noch zu steigern?
Schmidt: Grundsätzlich bin ich optimistisch, dass sich der nationale Markt entwickelt – die nächsten acht Wochen sind dafür entscheidend. Das Land ist noch nicht in dem Grad an das Internet angeschlossen wie etwa wir in Europa, das ist auch ein Faktor beim Kartenverkauf. Mit der Endrunden-Auslosung startet eine große Promotion-Aktion in Südafrika, damit soll das ganze Land angesprochen werden; also auch diejenigen, die sonst nicht zum Fußball gehen würden. Alle Menschen hier sollen das Gefühl haben: Bei diesem Jahrhundertereignis muss ich dabei sein! Der südafrikanische Markt ist natürlich von ganz besonderer Bedeutung, auch weil hier am Ende alles zusammenfließt und dann zum Teil auch Tickets kurzfristig absorbiert werden müssen.
DFB.de: WM-Begeisterung pur gab es vor vier Jahren in unserem Land. Und auch jetzt zeigt sich die WM-Vorfreude deutscher Fans, die bisher rund 25.000 WM-Karten gekauft haben – das ist nach den Gastgebern, den USA und England das viertgrößte Kontingent. Mit wievielen Besuchern aus Ihrer Heimat rechnen Sie bei der WM 2010?
Schmidt: Es ist nicht eindeutig zu sagen, wie viele Personen tatsächlich hinter diesen 25.000 Tickets stehen. Meine Schätzung ist, zwischen 5000 und 6000, weil ich davon ausgehe, dass Anhänger im Schnitt vier WM-Spiele besuchen, wenn sie so weit geflogen sind. Auf der FIFA-Website sind nun zusätzliche Ticketseiten für alle beteiligten Länder eingerichtet. Ziel ist es, auch über diesen Kanal noch mal bis zu 5000 Deutsche im nächsten Sommer nach Südafrika zu bringen.
DFB.de: Die Endrunden-Auslosung für die WM 2006 in Leipzig hatte ein stolzes Budget. Können Sie uns verraten: Wieviel lässt sich Südafrika dieses Ereignis als erster Gastgeber auf dem Schwarzen Kontinent kosten?
Schmidt: Größenordnung und Aufwand sind vergleichbar, ohne dass ich Zahlen nennen will. Die Südafrikaner sind bemüht, der Welt ihre Leistungsfähigkeit zu präsentieren, und das wird sich in ihrer Auslosungszeremonie widerspiegeln. Wie jeder Gastgeber vor ihnen haben auch sie den Anspruch, die "beste Weltmeisterschaft aller Zeiten" auszurichten.
DFB.de: Was können Sie uns zum Modus der Ziehung sagen: Wann werden die Kriterien für die Setzliste bekannt gegeben?
Schmidt: Über die Modalitäten wird von der FIFA am Mittwoch entschieden.
DFB.de: Es gab keine Vorfälle während des Confederations Cups, und Südafrika hat schon Rugby- und Cricket-Weltmeisterschaften erfolgreich ausgerichtet. Wie schätzen Sie die Sicherheitslage für das Turnier vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 im Land am Kap ein?
![]() |
Buntes Miteinander: Fans in Südafrika |
Schmidt: Es gibt neben der Stadion-Infrastruktur praktisch kein Thema, das mit einer solchen Intensität bearbeitet wurde und wird – die Anstrengungen und Vorbereitungen der Organisatoren in Zusammenarbeit mit der Polizei und allen zuständigen Behörden sind wirklich immens. Es wurden umfangreiche Gespräche mit früheren WM-Ausrichtern wie Deutschland geführt, so dass ein Fundus an Erfahrungen entstand, der in den Nationalen Sicherheitsplan eingegangen ist. Ich bin überzeugt, dass dabei nichts unberücksichtigt gelassen wurde.
DFB.de: Was gibt es in diesem sensiblen Bereich in den Monaten bis zur WM noch zu tun?
Schmidt: Nun müssen in den Sicherheitsplan die aktuellen Zahlen und Gegebenheiten, etwa die neuen Stadien, einfließen. Dabei spielt auch eine Rolle, wieviele ausländische Gäste nach Südafrika kommen werden. Aus meiner Sicht ist alles sauber analysiert und transparent, ich bin voller Zuversicht.
DFB.de: Welche Tipps – auch in punkto Sicherheit – haben Sie für deutsche Fans vor Ort?
Schmidt: Für sie wie für alle WM-Besucher gilt: Zuschauer müssen sich an Regeln halten und dürfen keine Sorglosigkeit walten lassen. Generell sollten sich Reisende auf die Sitten und Gepflogenheiten des Gastgeberlandes einstellen. Ich rate jedem, sich gut vorzubereiten, mit den logistischen Voraussetzungen vertraut zu machen und zum Beispiel auf das Wetter einzustellen. Im Juni ist in Südafrika schließlich Winter: Die Spiele werden bei tagsüber angenehmen Temperaturen um die 20 Grad Celsius stattfinden, nachts aber kann es kalt werden. Also gilt: Zum Deutschland-Trikot noch warme Kleidung einpacken!
DFB.de: Eine Gepflogenheit der afrikanischen Fußballfans ist für mitteleuropäische Ohren gewöhnungsbedürftig: Beim Confederations Cup war der Lärmpegel, den die "Vuvuzelas" verursachen, gerade bei Gästen und TV-Zuschauer vom Alten Kontinent ein Thema. Was erwidern Sie all jenen, die sich von diesen folkloristischen Blasinstrumenten gestört fühlen?
Schmidt: Es dauert in der Tat etwas, bis sich ein Gewöhnungseffekt einstellt. Den meisten ist es bisher aber so ergangen, dass sie die Geräusche nach zwei, drei Spielen nicht mehr wahrnehmen – und das Fernsehen hat auch Mittel, um die Geräusche auszupegeln. Ich kann versichern: Die Vuvuzelas werden die Freude am Fußball nicht trüben.
DFB.de: Die WM 2006 in Deutschland hat zu einem unverkrampften Nationalstolz geführt, der World Cup in Südafrika soll alle Bevölkerungsgruppen näher zusammen bringen. Klappt das?
Schmidt: Es gab schon viele positive Momente beim Confederations Cup 2009, und es ist zu erwarten, dass sich das bei der WM weiter verstärkt. Wir wollen alle Menschen in Südafrika in die Stadien bekommen, und dann wird es auch die bunten Bilder der Verständigung geben, die wir uns alle erhoffen.
|
|
WM-Special | |
|
|
WM-Geschichte |