04.11.2009 08:34 U 17-WM 2009 DFB.DE GESPRÄCH DER WOCHE
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Guter Dinge: Kapitän Reinhold Yabo |
Die deutsche Junioren-Nationalmannschaft steht nach dem 3:1 gegen Honduras im Achtelfinale der U 17-Weltmeisterschaft in Nigeria. Heute ab 19 Uhr (live bei Eurosport) trifft die Auswahl von Trainer Marco Pezzaiuoli in Lagos auf die Schweiz.
Kapitän des Teams ist Reinhold Yabo vom 1. FC Köln. Der Mittelfeldmotor wird von Marco Pezzaiuoli als Kopf und Herz seiner Auswahl bezeichnet. Herausragender Stürmer und bester Torschütze bei der WM ist Lennart Thy von Werder Bremen, der mit seinen beiden Toren gegen Honduras den Einzug in das Achtelfinale erst ermöglichte.
Im "DFB.de-Gespräch der Woche" mit Mitarbeiter Stephan Eiermann sprechen Reinhold Yabo und Lennart Thy über ihre erste Weltmeisterschaft, die Chancen für das Turnier und ihre Perspektiven für die Zukunft.
Frage: Reinhold Yabo und Lennart Thy, war das Spiel gegen Honduras eine besondere Drucksituation für Sie und die Mannschaft?
Reinhold Yabo: Ja, bei diesem Spiel hatten wir richtig Druck. Diese Partie war für uns wie ein Finale. Wir mussten unbedingt gewinnen, sonst wäre für uns die Weltmeisterschaft vorbei gewesen. Es war nicht nur der Erwartungsdruck, der als amtierender Europameister von außen auf uns lastete, sondern auch unsere eigenen Ansprüche. Wir haben uns damit selbst ganz schön unter Druck gesetzt.
Lennart Thy: Wir wussten, dass es um alles oder nichts geht und wir alles geben müssen. Das ist auch eine Kopfsache. Aber mir persönlich sind solche Spiele lieber als irgendwelche Freundschaftsspiele. Vielleicht brauchen wir als Mannschaft solche Situationen. Ich persönlich kann mit dem Druck sehr gut umgehen und versuche, ihn in eigene Stärke umzuwandeln.
Frage: Den Druck haben Sie durch die Rückschläge gegen Nigeria und Argentinien auch selbst erzeugt. Bei beiden Spielen lag die DFB-Auswahl in Führung. Wie erklären Sie sich, dass dennoch jeweils kein Sieg dabei rauskam?
Thy: Wir haben beide Spiele bereits in der Hand gehabt und jeweils 60 Minuten überzeugt. Dann haben wir, beide Begegnungen zusammen genommen, in neun Minuten fünf Gegentore bekommen. Diese Schockerlebnisse musste die Mannschaft erstmal verdauen.
Yabo: Für uns war dies eine vollkommen neue Situation. Wir haben in den letzten Monaten nie solche Momente erleben müssen. Ich sehe es für uns positiv, dass wir diese Erfahrung machen mussten. Wir sind alle noch jung und müssen noch viel dazu lernen. Gerade solche Erlebnisse, dann auch noch bei einer Weltmeisterschaft, können einen noch stärker machen.
Frage: Eine Weltmeisterschaft ist ein besonderes Turnier. Wie ist das für Sie als junge Spieler, die erste Weltmeisterschaft, die auch noch in Afrika, zu spielen?
Thy: Für mich ist das eine tolle Sache und ich finde es gut, dass solch ein bedeutendes Juniorenturnier in Westafrika stattfindet. Ich sehe es auch als Chance für den Fußball, dass jetzt alle WM-Turniere innerhalb kurzer Zeit auf diesem Kontinent ausgetragen werden. Dabei haben sich auch viele Dinge so bestätigt, wie wir es im Vorfeld erwartet haben. Das Wetter mit den hohen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit sind gewöhnungsbedürftig. Aber die Begeisterung und Freude der Menschen hier ist einzigartig.
Yabo: Ich persönlich finde es super, dass die Weltmeisterschaft in Nigeria statt findet. Für unsere Entwicklung als Spieler, auf und außerhalb des Platzes, ist es nur von Vorteil, dass wir diese Erfahrung machen dürfen. Bisher kannte ich diesen Kontinent nur aus dem Fernsehen. Die Menschen hier sind total Fußball begeistert und flippen regelrecht aus, wenn sie uns sehen. Es wird einem dabei bewusst, wie gut es uns in Deutschland geht.
Frage: Ist es aufgrund ihrer kongolesischen Wurzeln für Sie noch einmal etwas Besonderes?
Yabo: Ja, das kann man schon sagen. Man fällt auf als schwarzer Spieler und Kapitän einer deutschen Nationalmannschaft. Ich bin in Deutschland aufgewachsen. Hier habe ich Fußball spielen gelernt und bin gefördert worden. Ich bin unglaublich stolz, Kapitän dieser Mannschaft zu sein. Ich soll und will das Team auf und neben dem Feld anführen. Außerdem möchten wir als Team zeigen, dass wir stolz sind, bei einer WM für Deutschland spielen zu können. Zu dem ist es das erste Mal, dass ich auf dem Heimatkontinent meiner Eltern bin. Man kann also durchaus sagen, dass es etwas Besonderes für mich ist.
Frage: Was können wir von der Mannschaft bei der WM noch erwarten?
Thy: Es ist nicht unser Anspruch, dass wir uns mit dem bisher Erreichten zufrieden geben. Generell ist alles möglich und wir stimmen mit DFB-Sportdirektor Matthias Sammer in unserem Ziel überein: Wir wollen Weltmeister werden!
Yabo: Es ist jetzt nicht vollkommen unrealistisch, wenn wir als amtierender Europameister sagen, dass wir Weltmeister werden wollen. Da interessiert uns auch der Gegner nicht. Wir sind bei einer WM und alle teilnehmenden Mannschaften haben ihre Qualität. Am Ende wollen wir die Besten sein.
Frage: Was zeichnet das Team aus? Wie ist die Atmosphäre?
Thy: Wir sind eine ausgeglichene Mannschaft und haben auf allen Positionen Topspieler. Die Kameradschaft im Team ist sehr gut und die meisten Spieler kennen sich auch noch von der Europameisterschaft.
Yabo: Alle 21 Spieler sind in ihren Klubs herausragende Persönlichkeiten. Wir versuchen, unsere individuellen Stärken und Fähigkeiten in die Mannschaft einzubringen. Unser Teamgeist zeichnet uns aus.
Frage: Wo liegen die Stärken des jeweils anderen?
Thy: Reinhold ist unser Kapitän und ein wichtiger Spieler auf und neben dem Platz. Seine Ausstrahlung und physische Präsenz auf dem Spielfeld sind überragend. Er ist unser Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff, eine richtige Nummer 8 eben.
Yabo (lacht): Danke, das hast Du schön gesagt. Lennart ist konditionell unheimlich stark und hat einen super Torriecher. Er ist sich für keinen Laufweg zu schade und auch ein defensiv mitarbeitender Stürmer.
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Im Duell um den Ball: Lennart Thy (l.) |
Frage: Nach der WM geht es zurück in die Vereine. Wie sieht die Planung für Sie dort aus?
Thy: Ich spiele und trainiere bei Werder in der U 19. Ich weiß, dass Thomas Schaaf auch unsere Spiele beobachtet. Mit mir gesprochen hat er aber noch nicht.
Yabo: Momentan trainiere ich schon regelmäßig mit den Profis unter Zvonimir Soldo. Das ist eine komplett neue Erfahrung und der Unterschied ist deutlich erkennbar. Meine Spielzeit habe ich in der U 23 in der Regionalliga. Mein Ziel ist es, mich für die erste Mannschaft zu empfehlen und eines Tages für die Nationalmannschaft zu spielen. Dafür gebe ich Alles.
Frage: Im Achtelfinale der WM wartet nun die Schweiz. Was sagen Sie zum Gegner?
Yabo: Mir ist letztendlich egal, auf wen wir treffen. Wir haben vor jedem Gegner Respekt, aber keine Angst. Ab jetzt kommen nur noch Finalspiele.
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Schweiz wartet | |
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Achtelfinale | |
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