Paul Freier

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Vom Vater inspiriert



Der Leverkusener Paul Freier im Nationaltrikot

So manches hätte sich Eugen Freier in seinem Leben nicht träumen lassen. Zum Beispiel, dass aus seinem Sohn Paul einmal ein Fußballprofi werden würde. Eugen Freier weiß noch genau, wie alles mit dem Kleinen angefangen hatte: "Er war immer hinter dem Ball her. Schon mit vier Jahren konnte er wie kein anderer seiner Altersklasse jonglieren. 60, 70 Ballkontakte schaffte er da schon." Nationalspieler Paul Freier bestätigt: "Ja, ich habe immer, schon als kleiner Knirps, den Fußball geliebt."

Und dann diese merkwürdige Bochumer Duplizität! "1976 habe ich mit Polonia Beuthen beim VfL Bochum an einem Turnier teilgenommen. Ich wurde dabei so schwer verletzt, dass ich meine Karriere beenden musste." Ausgerechnet in Bochum hat Paul den Sprung in die Bundesliga geschafft, sogar in die Nationalmannschaft und in den Kreis jener Talente, denen eine Perspektive für die Heim-WM 2006 bescheinigt wird.

Eugen Freiers Hoffnung auf die große Fußballkarriere endete 1976 in Bochum jäh. Gerade ein Jahr lang hatte er für den polnischen Erstligisten Polonia spielen dürfen, dann war's vorbei. Dem Fußball blieb er verbunden, zunächst als Nachwuchstrainer in Beuthen. Und indem er den Vater zum Training begleitete, entdeckte Paul Freier seine Liebe und sein Talent zum Spiel mit der Lederkugel. "Ich war immer dabei, schaute beim Training zu, spielte später auch mit", berichtet er, "aber nie hat mein Vater gesagt: Du musst ein großer Fußballer werden. Seine Worte waren immer: Hab´ Spaß dabei, aber vergiss die Schule nicht. Es hat ja auch keinen Sinn, wenn man jemanden unter Druck setzt."



Blackburns David Dunn (l.) gegen Paul Freier

1990 dann der Ortswechsel: Raus aus Oberschlesien, rüber nach Deutschland. Für Paul, der vorher Slawomir hieß, änderte sich vieles - aber nicht alles. Denn die große Liebe zum Fußball blieb. Im Sauerland arbeitete er sich Stück um Stück voran. Als Michael Skibbe lockte, damals noch Jugendtrainer bei Borussia Dortmund, war es noch zu früh. "Ich meine, junge Spieler sollten so lange wie möglich bei ihrem Heimatverein bleiben und sich dort entwickeln", sagt Eugen Freier, "außerdem hätte ich beruflich nicht die Zeit gehabt, Paul mehrmals pro Woche nach Dortmund zu fahren." Paul Freier weiß allerdings noch: "Um Arnsberg herum - das ist eine richtige Dortmund-Ecke. Der VfL war für mich, ehrlich gesagt, ein unbeschriebenes Blatt."

Dennoch: Das Bochumer Interesse kam einige Zeit später gelegen, und so hat es sich ergeben, dass die Familie Freier - Vater Eugen mit Frau sowie den Kindern und deren Ehegatten - nun bei den VfL-Heimspielen im Ruhrstadion Stammplätze hat. Eugen Freier: "Wir brauchen auf der Tribüne fast eine Sitzreihe für uns." Oft gehen die Gedanken zurück ins Jahr 1976, als dort unten plötzlich eine Karriere endete, noch ehe sie richtig begonnen hatte. Oft denkt er aber auch, dass die Karriere seines Sohnes reiche Entschädigung für ihn ist. "Ich bin schon sehr stolz darauf, was er geschafft hat. Und als Paul zum ersten Mal in der U 21 mitspielte - da sind meine Augen doch richtig feucht geworden." Der Sohn lässt sich auf Emotionen nicht ein: "Ich muss weiter lernen. Wer nicht lernt, entwickelt sich nicht. Fußball ist auch harte Arbeit."

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