Patrick Owomoyela

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Mit zwei Privat-Trainern ganz nach oben



Spätstarter: Patrick Owomoyela kam über den Umweg Basketball zum Fußball

So also ist das, wenn der Bundestrainer anruft. "Ich war total nervös, hatte schweißnasse Hände, konnte es zuerst gar nicht glauben, dass ich mit Jürgen Klinsmann telefoniere." So schildert Patrick Owomoyela, der in der Saison 2005/06 für Werder Bremen spielen wird, seinen ersten Kontakt mit dem Chef der deutschen Nationalmannschaft. "Das Gespräch verlief dann aber total entspannt, der Bundestrainer war nett und locker, so dass sich meine Nervosität ein wenig legte", erinnert sich der 25-jährige Nationalspieler und gibt zu: "Nach dem Telefonat wusste ich minutenlang nichts mehr. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf..." Vor allem eine Frage des Bundestrainers hatte ihn aufgewühlt: "Patrick, ist eigentlich schon die Entscheidung gefallen, ob Sie für Deutschland oder Nigeria spielen wollen?"

Die Frage war mit dem Anruf des Bundestrainers entschieden: "Deutschland." Aber welch eine Frage. Noch vor einigen Jahren hatte Patrick Owomoyela, dessen Mutter aus Hamburg und dessen Vater aus Nigeria stammt, nicht im Traum daran gedacht, es bis in die Nationalelf schaffen zu können. Als er von der A-Jugend in den Herrenbereich wechselte, wollte er eigentlich nur ein wenig aus Spaß kicken. „Owo“ hatte folgenden Plan: „Ein bisschen Taschengeld in der Fußball-Verbandsliga verdienen – und gleichzeitig als Basketballer höher als in der Regionalliga spielen."



Hip-Hop-Fan Patrick Owomoyela von Werder Bremen

Es kam alles anders. Der "Hip-Hop"-Fan, der Fußball nur "just for fun" spielen wollte, kann sich heute berechtigte Hoffnungen machen, für Deutschland bei der WM 2006 zu spielen. Eine märchenhafte Karriere, doch die stand im wahrsten Sinne des Wortes lange auf wackligen Beinen. Als kleiner Knabe begann er zuerst als Torwart bei Grün-Weiß Eimsbüttel, später saß der Feldspieler "Owo" oft nur auf der Ersatzbank seines Hamburger Klubs Stellingen 88. Und als B-Jugendspieler trug er seine Beine lange Zeit in Gips, weil er Probleme mit der Wachstumsfuge hatte. An Fußball war damals nicht zu denken, schlimmer noch: Patrick trug sich sogar mit dem Gedanken, dem Fußball für immer ade zu sagen.

Selbst dann dachte er noch ans Aufhören, als er es bei seinem kleinen Klub Stellingen endlich bis zum Stammspieler geschafft hatte. "Owo" wurde mit seiner Mannschaft Norddeutscher Jugendmeister, doch die vielen Siege brachten ihm nicht den Spaß, den er sich beim Fußballspielen erhofft hatte – er fühlte sich oft unterfordert.

Seine Trainer hielten ihn jedoch beim Fußball. Jugend-Coach Stefan Kohfahl erinnert sich: "Patrick war ein Bewegungstalent, ein koordinierter, geschmeidiger Spieler, der mit dem Ball unglaubliche Kunststücke vollbringen konnte. Dieser Junge musste dem Fußball ganz einfach erhalten bleiben."



Ballsicher und laufstark: Patrick Owomoyela.

Und er blieb. Ein Probetraining beim damaligen Zweitliga-Klub SV Meppen weckte den Ehrgeiz. Plötzlich sah Patrick Owomoyela doch die Chance, im Fußball weit voran zu kommen. Er nahm sich sogar zwei Privat-Trainer, um körperlich und fußballerisch schneller voran zu kommen. Eine Maßnahme, die er selbst bezahlte, und die sich voll bezahlt gemacht hat. "Owo", die „Superlocke“, hat einen komentenhaften Aufstieg hinter sich. Wieso das alles so blitzschnell ging, darüber gibt er gerne Auskunft: „Ich habe mich immer wieder hinterfragt, und ich habe alles andere hinter den Fußball gestellt. Und das ist bis heute so geblieben, Fußball ist die Nummer eins, für Fußball steht alles zurück."

So hat er es bis in die Nationalmannschaft geschafft. Das, obwohl er in Hamburg nur bei einem kleinen Verein gespielt hat (nicht beim HSV oder St. Pauli), und obwohl er nie in eine Jugendauswahl berufen worden war.

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