Bernd Schneider

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Mit einem direkt verwandelten Eckball fing alles an



Bernd Schneider überzeugt mit seiner perfekten Technik

Ein Lächeln huscht über das Gesicht von Bernd Schneider, als er sich beim Erzählen daran erinnert, wie seine Fußballer-Karriere so richtig begann. „Das war bei einem Hallenturnier. Ich war neun Jahre alt und spielte bei meinem ersten Verein, Aufbau Jena. Da habe ich einen Eckball direkt ins Tor geschossen. Nach dem Spiel kam ein Trainer von Carl Zeiss Jena zu mir und meinem Vater und hat gesagt, ich soll doch `mal zu einem Probetraining vorbei kommen. Das hat ganz gut geklappt, und ich durfte bei Carl Zeiss spielen.“

Für Bernd Schneider war das eine tolle Sache, schließlich war er ein großer Fan des damaligen DDR-Oberligisten. Schon mit sieben Jahren hatte er die Mannschaft erstmals im Ernst-Abbe-Stadion spielen sehen. „Das werde ich nie vergessen: Uefa-Pokal gegen AS Rom. Das Hinspiel hatte Carl Zeiss mit 0:3 verloren, und dann gewannen sie das Rückspiel 4:0 – unglaublich.“

Klar, dass Bernd Schneider von da an von einer Fußballer-Karriere träumte. Einen weiteren wichtigen Schritt machte er mit zwölf Jahren. „Das war das frühest mögliche Alter, um auf die Kinder- und Jugendsportschule zu wechseln, die Carl Zeiss Jena angeschlossen war. Da wurden im Rahmen der Nachwuchsförderung die besten Jugendfußballer des Bezirks Jena ausgebildet. Die Aufnahmeprüfung habe ich sofort bestanden. Technik, Schnelligkeit und Ausdauer wurden getestet. Zur Schule gehörte ein Internat, in dem diejenigen wohnten, die von weiter weg kamen. Ich dagegen konnte weiter ganz normal zu Hause bleiben.“



Blackburns David Dunn (l.) gegen Bernd Schneider

Neben dem normalen Schulunterricht stand natürlich der Fußball im Vordergrund des Lernens. „Wir haben täglich trainiert, dienstags und donnerstags statt normaler Sportstunden auch ein zweites Mal. Bei diesen Zusatzstunden gab es dann meist Spezialtraining für die Bereiche, in denen man Schwächen hatte. Samstags fanden die Spiele statt, und anschließend durften die Internatsschüler bis zum Sonntagabend nach Hause.“

Bei so einem geregelten Schul- und Trainingsablauf dürfte für ein Kicken auf dem Bolzplatz kaum Zeit geblieben sein. Also war Bernd Schneider kein S traßenfußballer? „Na klar doch! Auf meinem Heimweg von der Schule musste ich an einem Fußballplatz vorbei, und da bin ich dann oft angehalten worden . . . Na ja, es waren immer welche da, mit denen man kickte, häufig auch mit einem Tennisball auf der Straße auf ein Tor aus zwei Schulranzen. Bei uns hieß das schnicken. Und weil ich das wohl öfter mal übertrieben habe, hatte ich den Spitznamen Schnix weg. Der hat sich bis heute gehalten.“

Mit 16 Jahren hatte Bernd Schneider die Schule beendet. Das war im Sommer 1990, die Zeit der Wende. Die Grenze zwischen Ost und West war gefallen, vieles befand sich im Umbruch. „Ich habe dann noch eine Lehre als Zerspannungsmechaniker – das ist ein Feinmechaniker – begonnen, aber nach einem Jahr abgebrochen. Es war damals alles nicht mehr so gut organisiert wie in der Zeit davor, und außerdem kam ich mit 17 schon in den Kader der ersten Mannschaft von Carl Zeiss. Da habe ich mich ganz auf eine Fußballer-Laufbahn konzentriert.“

Mit Erfolg. Im Sommer 2006 unternahm der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen, der 2002 bereits Vize-Weltmeister wurde, einen neuen Anlauf auf den Titelgewinn. Auch diesmal konnte er das große Ziel nicht erreichen. Aber dennoch begeisterte Schneider gemeinsam mit seinen Nationalmannschaftskollegen - und am Ende feierte Fußball-Deutschland einen tollen dritten Platz.

Video-Portrait von Bernd Schneider


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