Guter Mittler: Hermann Neuberger ©

Immer ein wenig misstrauisch

Diese Charakterisierung beleuchtet eine Facette im öffentlichen Leben des Hermann Neuberger. Der gelernte Journalist hat nie die Achtung vor diesem Beruf verloren, konnte und wollte sich allerdings auch nicht mit dem Verhalten jener abfinden, von denen er glaubte, daß sie ihn mit der Kamera oder in fetten Schlagzeilen vorführen wollten. Wenn er die Witterung aufgenommen hatte, lag er auf der Lauer und wirkte namentlich auf der Mattscheibe misstrauisch, was ihm dann wiederum als Arroganz der Macht ausgelegt wurde. Der Medien-Manager Hans R. Beierlein hat es auf den Punkt gebracht: "Er kann sein Lächeln nicht an- und ausknipsen." In dem ARD-Feature Makler des Fußballs hat sich Neuberger dazu geäußert: "Und deswegen werde ich als überheblich angesehen, gerade in meinen Fernsehinterviews. Vielleicht auch, weil ich dann die Krallen draußen habe, weil ich mich dagegen wappne und mir sage: Moment mal, hier will dich einer aufs Kreuz legen. Und dann wirke ich ein bißchen härter und herber, als ich in Wirklichkeit bin." Ergänzend dazu das Neuberger-Bild des damaligen Generalsekretärs und jetzigen FIFA-Chefs Joseph Blatter: "Eher weich, sehr kontaktfreudig und kooperativ, wenn man die harte Schale erst einmal aufgeklopft hat."

Neubergers Mitarbeiter rühmen noch heute das Betriebsklima im lichtdurchfluteten Domizil an der Otto-Fleck-Schneise. Das Haus war, so Dr. Wilfried Gerhardt, "ein Ergebnis der Weltmeisterschaft 1974" und trägt heute den Namen des ersten Hausherrn - Hermann Neuberger. Er nahm sich nicht nur der Belange und Probleme seiner Leute fürsorglich an, sondern sorgte vor allem für die Atmosphäre, die, obwohl nicht eben stressfrei, von Fairness und Kollegialität geprägt war. Der Chef verlangte viel, weil er auch in Details perfekte Resultate erwartete, aber der von ihm ausgehende Druck war so gut wie nie erdrückend. Nochmals Wilfried Gerhardt: "Er war sogar daran interessiert, daß sich das Hausmeister-Ehepaar wohlfühlte, dass nicht zuviel auf seine Schultern gelegt, in puncto Bewirtung nicht zuviel verlangt wurde, wenn große Sitzungen oder Tagungen vorzubereiten waren."