Frank Baumann

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Geboren am 29. Oktober 1975
Größe: 1,87 m
Gewicht: 79 kg
Vereine: TSV Grombühl
1. FC Nürnberg (1991 - 1999)
Werder Bremen (seit 1999)
Länderspieldebüt: 14. November 1999 in Oslo gegen Norwegen (1:0)
Position: Abwehr
Frank Baumann

 
Frank Baumann: Geradlinig nach oben
 
Bisweilen geschieht Seltsames in Grombühl, jenem kleinen Würzburger Stadtteil, der geprägt ist von der Universitätsklinik und einem Labyrinth aus Einbahnstraßen. Oft nämlich klingelt es dort bei der Familie Baumann an der Tür und verschüchtert fragen ein paar Jungs nach Autogrammkarten. Die kleinen Bittsteller werden selten enttäuscht, meist rückt Mutter Barbara (50) einige der von ihrem Sohn unterschriebenen Bilder heraus. Ja, sie sind stolz auf ihren Frank Baumann, schließlich ist er der erste Spieler aus der Domstadt, der bei einer Weltmeisterschaft dabei sein wird. Dort, in der Fußball-Diaspora am Main, wo der einst ruhmreiche FV 04 in der Zweiten Liga spielte und heute als Würzburger FV im Keller der Bayernliga dümpelt, erlernte Baumann beim TSV Grombühl das Spiel mit dem Lederball. Trainer damals war sein Vater Josef. Der 53 Jahre alte Krankenversicherungs-Angestellte, der heute noch in der Reserve-Mannschaft und bei den Alten Herren kickt, hatte viele talentierte Jugendspieler unter seinen Fittichen, "aber keiner hatte so einen Ehrgeiz wie der Frank".

Die Karriere des ältesten Sohnes verlief geradlinig und ging steil bergauf. Schon in der C-Jugend wechselte Frank Baumann zum 1. FC Nürnberg und schaffte dort später den Sprung in die Erste Mannschaft. Nach dem Bundesliga-Abstieg der "Clubberer" im Jahr 1999 wechselte der Franke Frank zum SV Werder Bremen, wo er rasch zum Leistungsträger avancierte und mit dem Kapitänsamt betraut wurde. So spielte sich der Abwehrchef auch ins Blickfeld des damaligen DFB-Teamchefs Erich Ribbeck. Am 14. November 1999 gab Baumann im Länderspiel gegen Norwegen sein Debüt in der Nationalmannschaft. Seit nunmehr zwei Jahren gehört der Verteidiger zum festen Kader des DFB und hat es dabei auf zehn Einsätze und zwei Tore gebracht. So hat es Frank Baumann natürlich schon gewurmt, als ihn Rudi Völler zunächst nur auf Abruf für die Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea nominiert hatte. "Die Enttäuschung sitzt tief", sagte der 26-Jährige, der nach seiner Nicht-Berücksichtigung zunächst Urlaub mit Frau Steffi und Töchterchen Louisa plante. Gebucht aber hatte er nicht fest, und das war gut so. Denn durch die Verletzung des Dortmunders Christian Wörns sprang Baumann spät, aber nicht zu spät auf den WM-Zug auf. "Ich hatte natürlich immer gehofft, dass es noch klappt mit der Nominierung. Die WM ist ein absolutes Highlight, auf das ich mich riesig freue." Die Erfahrung aus 126 Bundesliga-Einsätzen - in der abgelaufenen Saison verpasste Baumann keine Minute - und zahlreichen Europacup-Partien könnte den Abwehrrecken zu einem wichtigen Baustein in Völlers WM-Kasten werden lassen. Das sieht auch Werders Sportdirektor Klaus Allofs so: "Wir freuen uns für den Frank, denn er hat es verdient, mit zur WM zu fahren. Er wird für die Nationalmannschaft sehr wertvoll sein."

In der Bundesliga gilt Baumann als ruhiger Vertreter seiner Zunft. Den gepflegten Pass zieht er stets dem lauten Wort vor. Seine Stärken hat der Bremer im Stellungsspiel, er strahlt Ruhe und Sicherheit im Abwehrverbund aus. Härte kompensiert der gelernte Versicherungsfachwirt durch seine sehr gute Technik.

In einem Fragebogen hat Frank Baumann einmal auf die Frage nach dem schönsten Tag in seiner Karriere geantwortet: "Kommt erst noch." Vielleicht ja schon bald, und sollte er tatsächlich bei der Weltmeisterschaft in Korea und Japan mit der Nationalmannschaft ungeahnte Erfolge feiern, die Kinder in Grombühl würden Sturm klingeln bei Mama Baumann.